Spatenstich für Klärschlamm-Vererdungsanlage

Die 1,2 Mio Euro teure Anlage verringert die Schlammmenge um 90 Prozent

Manfred Gropengießer, Volker Hübchen (Bauamt), Gemeindebürgermeister Jens Meyer, Karl-Toni Zöller (EKO-PLANT), Cornelia Lüdecke (Ingenieurbüro), Ralf Breitenbach (Gebr. Gropengießer) und Stefan Rehfus (EKO-PLANT) beim ersten Spatenstich.

Kalefeld. „Wenn Sie nett sind zu den Pflanzen, haben Sie hier eine nahezu unkaputtbare Monokultur“, so Karl-Toni Zöllner (Vertriebsingenieur EKO-PLANT) humorvoll. Anlass war der erste Spatenstich am gestrigen Freitag, mit dem nun der Bau der neuen Klärschlammvererdungsanlage in der Gemeinde Kalefeld an der B 445 begonnen werden kann. Vor Ort waren auch Cornelia Lüdecke (Ingenieurbüro) und Vertreter der Bauunternehmung Gebr. Gropengießer.

„Wir sind froh, dass es endlich losgeht“, so der Bürgermeister der Gemeinde Kalefeld, Jens Meyer, der auch auf die jahrelangen Vorbereitungen einging. „Es war ein zähes Ringen, aber jetzt können wir uns im Abwasserbereich zukuftsfähig aufstellen“.

Seit dem Jahr 2015 stünde EKO-Plant bereits in Kontakt mit der Gemeinde, berichtete der Geschäftsführer Stefan Rehfus. Die Gemeinde Kalefeld hatte zu der Zeit Kontakt zum Niedersächsischen Umweltministerium aufgenommen.

Das Kernstück der neuen 1,2 Mio Euro teuren Anlage sind die drei Schilfbeete auf einer Gesamtfläche von 14.000 Quadratmetern. In diese Beete wird künftig ganzjährig der Nassschlamm aus der Kläranlage eingeleitet, der bei der Aufbereitung der Gemeinde-Abwässer anfällt und bis zu 99 Prozent Wasser enthält. Die Steuerung und Überwachung der Anlage, deren Betriebs-und Energiekosten sehr nierdig liegen, erfolgt vollautomatisch.

In den Beeten entziehen die Schilfpflanzen dem Schlamm einen Teil des Wassers durch Verdunstung, der andere Teil sickert durch die Wurzelschicht und wird zur Kläranlage zurück geleitet. Die Feststoffe des Schlamms verbleiben dagegen in der Wurzelschicht, wo sie mit Hilfe von Mikroorganismen mineralisiert werden. Im Sommer wächst das Schilf bis zu einen Zentimeter pro Tag.

Das naturnahe Verfahren, das ganz ohne chemische Zusatzstoffe auskommt, verringert die Schlammmenge um mehr als 90 Prozent, so Zöllner. „Alleine dadurch und verbunden mit dem deutlich geringeren Stromverbrauch ist die CO2-Bilanz dieses Systems hervorragend“.

Weiter berichtete Zöllner, dass nach sieben bis acht Jahren Betrieb, eines der Beete mit einer Ruhephase versehen werde, in der der enthaltene Schlamm weiterhin stark entwässert und abgebaut werde. Die bei der anschließenden Räumung anfallende Klärschlammerde lasse sich flexibel verwerten. Landwirte können sie als organisches und phosphorhaltiges Düngemittel nutzen. Sie könne aber auch genauso gut in Verbrennungsanlagen entsorgt werden. Nach der Räumung steht das jeweilige Beet erneut der Klärschlammvererdung zur Verfügung.

Die Betreuung der Anlage übernimmt in den kommenden fünf Jahren die Firma EKO-PLANT und unterstützt mit fachlicher Kompetenz, schult die Kläaanlagenmitarbeiter und weist in das System ein.

Bisher entwässerte die Gemeinde Kalefeld ihren Nassschlamm mit einer in die Jahre gekommenen Siebbandpresse. Dabei mussten große Mengen an Zusatzstoffen (Kalk und Polymere), viele Strom und Arbeit eingesetzt werden. Auch die Verwertung in der Landwirtschaft gestaltete sich nicht mehr so einfach wie in den vorangegangenen Jahren. „Die neue Technik entspannt das Vorgehen und den Gesamtauwand erheblich“, so Zöllner. Im Umkreis von Kalefeld werden seit mehreren Jahren bereits fünf Anlagen (Gemeinde Bad Grund, Adelebsen, Eschershausen, Katlenburg und Stadtoldendorf) betrieben.hn