Inklusion in den Schulen

GEW fordert die Doppel- oder Dreifachbesetzung in den Klassen

Harald Seeger ist neuer Kreisvorsitzender / Gewerkschaft fordert gerechte Entsoldung der Lehrer

Der GEW-Kreisvorstand (von rechts): Der neue Vorsitzende Harald Seeger und die stellvertretenden Vorsitzenden Olaf Kuhr und Christian Schick (neu im Vize-Amt).

Altes Amt. Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes Northeim der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GWEW). Vorsitzender Bodo Kessemeier berichtete über die Jugendbuchwoche in Kooperation mit der GEW Göttingen.

Der GEW- Kreisverband Northeim organisierte und unterstützte 28 Lesungen in den Grundschulen und weiterführenden Schulen im Kreisgebiet, darunter an den Grundschulen in Düderode und in Echte (das Kreisblatt berichtete). Das Motto der diesjährigen Lesewochen war „Trau dich – Herausforderungen annehmen und Veränderungen bewirken“.

Vorstand gewählt

Bei den Vorstandswahlen wurde Harald Seeger (Erich Kästner-Schule, Northeim) zum neuen GEW-Kreisvorsitzenden gewählt. Er war bisher stellvertretender Vorsitzender und löst Bodo Kessemeier (IGS Bodenfelde), der nach 16jähriger Amtszeit nicht mehr antrat, ab.

Einstimmig wurde Christian Schick (Oberschule Bad Gandersheim) zum neuen stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Neu im Vorstand ist auch Holger Auer (IGS Einbeck), der einstimmig zum Leiter des Referats Schulleitungen gewählt wurde.

Im zweiten Teil der Sitzung berichtete der Vorsitzende des GEW-Bezirks Braunschweig, Söhnke Volkmann, über den Stand der Verhandlungen mit den beiden Parteien der künftigen niedersächsischen Landesregierung. Zentrale Forderungen der GEW an den zukünftigen Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sind unter anderem eine gerechte Besoldung.

Die Zeit der Ausbildung zum/r Lehrer/in ist inzwischen nach der Einführung neuer Studiengänge für alle Schulformen gleich lang. Also sollte auch die Bezahlung auf eine gleiche Gehaltsstufe angeglichen werden. Durch die Streichung von Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und der vor einigen Jahren durchgeführten Abstufung der Lehrerbesoldung um eine Gehaltsstufe, sind die Lehrer/innen in Niedersachsen bei einem Einkommensvergleich mit den anderen Bundesländern an vorletzter Stelle. Demzufolge gibt es in Niedersachsen nur wenige Bewerber auf viele offene Stellen. Die unterschiedliche Besoldung im Lehrberuf hat dazu geführt, dass die Lehramtsstudenten vermehrt die Ausbildung zum Gymnasiallehrer wählen. Aber im Grundschulbereich und an den Haupt-, Real- und Oberschulen fehlen die Lehrkräfte.

Immer mehr Abordnungen

GEW-Sprecher Henning Alter (Echte): „Deshalb werden auch im Landkreis Northeim immer mehr Lehrkräfte von den Gymnasien an Grundschulen abgeordnet. Das ist nicht nur eine Belastung für die betroffenen Lehrkräfte, sondern auch für die Schülerinnen und Schüler in den Grundschulen. Die Regierungsparteien haben signalisiert, dass sie sich dieser Problematik stellen wollen.“

Die zweite Forderung der Gewerkschaft ist die Entlastung der Lehrkräfte durch eine gründliche Überarbeitung der Arbeitszeitregelungen. Das Oberverwaltungsgericht hat im Urteil vom 9. Juni 2015 das Kultusministerium ermahnt, eine rechtssichere Bemessung der Beamtenarbeitszeit vorzulegen. Da diese nicht vorlag, musste die Verlängerung der Unterrichtsverpflichtung um eine Unterrichtsstunde pro Woche an den Gymnasien zurückgenommen werden.

Eine danach vom Kultusministerium eingesetzte Arbeitszeitkommission hat einen Sachstandsbericht abgegeben, in dem eine Erhöhung der Anrechnungsstunden vorgeschlagen wird.

Außerdem sollen zeitnah empirisch abgesicherte Vorschläge zur Unterrichtsverpflichtung gemacht werden. Aus Sicht der GEW muss der Teilzeiterlass für Lehrkräfte dringend den Gegebenheiten angepasst werden. Die Arbeitszeitstudie der Universität Göttingen belegt, dass Teilzeitkräfte einen großen Teil unbezahlter Arbeit leisten.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Teilzeitkräfte bereits am 30. November ihre Jahresarbeitszeit abgegolten hätten.

Thema Inklusion

Eine weitere Forderung ist eine verbesserte Versorgung der Inklusionsklassen. Zusätzliche Förderschullehrkräfte und sozialpädagogische Mitarbeiter werden gebraucht, um die GEW-Forderung nach Doppel- oder Dreifachbesetzung in den Inklusionsklassen zu erreichen.

Besonders an den Grundschulen sollten Lehrkraft, Förderschulkraft und sozialpädagogische Fachkraft gleichzeitig einer Klasse zur Verfügung stehen. Der Forderung der GEW nach Einstellung von 1000 zusätzlichen sozialpädagogischen Fachkräften zum Schuljahresbeginn kam das Kultusministerium mit der Ausschreibung von 650 Stellen für den Grundschulbereich nach.

Die Landesschulbehörde hatte allein im Bezirk Braunschweig 300 Anforderungen für die Bewerbungsunterlagen. Davon wurden 130 Bewerbungen eingereicht. Am Ende gab es jetzt 24 Einstellungen. Die Ursache für dieses magere Ergebnis ist in der Stellenausschreibung zu finden. Sie hatte zum Inhalt, dass es sich um eine 70 Prozent-Stelle handelt, der Arbeitsvertrag bis zum Ende des Schuljahres befristet ist und man sich bereit erklären musste in dem Landkreis des Bezirks Braunschweig zu arbeiten, den die Landesschulbehörde festlegt. Wer möchte unter solchen Voraussetzungen einen Arbeitsvertrag eingehen? Gibt es mit Ablauf des Schuljahres keinen Anschlussvertrag hat man keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Aber auch wenn man bis zum 67. Lebensjahr in dieser 70 Prozent-Stelle arbeiten würde, wäre man von der Altersarmut betroffen und müsste sich die Rente vom Sozialamt aufstocken lassen.

Mit solchen prekären Arbeitsverhältnissen kann man nicht das dringend benötigte Fachpersonal in die Schulen bekommen.

Arbeit muss attraktiver werden

Wenn die Arbeitsstellen an den Schulen nicht attraktiver werden durch Angleichung der Bezahlung an andere Bundesländer, Arbeitszeitregelungen auf Grundlage der Arbeitszeitstudie der Universität Göttingen und Abbau der Arbeitsbelastung durch Einstellung von zusätzlichen sozialpädagogischen Fachkräften für die Inklusion, wird es Niedersachsen nicht gelingen, den Personalmangel und den damit verbundenen Unterrichtsausfall an den Schulen zu beheben.eh

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