Neu: Informationskasten am Bauernfriedhof

Förderkreis will Anlage an der Weißenwasserkirche noch stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken

Edwin Wissmann, Rolf Wulkop, Heinz-Hermann Stöckemann, Helmut Ritter und Manfred Nolte (von links) auf dem Bauernfriedhof an der Weißenwasserkirche.

Kalefeld. Der Bauernfriedhof an der Weißenwasserkirche in Kalefeld soll noch mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken: Diesem Ziel dient ein Informationskasten, der auf Initiative des Förderkreises dieses Friedhofes direkt neben der Anlage installiert wurde.

Der Förderkreis war unter dem Dach der Kirche im Winter 2018 auf Initiative von Pastor Rolf Wulkop ins Leben gerufen worden. Damaliger Anlass: Die Fläche war völlig mit Brennnesseln zugewachsen, Grabsteine waren tief in der Erde versunken.

Mitglieder des Förderkreises entfernten Brennnesseln, richteten Steine wieder auf, reinigten und befestigten sie. Es wurden Kriechmispeln gepflanzt, damit die Fläche langfristig unkrautfrei wird. Besonders aktiv beim Ausgraben der Brennnesseln und anderen notwendigen Arbeiten war der Gandersheimer Edwin Wissmann.

Der Bauernfriedhof werde wesentlich häufiger besucht, „seitdem es hier ansehnlich ist“, schildert Wulkop seinen Eindruck. In den 80er-Jahren sei der Friedhof schon einmal schön hergerichtet worden, berichtet der Pastor. Dann habe es die nicht sehr vorteilhafte Entscheidung gegeben, Efeu anzupflanzen, „damit das Ganze schön naturbelassen aussieht“. Dieser Efeu in Kombination mit Brennnesseln habe letztendlich aber „alles kaputt gemacht“. Nach deren Entfernung im vergangenen Jahr wurden die Steine entziffert und katalogisiert und dabei auch auf eine Dokumentation aus den 80er-Jahren zurückgegriffen.

Der Informationskasten beinhaltet Angaben zu den schönsten Steinen und einen genauen Lageplan. Hierzu war auch eine Drohne im Einsatz, berichtet Heinz-Hermann Stöckemann, der sich um den Lageplan und die Informationen zu einigen besonders schönen Grabsteinen gekümmert hat sowie die Namen der Bestatteten und Namen und Lebensdaten zusammenstellte. Zusammen mit dem Vorsitzenden des Förderkreises, Helmut Ritter, sorgte er am Mittwoch für den letzten Feinsschliff. Möglich gemacht hat die Anschaffung des Kastens die finanzielle Unterstützung durch die Kreissparkasse Northeim, für die sich maßgeblich der frühere Leiter der Geschäftsstelle Kalefeld dieses Geldinstituts, Manfred Nolte, eingesetzt hat.

Der Bauernfriedhof hat eine lange Geschichte. Um die Weißenwasserkirche herum befand sich seit den Anfängen der Christianisierung ein Friedhof, zunächst wohl nur für die Bewohner von Weißenwasser, später jedoch auch für die Kalefelder und Dögeröder. Aus alten Überlieferungen geht sogar hervor, dass selbst die Toten aus dem rund 16 Kilometer entfernten Marke sowie aus Willensen hier bestattet worden sein sollen, weil es dort keine Kirche gab.

Der sogenannte „Marker Laikenweg“ ist als Flurbezeichnung erhalten geblieben. Auf alten Fotos kann man erkennen, dass die Gräber früher unmittelbar bis an die Kirche heranreichten. In der Mitte der fünfziger Jahre wurden jedoch die meisten der zum Ende des vorigen Jahrhunderts entstandenen kunstvollen Grabdenkmale beseitigt. Lediglich eine Reihe entlang des Eingangs zur Weißenwasserkirche blieb aus Denkmalschutzgründen erhalten.

Unterhalb dieser Reihe und auf der westlichen Seite des Turmes befinden sich weitere Grabstellen, die einige Besonderheiten aufweisen. Die Grabsteine stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und sind sowohl aus historischer als auch aus denkmalpflegerischer Sicht wertvoll und erhaltenswert. Die besondere Bedeutung des Gräberfeldes liegt darin, dass es mit mehr als 60 Grabmalen als fast geschlossene Anlage erhalten geblieben ist. Dargestellt wurden überwiegend Blumen, Handwerkszeichen und die auf- beziehungsweise untergehende Sonne.

Die auf den Denkmalen dargestellten Motive sind nach Ansicht der Wissenschaft „volkstümliche Grabsteinskunst“, die bisher leider wenig erforscht ist. Darstellungen in ähnlicher Form finden sich auch auf Möbeln, den Torpfosten niedersächsischer Hallenhäuser und Schmuckstücken.art

Altes Amt

Viel Interesse am digitalen Dienst