Knappe Mehrheit für Entwurfsplanung zu Sanierungsarbeiten in Ortsdurchfahrt

Maßnahmen am Regenwasserkanal und an Trinkwasserhausanschlüssen in Westerhof beschäftigen Ausschuss

Diplom-Ingenieurin Cornelia Lüdecke (links) erläuterte in der Ortsdurchfahrt Westerhof die von ihrem Büro erstellte Entwurfsplanung.

Westerhof/Willershausen. Vor-Ort-Termin und anschließend ein knappes Votum nach kontroversen Wortbeiträgen: Die Entwurfsplanung für die Durchführung von Sanierungsmaßnahmen am Regenwasserkanal einschließlich der Grundstücksanschlüsse und an den Trinkwasserhausanschlüssen in der Ortsdurchfahrt Westerhof beschäftigte am Dienstag den Ausschuss für Gemeindeentwicklung.

Nachdem durch den Rat der Gemeinde Kalefeld außerplanmäßige Mittel für die Planung bereitgestellt worden waren, hatte das in Northeim ansässige Ingenieur-Büro Lüdecke zwischenzeitlich die Entwurfsplanung erstellt. Darüber informierte Diplom-Ingenieurin Cornelia Lüdecke die Mitglieder des Gremiums an den betroffenen Abschnitten in Westerhof und anschließend während der Sitzung in der Auetalhalle Willershausen. Die mit der Maßnahme verbundenen Kosten sorgten für eine lebhafte Aussprache. Gegen die Stimmen von FWG und CDU hat sich das Gremium mehrheitlich für die vorgelegte Planung ausgesprochen, SPD und Grüne stimmten dafür.

Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Bad Gandersheim beabsichtigt, im kommenden Jahr die Ortsdurchfahrt auszubauen. Nur in den von dieser Maßnahme betroffenen Straßenbereichen sollen die Sanierungsmaßnahmen am Regenwasserkanal erfolgen. Die Ausschreibungen gehen Mitte Oktober an den Start.

Ziel der Entwurfsplanung sei es gewesen, „unter möglicher Einsparung von Herstellungskosten nur das aufzuzeigen, was unbedingt neu erstellt werden muss, wo der Kanal erhebliche Schäden aufweist“, so Lüdecke. Eine Grundlage für die Planung seien optische Untersuchungen gewesen, die ein Fachunternehmen mit einer Kamerabefahrung vorgenommen hatte. Aufnahmen waren in einer früheren Sitzung gezeigt worden.

Für das Projekt wurden die in der Gesamtmaßnahme, also der Ortsdurchfahrt, vorhandenen Regenwasserkanäle in drei voneinander unabhängige Bereiche unterteilt, in denen länger zusammenhängende schadhafte Teilstücke erneuert werden, erklärte Lüdecke, nach deren Worten es beim Schmutzwasserkanal keine nennenswerten Probleme gibt. Beim Ermitteln der Kosten hätten sich Veränderungen ergeben. Voraussetzung zu einem früheren Zeitpunkt sei gewesen, dass der Baugrund nicht belastet ist und es sei angenommen worden, dass nur die Straße und nicht die Bereiche der Gosse neu gemacht werde.

„Mittlerweile ist klargestellt, dass das nicht so ist“, so Lüdecke. Dies erhöhe den Bedarf. In vielen Bereichen liege der Regenwasserkanal direkt unter der Gosse, außerdem seien Belastungen festgestellt worden. Die Baugrunduntersuchungen seien bislang nur bis ein Meter Tiefe erfolgt. Keine Klarheit herrsche, wie die Lage darunter ist. Für die neue Kostenermittlung hat Lüdecke angenommen, dass die Situation „darunter genau wie darüber ist“. Weil dies die ganze Maßnahme teurer mache, habe ihr Planungsbüro im nächsten Schritt einige Meter herausgestrichen, die ursprünglich zum Erneuerungsbereich gehörten.

Trotzdem erhöhen sich die Bruttoherstellungskosten auf rund 610.000 Euro „mit den ganzen Unwägbarkeiten, die wir da noch drin haben“. An den Kosten für die Herstellung des Regenwasserkanals der Gemeinde beteiligt sich die Straßenbauverwaltung einmalig entsprechend den Ortsdurchfahrtsrichtlinien mit einem Betrag von rund 60.000 Euro.

Für die Erneuerung der Trinkwasserhausanschlüsse im öffentlichen Bereich wird mit Nettobaukosten in Höhe von 160.000 Euro gerechnet.
„Wenn das Land kommt und uns die Straße öffnet, wäre es grob fahrlässig, wenn man dann nicht die maroden Leitungssysteme, die sich dort in der Erde befinden, zumindest im Straßenbereich mit erneuert beziehungsweise Umverlegungen macht“, erklärte Gemeindebürgermeister Jens Meyer. Er bat „inständig“ darum, dem Beschlussvorschlag zu folgen. Es werde in der Hauptsache zwar wieder das Kreditvolumen der Gemeinde belasten, auf der anderen Seite könne man sich aber nicht blind dem Zustand der Leitungen verschließen „und unseren Nachfolgern diese marode Leitungen hinterlassen.“ Vor dem Hintergrund der Preisentwicklungen, würde die Maßnahme zu einem späteren Zeitpunkt nicht günstiger. Beließe man die alten Leitungen in Gänze unter einer neuen Decke, „würde uns das innerhalb kürzester Zeit einholen“. Folgen wären dann erhebliche Mehrkosten für die Gemeinde, die sich im sechsstelligen Bereich bewegen.
Die Maßnahme, so wünschenswert und sinnvoll sie auch ist, sei finanziell nicht zu stemmen, sagte Klaus Oppermann und begründete so das ablehnende Votum der FWG.

„Es wird uns jeder Einwohner in Westerhof durchs Dorf treiben, wenn in fünf Jahren die Straße wieder aufgemacht wird, weil die alten Kanäle da drin sind und wir dadurch doppelte Kosten haben“, sagte André Neubauer, der die Unterstützung der SPD begründete.

„Ich möchte auf jeden Fall, dass sich die Haushaltslage der Gemeinde Kalefeld dadurch nicht weiter verschlechtert“, so Wolfgang Meuschke (CDU). Es müsse deutlich werden, „wo im nächsten Jahr gespart werden soll“. Die Verschuldung dürfe nicht weiter hochgetrieben werden. Nach der Abstimmung verwies er darauf, dass er zum „jetzigen Zeitpunkt“ dagegen gestimmt habe.

Nina Rehmsmeier (Grüne) vertrat die Ansicht, dass ein altes Rohrleitungsnetz, was der Gemeinde mehr oder weniger „vererbt“ wurde, neu gemacht werden müsse, wenn auch die Straße erneuert werde. Es wäre „fahrlässig“ dies zu unterlassen. Es sei ein guter Kompromiss, die entsprechenden Sanierungsmaßnahmen nur unter der Straßendecke zu realisieren, so Rehmsmeier, die für den Vorschlag votierte.
„So eine Chance bekommen wir nie wieder“, sagte Ausschussvorsitzender Otto Gropp (SPD). „Wir können uns dieser Maßnahme in keinster Weise verweigern.“art