Klönkreis bringt geistige Anregungen

Monatlicher Treffpunkt im Düderoder Pfarrhaus / Pfarrer Michael Falk referierte über Dietrich Bonhoeffer

Die Teilnehmer treffen sich einmal monatlich im Pfarrhaus in Düderode.

Düderode. Treffpunkt mit Tradition: 16 ältere Damen sind am Dienstagnachmittag zur Klönrunde in das Pfarrhaus nach Düderode gekommen. Nach Kaffee und Kuchen gab es einen Beitrag von Pfarrer Michael Falk über den Theologen Dietrich Bonhoeffer, der vor 75 Jahren wegen seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus im Konzentrationslagers Flossenbürg hingerichtet wurde.

Jeden zweiten Dienstag im Monat treffen sich die Teilnehmer von 15 bis 17 Uhr zur Klönrunde. Entstanden ist sie vor 30 Jahren aus dem Zusammengehen von Frauenkreis und Seniorenkreis, erläutert die ehrenamtliche Leiterin Helga Zöll. Sie gestaltet die Zusammenkünfte gemeinsam mit Pfarrer Michael Falk, der zumeist am Kirchenjahr orientierte Themen in die Runde einfließen lässt.

„Die Runde bringt geistige Anregungen und fördert die Gemeinschaft“, betonte Falk, der seit acht Jahren regelmäßig dabei ist. Weil in diesem Jahr der 75. Todestag von Bonhoeffer ist, wolle er 2020 nicht nur in Düderode über diese Persönlichkeit reden.

Begleitet von einem Filmbeitrag ließ er wichtige Stationen aus dessen Leben kurz Revue passieren. Bonhoeffer wurde 1906 als sechstes von acht Kindern einer großbürgerlichen Familie in Breslau geboren. Der Tod seines Bruders während der ersten Tage des Ersten Weltkrieges sei für ihn ein einschneidendes Erlebnis gewesen, so Falk.

Geistiger Überflieger und absolut Hochbegabter

Nach dem Abitur habe er sich entschlossen, Theologie zu studieren, mit 21 Jahren promovierte Bonhoeffer in Berlin. „Er war ein geistiger Überflieger, ein absolut Hochbegabter“, erklärte der Pfarrer. Die These in der Doktorarbeit sei gewesen, „dass wir Jesus nur in der Kirche haben, die Kirche ist Christus, wie er bei uns ist“, erläuterte Falk. Wenn ein Christ das Gewehr auf einen anderen richte, dann richtet er das Gewehr auf Christus, sei eine Schlussfolgerung gewesen.

Zu seinen weiteren Stationen gehörte unter anderem ein USA-Aufenthalt, bei dem er lernte, „wie der Glaube den Menschen zu Herzen geht und ihnen Kraft gibt“, 1931 wurde er Dozent für systematische Theologie in Berlin, 1932 Pastor einer deutschsprachigen Gemeinde in London.

Falk kam auf die politische Situation der damaligen Zeit zu sprechen und betonte, dass Bonhoeffer zu den wenigen gehört habe, der die Nationalsozialisten von Anfang an „durchschaut“ habe. Die meisten evangelischen Pastoren seien „gar nicht so sehr abgeneigt gewesen gegenüber dem Nationalsozialismus“, so Falk.

Die Judenverfolgung sei für Bonhoeffer ein „Angriff auf den Glauben“ gewesen, gegen den etwas unternommen werden müsste. Er habe den Satz geprägt, dass man nur gregorianisch singen dürfe, „wenn man für die Juden schreit“.

1935 wurde Bonhoeffer der Leiter eines illegalen Predigerseminars. Nach einem weiteren Amerikaaufenthalt kehrte er im August 1939 nach Deutschland zurück, wo er zu einem theologischen Berater für alle wurde, die ein Attentat auf Hitler planen, erfuhren die Zuhörer. 1943 wurde Bonhoeffer aufgrund seines Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime verhaftet und 1945 hingerichtet. An den Beitrag von Falk schloss sich noch ein reger Gedankenaustausch über aktuelle Themen an, den Helga Zöll moderierte. Von der Coronakrise bis zur Flüchtlingssituation an der griechisch-türkischen Grenze kamen viele Themen zur Sprache.

Konzept der Klönrunde kommt bei Teilnehmern gut an

Das Konzept der Klönrunde kommt bei den Teilnehmern gut an. „Ich lebe allein, hier kann man mal schön in der Runde sitzen“, beschreibt Erika Bartels ihre Motivation zu den regelmäßigen Treffs zu kommen. Wenn keiner zu den Veranstaltungen gehen würde, gebe es bald gar nichts mehr im Dorf, erklärte die 92-Jährige.

„Mich interessant alles“, freute sich die 84-jährige Elsa Sroka über das Angebot. Ich komme, um mit der Dorfgemeinschaft Kontakt zu halten“, sagte die 80-jährige Elisabeth Müller.

Entstanden ist der Klönkreis nach ihren Worten vor 30 Jahren aus dem Zusammengehen von Seniorenkreis und Frauenkreis. Vor 25 Jahren wurde dann wieder ein neuer Frauenkreis ins Leben gerufen, den Sibylle Freifrau von Oldershausen leitet und mit dem bei seiner Gründung ein Angebot für Frauen um das Alter von 40 Jahren geschaffen werden sollte.art