Einblicke in Kalefelder Montanhistorie

Manfred Hantke berichtete beim Treffen des Männerkreises über die Grube Echte

Manfred Hantke über den Plänen des Bergamtes Clausthal-Zellerfeld.

Kalefeld/Echte. Einen spannenden Einblick in die Bergbaugeschichte rund um Echte konnten vor kurzem die Mitglieder des Evangelischen Männerkreises der Kirchengemeinde Kalefeld/Dögerode erhalten. Manfred Hantke, ehemaliger Lehrer, aus Westerhof präsentierte diesen anhand von Dia-Material beim jüngsten Treffen im Gemeindehaus in Kalefeld.

Hantke, der auch ein Buch über die Eisenerzgrube Echte geschrieben hat, stammt aus einer Bergmannsfamilie, denn sein Vater war selbst Bergmann gewesen.

Wie Hantke den rund 20 Gästen berichtete, wurde in dieser Region Eisenerz bereits um 1748 am Recklingsberg bei Kalefeld abgebaut. Dieser sogenannte Ausbiss (der endende Teil einer Lagerstätte) des Eisenlagers ist in einer Karte von 1748 als Flöz eingezeichnet und soll seiner Zeit als „Calefelder Flöz“ weit bekannt gewesen sein. Das Eisenerzlager am Recklingsberg wurde nach Einführung der Verleihung von Eisensteinfeldern seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Eisensteinfeld „Georg IV“ bezeichnet. Am 30. September 1867 wurde es an Christian Friedrich Heine in Echte verliehen. Dieser soll bereits am 14. April 1854 die Verleihung des Eisensteinfeldes „Kronprinz“, nördlich der Ortschaft Oldershausen erhalten haben
Wie Hantke weiter berichtete, habe die Friedrich Krupp AG in Essen am 25. September 1919 die Eisensteinfelder König Georg, Heines Hoffnung, Georg IV, Caroline und Vertrauen und Einigkeit gekauft.

Durch die politischen Veränderungen im Jahr 1933 und die Aufrüstung in Deutschland gewann natürlich auch das Eisenerz in dieser Region an Bedeutung. 1936 wurde mit dem Vertrieb des Georg-Stollens am Recklingsberg begonnen. Die Erschließung erfolgte durch ein Tagesabhauen. Ein zweiter Stollen wurde Ende 1936 bis Anfang 1937 unter dem Georg- Stollen hindurch vorgetrieben. „Die Förderung war hier nur durch den Einsatz einer Förder-Maschine möglich, die mithilfe von Stahlseilen die Loren nach oben zogen“, so Hantke. Zu diesem Zweck wurde 1937 ein Maschinenhaus in Fachwerkbauweise errichtet.
Am 3. Juli 1937 erfolgte die Verleihung des Eisensteinfeldes Kahlberg an die Sieg-Lahn Bergbau GmbH in Gießen. Der Kauf des Eisensteinfeldes Margarete folgte am 23. August 1937. Die Eisensteinfelder der Friedrich Krupp AG konnte Sieg-Lahn Bergbau GmbH am 25. Februar 1938 erwerben. Die letzte Verleihung ging im April 1956 mit dem Eisensteinfeld Düderode über die Bühne.

Die Schürfarbeiten begannen am 1. Oktober 1937 mit dem Abteufen des späteren Wetterschachts. Seine Endteufe (Tiefe) betrug 187 Meter. Der hölzerne Abteufturm wurde 1951 durch ein eisernes Fördergerüst ersetzt. Die Hauptschachtteufe wurde am 7. Dezember 1937 durch die Schachtbau AG Nordhausen begonnen. Der erste Streckenfortschritt und Ausbau des Füllortes auf der ersten Tiefbausohle (157 Meter) begann im November 1938 durch die Wisoka Schacht- und Grundstreckenvortrieb AG. 1941 erfolgte die Weiterteufe des Hauptschachtes von der ersten zur zweiten Sohle (288 Meter), im August 1950 bis April 1951 von der zweiten zur dritten Sole (378 Meter) und 1956 bis 1957 von der dritten zur vierten Sohle (478 Meter). Der Hauptschacht hatte einen Durchmesser von 5,20 Meter und eine Endteufe von 512,5 Meter.

Als Abbaumethode ist auf der Grube Echte der streichende Kammerbruchbau angewandt worden. Die Bohrlöcher für die Schießarbeiten wurden mit druckluftbetriebenen Zahnraddrehbohrmaschinen gesetzt. Bohrhämmer kamen nicht zum Einsatz. Als Sprengstoff wurden Ammongelit 3 und Donarit 1 verwendet.

Die Grube Echte durfte maximal 20.000 Kilogramm Sprengstoff lagern. Nach den Sprengungen wurde das hereingebrochene Erz mit elektrisch betriebenen Schrapperhaspeln (als Haspel werden im Bergbau sämtliche Zug- und Hubwinden zur Betätigung von Zug- und Förderseilen bezeichnet) zur Verladung abbefördert. Die Streckenförderung wurde auf der ersten Sohle durch Dieselloks und Grubenpferde vollzogen. Am Wetterschacht waren zwei, am Hauptschacht drei bis vier Pferde stationiert. „Ein Pferd zog sechs bis sieben Wagen“. Die Grubenpferde kamen nur an den Wochenenden ans Tageslicht, so Hantke.

Auf der zweiten Sohle waren zwei Dieselloks, auf der dritten Sohle drei bis vier E-Loks und eine Diesellok unterwegs. Die Förderwagen wurden auf der dritten Säule auch zur Personenbeförderung eingesetzt. Die Schachtförderung erfolgte zunächst durch eine Gestellöffnung. In den Jahren 1950/51 wurde dann auf der dritten Sohle anstelle einer Gestellförderung eine Skipförderanlage mit elektrischer Koepemaschine eingebaut. Die Förderwagen mit 1,9 Tonnen Inhalt wurden auf der dritten Sohle in einen Bunker entleert und über die Skipförderanlage zu Tage befördert.

Das am Ricklingsberg geförderte Eisenerz wurde zunächst mit Lastkraftwagen zum Bahnhof Kreiensen gebracht. Durch den Bau der Grubenbahn in den Jahren 1939 bis 1942 konnte der Versand per Lkw eingestellt werden. Das wiederum am Wetterschacht geförderte Erz wurde ab 1938 am Bahnhof von Ildehausen verladen. Auch dies konnte mit Fertigstellung der Grubenbahn ebenfalls eingestellt werden.

Die benötigten Bergmänner wurden unter anderem im Ruhrgebiet und im Saarland angeworben. Durch den Bau der sogenannten Bergmann­siedlung in Sebexen, Kalefeld und Echte wurde Wohnraum für die Bergleute und deren Familien geschaffen. In Dögerode entstanden vier Steigerhäuser und zwei Vierfamilienhäuser für Angestellte. Der höchste Stand der Belegschaft wurde im Jahr 1948 erreicht. Im Dezember 1948 waren auf der Eisenerzgrube Echte 344 Arbeiter unter Tage, 122 Arbeiter über Tage und 18 Angestellte. Die Braunkohlengrube Echte, hierbei handelt es sich um den Braunkohlenschacht Oldenrode, der 1946 bis 1948 von der Grube Echte zur Brennstoffsicherung betrieben wurde, hatte im Juni 1948 38 Arbeiter und sechs Angestellte.
Im September 1952 übernahm die Harz-Lahn-Erzbergbau AG in Bad Harzburg die Eisenerzgrube Echte. Die Grubenwehr der Grube Echte bestand aus einem Oberführer, zwei Gruppenführern, acht Wehrmännern und einem Gerätewart. Einer der ersten Führer der Grubenwehr war Karl Boes, wie Hantke erzählte.

Boes war von 1941 bis 1962 zunächst als Steiger und später als Obersteiger beschäftigt. Die Grubenwehren trainierten gemeinsam. Neben der Grubenwehr der Grube Echte nahmen an gemeinsamen Übungen aus die Wehren aus Reiershausen und Bad Grund teil. Die Ausstattung der Grubenwehr bestand aus sieben Krankenwagen, davon fünf Schleifkörbe. Dazu gehörten auch sechs Gasschutzgeräte, ein tragbarer Pulmotor sowie Selbstretter. Ein Selbstretter ist ein kleines Atemschutzgerät mit Drucksauerstoff. Insgesamt waren 40 ausgebildete Nothelfer vorhanden. Die Bergung bei Unglücken erfolgte Rollwagen mit Gummilaufreifen, um die Erschütterung beim Abtransport unter Tage zu verringern. Die Eisenerzförderung wurde am 22. Dezember 1962 eingestellt.
Das Buch von Manfred Hantke ist bei Kampen in Kalefeld zum Preis von 14,90 Euro erhältlich.hn