Der Milchbock unter der Eiche

Westerhof: Erinnerung an alte Zeiten /?Heute gibt es noch drei Milchbauern im Dorf

Sabine Zech hat mit Unterstützung von Ehemann Falk und Vater Jochen Oppermann ihre Idee vom Milchbock (Melkbock) unter der alten Eiche an der Westerhöfer Straße in die Tat umsetzt. Der Milchbock soll wieder zu einem örtlichen Treffpunkt und damit Klönort werden – an jedem letzten Sonnabend im Monat soll künftig ein Milchbock-Abend stattfinden.

Westerhof. Es hat geklappt: Sabine Zech hat ihre Idee von der „Wiederbelebung“ der Milchbock-Bedeutung für die Landwirtschaft, vornehmlich die Milchbauern, in ihrem Heimatort Westerhof in die Tat umgesetzt. Unter der alten „Friedenseiche“ an der Dorfstraße steht wieder ein Milchbock – samt Milchkannen.
Gemeinsam mit Ehemann Falk und Vater Jochen Oppermann hat Sabine Zech einen neuen Milchbock hergestellt, der nun an alte Zeiten erinnert.

Alte Zeiten: Kühe auf den Weiden rings um das Dorf. Am Morgen wurden die Kühe auf die Weide getrieben, zur Melkzeit in den Stall geholt. Zur Abholung durch den „Milchkutscher“ wurden die über Nacht kühl gestellen großen Milchkannen auf den Mlichbock am Hoftor oder an der Straße gestellt.

In Westerhof gehörten die Milchböcke (Holztische) ab 1937 zum Dorfbild, nachdem die örtliche Molkerei geschlossen und die Milch in die Molkkerei nach Echte kutschiert wurde.

Sabine Zech hat nachgeforscht: Aus Westerhof wurden zeitweise an die 130 Kannen täglich zur Molkerei nach Echte gebracht. Anfangs mit dem Pferdefuhrwerk, dann vom Treckergespann und seit über vier Jahrzehnten kommen die Kessellastwagen (Milchtanklaster) und pumpen die Milch auf den Höfen direkt in ihre riesigen Edeslstahltanks.

Unter der Eiche, wo am Sonnabend der Milchbock der Dorfbevölkerung vorgestellt wurde, wurden einst die Kannen von neun Milchbauern aus dem „Hinterdorf“ abgestellt. Alle Kannen trugen eine Nummer – um Verwechslungen auszuschließen.

Nach Recherchen von Sabine Zech wurden die Kannen von 1937 bis Ende des Zweiten Weltkriegs im wöchentlichen Wechsel von den Landwirten zur Molkerei nach Echte gefahren. Dann übernahm August Meyer als erster Milchkutscher bis in die Mitte der 50er Jahre den Transport, zunächst mit Pferd und Wagen, dann mit dem Treckergespann. Auf Meyer folgte Hermann?Dörge, der erst mit seinem Lanz Bulldock, dann mit einen Unimog, als Milchkutscher im Einsatz war.

Als es in Westerhof immer weniger Milchkühe gab, da nahm auch die Zahl der Kannen ab. Um 1967/1968 übernahm Landwirt Karl Holzkamp aus Willershausen den Kannen-Transport – bis zum 1. April 1973. An diesem Tag – es war kein Aprilscherz – wurde die Molkerei in Echte geschlossen. Ab dann ging mit Milchtankwagen zur Molkerei nach Seesen. „Dies war das Ende unserer Milchböcke“, so Sabine Zech.

Noch gibt es mit Gerhard Klügel, Peter Lohrberg und Martin Winter drei Milchbauern in Westerhof – und auf diesen Höhen rollen die Milchtanklaster (Milchsammelfahrzeuge) vor.eh

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