Viel Unterstützung im Alten Amt für die Rumänienhilfe

Hilfsgüter für Transport ins rumänische Alba Julia können noch bis 16. September abgegeben werden

Helga Zöll freute sich schon kurz nach dem Aufruf über eine Vielzahl an Hilfsgütern für den Transport nach Rumänien.

Düderode. Von einer hohen Beteiligung bei der Sammlung von Hilfsgütern für den nächsten Transport nach Alba Julia berichtet Helga Zöll von der Kirchengemeinde Düderode-Oldenrode. Wer die traditionelle Aktion unterstützen möchte, kann noch bis zum Mittwoch, 16. September, gut erhaltene Kleidung, Bettwäsche, Schuhe, Fahrräder und Krankenpflegehilfsmittel im Vorraum der offenen St.-Petri-Kirche zwischen 9 und 18 Uhr abgeben.

Bereits am Sonnabend war der Vorraum der Kirche so gefüllt, dass einige „gesammelte Werke“ ins Pfarrhaus ausgelagert wurden. Die Hilfsgüter werden am Freitag abgeholt. Da sicher nicht alles in den Sprinter passt, ist für Montag ein weiterer Abholtermin vorgesehen.

Die Idee für die Sammlung war vor mehr als zwei Jahrzehnten nach einem Sterbefall in Düderode geboren worden als eine Haushaltsauflösung anstand und die Hinterbliebenen anfragten, ob die Kirche eine Verwendungsmöglichkeit für die Bestandteile des Haushalts habe, berichtet Zöll. Es entstand ein Kontakt zur Rumänienhilfe in Osterode, die nach ihren Worten beim Sortieren und Verpacken von der Harz-Weser-Werkstätten unterstützt wird.
Am häufigsten abgegeben werde gut erhaltene Kleidung. Wer die Hilfsgüteraktionen auch außerhalb der speziell befristeten Sammelzeiten für die jeweiligen Transporte unterstützen will, hat dazu nach vorheriger Absprache mit Zöll die Gelegenheit.

Als Zwischenlager steht der „Baronstuhl“ bereit. Dabei handelt es sich um einen Kirchenanbau mit separatem Eingang. Der Raum als solcher ist zum Kirchenschiff hin mit Schiebefenstern ausgestattet. Die Patronatsfamilie konnte auf gleicher Höhe zu dem von der Kanzel predigendem Pastor sitzen, daher die Bezeichnung Baronstuhl.

Kontakt zu Zöll: Telefon (05553) 4284, Mail: kg.duederode-oldenrode­@evlka.de

Geschichte der Rumänienhilfe

Die Rumänienhilfe in Osterode hat eine 30-jährige Tradition. Die Schreckensbilder aus Verwahranstalten für geistig und körperlich behinderte Menschen ­­­– besonders Kinder ­­­– im Rumänien der Ceausescu-Diktatur hatten in der Sösestadt Betroffenheit und Hilfsbereitschaft ausgelöst. Darum gründeten 1990 der Kirchenkreis Osterode und die Harz-Weser-Werkstätten die Rumänienhilfe.

In der Anfangszeit konzentrierte sich der Einsatz auf das „Camin Spital Neuropsihiatric Galda de Jos“ bei Alba Julia, vergleichbar mit einem deutschen Landeskrankenhaus, mit etwa 380 Patienten. Der unmenschliche Zustand des Hauses wurde in vielfältiger Weise verbessert. Die Rumänienhilfe Osterode half mit Handwerkereinsätzen und Materiallieferungen beim Neubau der Sanitäreinrichtungen. Durch die Hilfsgütertransporte bekamen die Heimbewohner erstmals in ihrem Leben eigene Betten und Ausstattungsgegenstände des täglichen Lebens. So konnte sich im Laufe der Zeit eine für rumänische Verhältnisse gute Einrichtung entwickeln.

Nach der Wende übernahm die Diakonia e.V. der Evangelischen Kirchengemeinde in Alba Julia (Karlsburg/Siebenbürgen) die 50 schwerstbehinderten Kinder des staatlichen Kinderheims aus Coltesti und gründete für sie die fünf Kinderhäuser „Betesda“. In den hellen freundlichen Häusern fanden die Kinder bei liebevoller Betreuung ein neues Zuhause.

Das Haus „Elim“ wurde zum „Betreuten Wohnen“ für Erwachsene mit Behinderung ausgebaut. Die Tagesstätte „St. Josef“ hat im Vorort Micesti ein neues Zuhause gefunden. Hier werden Heimbewohner zusammen mit Kindern mit Behinderung aus Alba Julia gefördert und an handwerkliche Tätigkeiten herangeführt.

Das Altenheim „Peter und Paul“ im Dorf Scholten/Cenade bietet dreißig alten alleinstehenden Menschen, zumeist Siebenbürger Sachsen, eine familiäre Atmosphäre. Die Sozialstation versorgt alte und pflegebedürftige Menschen zu Hause, bringt Essen, stellt Rollstühle zur Verfügung und versorgt insgesamt 500 bedürftige Haushalte kostenlos mit Kleidung.

Eine Pflegestation („Pflegenest“) mit 25 Betten kümmert sich selbstlos um überwiegend schwerst pflegebedürftige und mittellose Menschen.
Der Hilfsverein Diakonia e.V. in Alba Julia arbeitet darauf hin, sich selbst zu finanzieren. Das ist bei den Verhältnissen in Rumänien ein weiter Weg. Eine Ärztin, etwa 30 Heilpädagoginnen und Heilpädagogen und angelernte Pflegerinnen sowie Personal in Betrieb und Verwaltung sind in der Diakonia beschäftigt und müssen finanziert werden.

Nach wie vor sind die Textilwerkstatt und der Verkauf in Diakonia eigenen Secondhand-Läden eine wichtige Einnahme.

Der Erlös aus den Osteroder Kleiderspenden deckt etwa ein Viertel des Etats der Diakonia. Nur durch diese Hilfe kann in der Region Alba Julia Menschen mit Behinderung oder Pflegebedarf ein würdiges Leben ermöglichen. Jährlich werden circa elf LKW mit je zehn bis 15 Tonnen Kleidung und anderen Hilfsgütern nach Alba Julia geschickt.art