Was Donald Trump für die Echter Fichte tut

Altämter Baumwirtschaft im Wirbel des Klimawandels und weltwirtschaftlicher Entwicklungen / Eine Waldbegehung

Die Waldbegehung am Sonnabend fand durchaus Resonanz; außer Forstgenossenschaftsmitgliedern waren auch andere Interessierte dabei. Vorn links: Merlin Reuter und Reinhard Mietschke.

Echte. Der deutsche Wald ist in einer schweren Krise, es geht ihm sehr schlecht. Das hat inzwischen fast jeder verstanden. Ältere Mitmenschen erinnern sich, dass die letzte große Krise des Waldes etwa vier Jahrzehnte zurück liegt. Damals jagte das Schreckgespenst des sauren Regens als Waldkiller durch die Medien. Doch diesmal ist es offenbar bedeutend schlimmer, denn damals gab es wenigstens mit der Walddüngung noch ein Mittel, das die Krise bewältigen half. Das wird mit den Folgen des Klimawandels, die sich nun im deutschen Wald dokumentieren, bedeutend schwerer fallen – falls überhaupt noch möglich sein.
Was im Wald tatsächlich los ist, das wollte die Forstgenossenschaft Echte am Sonnabend Interessierten im Zuge einer sogenannten Waldbegehung einmal aus der unmittelbaren eigenen Umgebung vorführen. Knapp 40 Teilnehmer, etwa zwei Drittel als Mitglieder der Genossenschaft mit dem Wald verbunden, die anderen am Thema Interessierte, hatten sich am Treffpunkt Keilereck eingefunden, um sich durch Forstgenossenschaftschef Reinhard Mietschke sowie Merlin Reuter als Vertreter der Landesforsten vom Forstamt Seesen informieren zu lassen.

Nach der Begrüßung durch Mietschke gab es einige grundlegende Informationen. Vielen bekannt gewesen sein dürfte, dass es im Echter Forst Probleme mit den Fichten gibt, wie vielerorts auch und im nahen Oberharz ganz besonders. Inzwischen aber, so Mietschke, gebe es praktisch keine Baumart mehr, die nicht irgendwie unter den Klimaveränderungen – vorwiegend der von ihr getriebenen Trockenheit – leide. Neben den Fichten Hauptbetroffene: die Buchen.

Nur kaum 200 Meter vom Keilereck entfernt blieb Mietschke mit der Gruppe vor einem älteren Buchenbestand – vermutliches Pflanzdatum um 1850 – stehen. Jedem Laien kann inzwischen auffallen, dass mit den Bäumen etwas nicht stimmt. Sie sind kahl – und absolut gefährlich. Abgestorbene Buchen neigen zu extremer Brüchigkeit, manche sprechen von Glasbruch. Da in dem abgestorbenen Bestand große alte Bäume dicht beieinander stehen, ist ein Fällen praktisch unmöglich. In diesen Bestand gehe niemand mehr hinein. Schon das Einschlagen eines Fällkeiles könne ganze Schächte zum Abbrechen veranlassen. Mechanische Fällmaschinen kommen an die Bäume vielleicht noch heran, aber ein fallender Baum würde in dem Umfeld so etwas wie eine unberechenbare Kettenreaktion auslösen können.

Auf die Frage eines Teilnehmers, was nun mit den Bäumen geschehe, antwortete Mietschke, man werde einfach aus sicherer Entfernung abwarten müssen, bis sie zusammenbrechen. Zugleich bat Mietschke darum, den Wald mit einer neuen Achtsamkeit zu betreten – und solche Gefahrenbereiche auch selbst bei Windstille gar nicht.

In anderen Bereichen schauen Forstgenossenschaft und Landesforsten, dass sie der Verkehrssicherungspflicht nachkommen, indem vorsorglich absehbar gefährliche Bäume aus dem Bestand herausgenommen werden, solange dies noch geht. Erkennbar sind solche Kandidaten an aufgesprühten „V“.

In den Kammlagen des Echter Waldes stehen noch Fichtenbestände. Sie wurden unter anderem durch den Sturm Friedrike geschädigt, der eine Freifläche schuf, die inzwischen teilweise Neubepflanzung erfahren hat. Aber nicht wieder mit Fichten, die als Wirtschaftsbaum wohl absehbar auf dem Rückzug ist, da sich die Standortchancen des Baumes unter den zu erwartenden Klimaveränderungen deutlich verschlechtert haben. Leicht zu erkennen an den noch vorhandenen Beständen, die zahlreiche bereits abgestorbene Bäume aufweisen.

Die Folge all dessen ist ein drastisch erhöhtes Holzaufkommen. Seien bis 2016 jährlich rund 2.000 Festmeter in Bereich der Forstgenossenschaft eingeschlagen worden, kamen in den letzten beiden Jahren rund 8.000 Festmeter pro Jahr zusammen, und dieses Jahr sei dieser Wert auch schon erreicht worden, so Mietschke. Die Folge – zumal Echte ja mit diesen Problemen nicht allein steht, sondern sie bundesweit herrschen: Es gibt an sich ein riesiges Überangebot an Holz.

Man müsse Herrn Trump schon fast dankbar sein, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China dazu geführt habe, Chinas schwer stillbaren Holzhunger über den europäischen und hier vor allem deutschen Markt zu befriedigen. So gehen auch aus dem Echter Wald bereits fertig vorbearbeitete Fichtenabschnitte demnächst in einen Container und mit diesem nach China. Um vielleicht später in irgendeiner bearbeiteten Form wieder nach Deutschland zurückzukommen. Nur über diese Abnahme könne aber das Holz derzeit überhaupt noch halbwegs marktgerecht verwertet werden.

Fichtenholz wird aber auch vor Ort massiver als Brennholz beworben. Bei Kaminbesitzern erfreut es sich eher zweitrangiger Beliebtheit, es brennt zwar gut, aber leider auch deutlich schneller ab als Buche, ist aber jetzt gerade im Übermaß vorhanden. Mietschke bat daher im Laufe der Begehung darum, diesmal vielleicht auf Fichte statt Buche bei der Kaminbestellung auszuweichen, um die angeschlagenen Buchenbestände zu schonen und den Überhang bei Fichte abzubauen. Das helfe dann letztlich auch der Forstgenossenschaft.

Die könnte auch noch mehr Hilfe zum Beispiel durch entsprechende Förderungen bei Wiederaufforstung gebrauchen. Doch das, so Merlin Reuter vom betreuenden Forstamt Seesen, sei ein ebenso schwieriges wie oft unerfreuliches Kapitel. Zum einen, weil zugesagte Förderungen teilweise erst mehr als ein Jahr später eingehen, zum anderen, weil sie oft an für die betroffenen Standorte völlig unpassende Bedingungen geknüpft seien.

Interessant an der Stelle auch die Information, dass bei Neupflanzungen von Laubholzkulturen Kosten von rund 10.000 Euro je Hektar entstehen. Die aber kann die Forstgenossenschaft aktuell praktisch nicht mehr durch den Holzverkauf generieren. Es bleibe derzeit unter dem Strich nichts mehr übrig.
Völlig weltfremd sei die jüngst einmal durch die Medien gegeisterte Forderung, für jeden gefällten Baum drei neue zu pflanzen. Das übererfülle die Forst seit Langem um ein Vielfaches, wenn für einen Bestand, der ausgewachsen vielleicht 300 bis 400 Bäume umfasse, ursprünglich einmal rund 7.000 Pflanzen gesetzt werden mussten.

Auch die Verbindung zur Jagd war am Rande Thema, als es um eine Neubepflanzungsfläche ging, in der man trotzdem auf die Umzäunung gegen Wildverbiss verzichtet habe. Das gehe aber nur, wenn entsprechender Jagddruck ausgeübt werde. Ein Jäger aus der Runde berichtete zudem, dass im Echter Forst inzwischen wohl mindestens fünf Luchse zuhause sind. Das wiederum dezimiere den Wildbestand. Die Luchsbejagung ist aber – anders als in Skandinavien zum Beispiel – hierzulande verboten. Das wie beim Wolf zu ändern, werde wohl viel politischen Druck brauchen.

Die Anmerkungen zeigten aber auch, wie eng Forst und Jadg ineinander greifen, von den Marktmechanismen drumherum ganz zu schweigen. Und dann war ja noch der Klimawandel, dessen Auswirkungen niemand genau voraussehen kann. Es bleibt erst einmal unerfreulich spannend.rah

Altes Amt

Zwei Bands live erleben

Cowboytanz, Rope-Skipping und Fußball