Bad Gandersheim Ort des ersten Corona-Massentests im Landkreis Northeim

Nach zwei Infektionen im Kontaktumfeld des Glaubenszentrums Testung von 270 Menschen veranlasst

Coronatest in Aktion: Zuerst wurde Fieber gemessen, dann der übliche Abstrich genommen.

Bad Gandersheim. Erst am Montag waren die beiden Positivtests bekannt geworden: Zwei Menschen aus Bad Gandersheim sind akut mit Corona infiziert. Das an sich bewegt zwar das Gesundheitsamt des Landkreises immer zum Handeln – Quarantänen werden verhängt und der Ansteckungsweg sowie Kontakte ermittelt – , in diesem Fall ergab sich aber schnell eine besondere Dimension, wie sie der Landkreis in der Pandemie noch nicht erlebt hat. Die beiden Infizierten standen in engerem Kontakt mit einer großen Einrichtung in Bad Gandersheim: dem Glaubenszentrum auf dem Osterberg.

Der Landkreis reagierte zunächst, indem er die Bewohner der gesamten Einrichtung am Montag unter Quarantäne stellte. Zugleich wurde nach eingehender Prüfung beschlossen, noch im Laufe des Montagabends eine Massentestreihe vor Ort vorzunehmen. Dazu wurde gegen 17.40 Uhr die Feuerwehrbereitschaft 4 (Umweltfeuerwehr) alarmiert und ans Glaubenszentrum beordert, um dort ein Testzentrum aufzubauen. Gleichzeitig wurden medizinische Einheiten von DRK wie Johannitern in Marsch gebracht, um den medizinischen Teil der Aufgabe zu übernehmen.

Dass es in der Roswithastadt offenbar einen größeren Einsatz gab, war dann beim Anrücken der Einsatzkräfte weder zu übersehen noch zu überhören. Die Anfahrt unter Inanspruchnahme von Sonderrechten fand schon viel Aufmerksamkeit, hinterließ aber die meisten Einwohner mangels Kenntnis des Hintergrundes zunächst ratlos.

Ab 18 Uhr herrschte zunächst auf dem Kurhausparkplatz reges Einsatztreiben. Hier versammelten sich Teile der Einsatzkräfte, während auf dem Parkplatz vor dem Haupteingang zum Glaubenszentrum bereits Kräfte der FB4 begannen, den Testplatz einzurichten. Zwei Zelte wurden dazu aufgebaut, Tische und Bänke mussten eingeräumt, Zuwegungen in Gassenform abgesteckt und mit Flatterband versehen werden. Zugleich wurden Materialien zum Schutz der Tester ausgelegt, so Schutzanzüge, Masken, Schutzbrillen, und natürlich das für die Testung nötige Material.

Parallel waren Mitarbeiter des Gesundheitsamtes wie des Landkreises vor Ort, um die Testreihe zu organisieren. Personendaten mussten vorbereitet, Testbögen ausgedruckt werden. Bei diesem Punkt gab es später Probleme.

Testbereit war die von Feuerwehren und Sanitätsbereitschaften bestückte Einrichtung bereits gegen 20 Uhr. Zu der Zeit warteten eine Reihe der Bewohner bereits am Eingangstor des Glaubenszentrums-Innenhofes im Glauben, es werde nun zügig losgehen. Viele auch mit kleineren oder etwas älteren Kindern.
Da sich der Beginn der Tests aber immer weiter hinausschob und niemand genau sagen konnte, wann mit einem Testbeginn genau gerechnet werden konnte, kam Glaubenszentrums-Leiter Markus Germann mit der Einsatzleitung überein, dass die Bewohner des Komplexes solange in der Erweckungshalle im Warmen auf den Testbeginn warten durften.

Tatsächlich zog sich die Aufnahme der Tests noch bis kurz vor 22 Uhr hin. Gelegen haben soll es nach Informationen am Rande des Geschehens an Ausdrucken der Testdokumentationsbögen. Die müssen in einem bestimmten Format gehalten sein, damit die auswertenden Labore damit weiterarbeiten können. Hier sei es zu Schnittstellenproblemen gekommen. Eine Erfahrung bei diesem Ernstfalleinsatz, die für kommende solche Aufgaben sicher wertvolle Zeit ersparen kann.
So ging es zu später Stunde dann endlich los. In den beiden Zelten waren jeweils zwei „Teststraßen“ eingerichtet. Nach einer vorsorglichen Temperaturkontrolle wurden die üblichen Abstriche genommen, dazu die Daten abgeglichen. Eltern und junge Kinder durften in den ersten Gruppen zum Test gehen und die Zelte dann wieder in den Glaubenszentrums-Innenhof verlassen, später folgten Jugendliche und Erwachsene. Zusammen rund 270 Personen, die bis Mitternacht getestet waren. Die Aktion lief insgesamt ruhig und besonnen ab.

Für die Einsatzkräfte der Sanitätsbereitschaften sowie der Feuerwehrbereitschaft war damit die Arbeit aber noch lange nicht zuende. Nun musste die Teststelle wieder aufgelöst werden, wobei besondere Vorsicht vonnöten war. Zelte und andere Gegenstände, die wiederverwendet werden, wurden für eine Reinigung und Desinfizierung sorgfältig verpackt, Schutzanzüge und andere Einmalgegenstände der sicheren Entsorgung zugeführt. Zwischen 2 und 3 Uhr nachts rückten die meisten Einheiten dann wieder ab und ließen auf dem Osterberg endlich Ruhe einkehren.
Die Ergebnisse der Testung werden laut Landkreis für Mittwochnachmittag erwartet.rah

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