Von Mai bis Juli wird gepilgert in Deutschland

Gudrun Lohrberg organisiert die Jakobsweg-Etappe Eboldshausen

Gudrun Lohrberg vor der St.-Jakobus-Kirche in Eboldshausen. An der Kirche hängt eine sogenannte Pilgermuschel.

Eboldshausen. 82 Etappen. 82 Tage. Es soll die bisher größte Pilger-Aktion in Deutschland werden, und sie macht auch Halt in Eboldshausen. „Deutschland pilgert 2020“ heißt es vom 3. Mai bis zum 23. Juli. Wandern auf dem Jakobsweg, der Via Scandinavica. Das ist einer von inzwischen vielen beliebten Jakobswegen in Deutschland und Europa.

Der überkonfessionelle Zusammenschluss von Christen, der Marburger Kreis, hat zum gemeinsamen Pilgern aufgerufen. Eine der vielen Etappen-Organisatorinnen ist Gudrun Lohrberg aus Eboldshausen. Die 73-Jährige hat zusammen mit Stefan Pahl die Begleitung für die Etappe von Bad Gandersheim nach Eboldshausen (15 Kilometer) und mit Caroline Kunert von Eboldshausen nach Northeim (zehn Kilometer) übernommen. Lohrberg hat die Strecken bereits abgelaufen. Die Strecke von Bad Gandersheim nach Eboldshausen startet am 26. Mai um 9 Uhr an der Stiftskirche in Bad Gandersheim mit einer Andacht von Pfarrer Thomas Ehgart, der auch etwas über Roswitha von Gandersheim erzählen wird. Eine Rast findet am Sebexer Grillplatz statt. Zum „Mittag“ wird es dort Kaffee und Kuchen geben, organisiert vom Kirchenvorstand. Eine andere Station wird die Weißenwasserkiche in Kalefeld sein. Dort wird Pastor Rolf Wulkop eine kleine Andacht halten, außerdem soll der Bibelgarten besucht werden. Weiter geht es durch den Ort am Bach entlang nach Eboldshausen. Sinn und Zweck des Pilgerns ist auch, unterwegs eine Schweigezeit mit der Möglichkeit zur Meditation, einzulegen.

Jede Strecke in Deutschland wird von einem Wegpaten begleitet. In Eboldshausen gibt es Abendessen und Frühstück gemeinschaftlich im Dorfgemeinschaftshaus. Untergebracht werden die Pilger in Privatunterkünften und im Gemeindehaus, das auch schon seit zehn Jahren Pilgerherberge ist. Aufgrund des großen organisatorischen Aufwandes darf nur mitgepilgert werden, wenn man sich im Internet angemeldet hat. Wie Gudrun Lohrberg sagt, sind aktuell 1.450 Personen angemeldet, die sich auf alle Etappen verteilen. Ein- und Aussteigen ist jederzeit möglich. Die gesamte Aktion ist aber auch nur möglich, weil sich so viele Menschen dafür ehrenamtlich engagieren, so Lohrberg. Die gesamte Route läuft von Lübeck bis in die Alpen. Gepilgert wird über einen Zeitraum von drei Monaten. Seit kurzer Zeit ist das Anmeldeportal freigeschaltet. Die Initiative wendet sich an alle, die Interesse am Pilgern haben, unabhängig von ihren bisherigen Erfahrungen. Laut Internetseite sind besonders Neugierige, Suchende und Ausprobierer eingeladen, das Pilgern kennenzulernen.

Geistliche Impulse mit Schweigezeiten

Daneben setzen die Wegpaten geistliche Impulse, geben Schweigezeiten vor und bieten Gespräche an. Auf dem Programm stehen eine tägliche Morgen- und Abendliturgie in örtlichen Kapellen. Während der Wanderung gibt es Zeiten der Besinnung, Zeiten der Gedanken, Geschichten über das Leben sowie gemeinsame Mahlzeiten und Pilgerlieder.

Die Tagesetappen sind leicht und mittelschwer. Im Schnitt sollen die Strecken maximal 20 Kilometer betragen, so Lohrberg. Ein täglicher Begleitbus transportiert das Gepäck und nimmt bei Bedarf auch Pilger auf, die eventuell fußlahm werden sollten. Auch organisieren die Wegpaten Schlafplätze. „Jeder Pilger wird von uns liebevoll betreut“, so Lohrberg, die sich sichtlich auf dieses Ereignis freut.

Interessenten können einzelne oder längere Etappen pilgern. Die Beginnzeiten und genauen Startorte sind online zu finden. Während der Wanderung soll ein Blog über die aktuellen Geschehnisse informieren. Pro Person und Pilgertag erbitten die Veranstalter eine Verwaltungsgebühr von zehn Euro bei den ersten beiden Tagen sowie fünf Euro für jeden folgenden Pilgertag. Kinder sind frei. Pilgergruppen erhalten Sonderkonditionen. Unter marburger-kreis.de/deutschlandpilgert2020 können sich Interessenten jetzt anmelden. Anmeldeschluss ist Ende März. Die Schirmherrschaft hat der Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Willmer übernommen.

Die Via Scandinavica verbindet die skandinavischen Länder mit den Jakobswegen in der Mitte und im Süden Deutschlands. Sie führt von Fehmarn über Lübeck, Lüneburg und Hannover bis Göttingen und wird bis dorthin vom Freundeskreis der Jakobswege in Norddeutschland betreut.hn