Streifzug durch Historie der Staatsforst

Vortragsabend des Heimatvereins Westerhof / Manfred Meyer vermittelte Informationen und weckte Erinnerungen

Aufmerksam lauscht das Publikum den Ausführungen des ersten Heimatvereins-Vorsitzenden Manfred Meyer.

Westerhof. Zeitreise in ein bedeutendes Kapitel des Alten Amtes und der angrenzenden Regionen: Entstehung, Geschichte und Leben in der ehemaligen Staatsforst ist Thema eines Vortrags gewesen, zu dem auf Einladung des Heimatvereins Westerhof kürzlich zahlreiche Interessierte in die Gaststätte Zufall gekommen waren. Vorsitzender Manfred Meyer bot den Zuhörern einen kurzweiligen Streifzug in Wort und Bild durch die Historie der Forst. Er lieferte damit viel Gesprächsstoff und weckte jede Menge Erinnerungen.

Das heutige Forstamt Westerhof – ohne die abseits liegenden Revierteile Fachberg und Vogelberg – hatte im Mittelalter zu einem Braunschweig-Lüneburgischen Lehen gehört, das die Grafen von Westerhof inne hatten, erfuhren die Gäste. Die Grafenburg stand auf der Anhöhe im Dorf, wo jetzt die Domäne steht. Zwei zu dem Besitz gehörende Dörfer lagen im jetzigen Forstbezirk, Kosmannsdorf und Benneckenhusen. „Sie wurden im 30-Jährigen Krieg zerstört, die vertriebenen Bauern zogen sich an die Siedlungen Westerhof und Marke heran“, so Meyer.

Später wurden die Forsten – einschließlich des Fachberges und Vogelberges – Eigentum des Kurfürsten, späteren Königs von Hannover. Nach 1866 gingen sie in das Eigentum des Preußischen Staates über. Seit dem Zusammenbruch im Jahr 1945 sind sie Eigentum des Landes Niedersachsen, berichtete Meyer, bevor er den Besuchern weitere Details zur Geschichte und einige Zahlen nannte.

So hatte der staatliche Besitz des Forstamtes Westerhof am 1. Oktober 1953 eine Gesamtgröße von 1680,47 Hektar. Der Grundbesitz des Forstamtes hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach verändert, erläuterte der Vorsitzende, bevor er einige Stationen aus dieser Entwicklung verdeutlichte. Er stellte den Zuhören Gebäude vor, die zur Staatsforst gehören oder gehörten. Nicht nur damit weckte er viele Erinnerungen, sondern auch mit einer Übersicht über die personellen Besetzungen.

Wolfsangel ist traditionell ein gern verwendetes Forstzeichen

Die Zuhörer erfuhren vom langjährigen Forstamtsmann Hans-Peter Kretzschmar, dass die Wolfsangel seit Alters her ein verwendetes Forstzeichen ist. In einem 1616 geschlossenen Grenzvertrag zwischen den Fürstentümern Braunschweig-Lüneburg und Hessen wurden die Grenzsteine damit gekennzeichnet, erläuterte der Redner. Später fand sich die Wolfsangel auf Uniformen, Siegeln und Grenzmarkierungen der Forstverwaltungen wieder, berichtete Kretzschmar. König Ernst August von Hannover (1771-1851) habe die Wolfsangel zum Symbol des hannoverschen Jagd- und Forstdienstes gemacht.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Wolfsangel zum Beispiel als Grenzzeichen verwendet, auch, weil man sie leicht mit dem Reißhaken in Baumrinde einritzen kann“, erklärte Kretzschmar. Ursprünglich sei die Wolfsangel mindestens seit der Zeit Karls des Großen ein Wolfsfanggerät gewesen.

Es bestand im Wesentlichen aus einem zweispitzigen Haken, der mittig an einer Kette und einer Halterung in zirka zwei Meter Höhe an einem Baum befestigt wurde. Dieser Haken sei mit Fleisch geködert worden. „Wenn ein Wolf danach sprang und den Köder fasste, bohrte sich der Haken in seinen Rachen und der Wolf verendete qualvoll“, so Kretzschmar.

In der NS-Zeit habe die Wolfsangel als Symbol für einige Gruppierungen gedient. Auch auf dem Grabstein des Heimat- und Jagdschriftstellers Hermann Löns befinde sich eine Wolfsangel, nannte er ein weiteres Detail. Innerhalb der Forstverwaltung des Landes Niedersachsen sei sie als traditionelles Zeichen wie zu Zeiten Ernst Augusts ohne politischen Hintergrund verwendet worden.

Beschäftigte für den Wald nach anfallender Arbeit eingestellt

Meyer erläuterte anschließend, dass im 18. und 19. Jahrhundert Beschäftigte für den Wald je nach anfallender Arbeit eingestellt und wieder entlassen wurden, wenn kein Bedarf mehr bestand. Erst später habe es feste Beschäftigte gegeben, die den Beruf des Waldarbeiters ausübten und später an die Söhne vererbten. „Sie erlernten daneben noch einen handwerklichen Beruf wie Maurer, Zimmermann, Dachdecker oder Schlachter und suchten sich im Sommer auswärts oder auf der Domäne eine Beschäftigung“, berichtete er. Pferdebesitzende Landwirte wurden im Winterhalbjahr beschäftigt und konnten damit im Winter ihr Einkommen verbessern. Für die Kulturarbeiten im Forst standen immer genug Frauen bereit, die je nach Bedarf eingestellt wurden.

Meyer berichtete den Zuhörern, dass das Staatliche Forstamt Westerhof Bestand bis zum 30. September 1980 hatte. Durch Organisationsänderung und Übertragung in das Eigentum des Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds sei es zum 1. Oktober 1980 umbenannt worden in das Klosterforstamt Westerhof. Zum 1. Oktober wurde es umbenannt in Klosterforsten Hannover mit Sitz in Ilten bei Hannover.art