Bad-Genossenschaft steht so gut wie lange nicht

Im Corona-Jahr 2020 trotz aller Probleme sogar deutlichen Überschuss erarbeitet / Eigenkapital gestärkt / Gut für Zukunft aufgestellt

60 stimmberechtigte Mitglieder waren zur Geno-Generalversammlung ins Forum des Roswitha-Gymnasiums gekommen.

Bad Gandersheim. Im vergangenen Jahr war sie coronabedingt ausgefallen, diesmal konnte die Generalversammlung der Solebad-Betriebsgenossenschaft stattfinden. Sie endete mit einem durchaus positiven Fazit aus dem vergangenen Jahr – und dies trotz Corona – und einem klaren Arbeitsauftrag für die nächste Zeit, das öffentliche Schwimmen endlich wieder möglich zu machen. Am besten unter 2- oder 3G.

Das Jahr 2019 musste in der Generalversammlung dieses Jahres nicht mehr mit bilanziert werden. Das hatte die Betriebsgenossenschaft im vergangenen Jahr trotz ausgefallener Generalversammlung auf anderen Wegen digital erledigen können. So ging es diesmal vor allem um 2020, das für die Betriebsgenossenschaft durch Corona völlig unbekannte Herausforderungen bereit hielt. Vorstand und Aufsichtsrat konnten den 60 stimmberechtigten Mitgliedern, die zur Generalversammlung ins Forum des Roswitha-Gymnasiums gekommen waren, ein zunächst erstaunlich anmutendes Ergebnis präsentieren: Das „Corona-Jahr“ endete mit einem Bilanz-Überschuss von rund 43.500 Euro. Deutlich mehr sogar noch als 2019.

Die Erklärung fand sich dann in den von Vorstandsmitglied Werner Wilde erläuterten Bilanzzahlen. Natürlich waren es nicht die Einnahmen aus Eintritten, die dafür verantwortlich waren. In diesem Bereich brachen die Erlöse sogar um 167.000 Euro gegenüber 2019 ein, weil das Bad ja lange geschlossen bleiben musste und danach nur über das „Individualschwimmen“ von deutlich weniger Badegästen genutzt werden konnte.

Verantwortlich für den Bilanzüberschuss war am Ende vor allem eine Corona-Hilfe in Höhe von rund 60.000 Euro. Ohne diese hätte die Bilanz ein Minus ausgewiesen, gemessen an den Problemen aber immer noch ein erstaunlich kleines. Das, so Aufsichtsratsvorsitzender Rüdiger Pelz, sei Beleg dafür, welch gute Arbeit von den Verantwortlichen und zahlreich ehrenamtlich Tätigen im letzten Jahr im Bad geleistet worden sei. Und das gelte genauso für das noch laufende Jahr.

Dass 2020 noch rund 67.000 Euro an Eintritten realisiert werden konnten, habe auch mit dem innovativen Umstand zu tun gehabt, das „Individualschwimmen“ durch Bahnenmiete zu installieren. Man habe damit eine Formulierung der Coronavorschriften so nutzen können, dass nicht mehr von einem „öffentlichen Badebetrieb“, der eben lange verboten war, die Rede war, sondern individuelle „Miet“-Bedingungen geschaffen wurden, die sich als verordnungskonform erwiesen. Bad Gandersheim sei damit lange allein auf weiter Flur geblieben und habe mit dem Modell weithin Aufmerksamkeit erlangt, so Pelz.
Das alles und die erfolgreichen Bemühungen, den Schwimmbetrieb so weit wie möglich wieder zuzulassen – mittlerweile sind die Schulen und Vereine im Bad wieder aktiv, dürfen Reha-Kurse stattfinden und werden so viele Kinder-Schwimmlernkurse angeboten, wie lange nicht – haben dazu geführt, dass die Betriebsgenossenschaft wirtschaftlich im Jahr 2021 so gut dasteht, wie lange nicht.

Durch den Jahresüberschuss 2020 ist das Eigenkapital der Genossenschaft wieder auf rund 147.000 Euro angewachsen. Das entspricht 93,4 Prozent des Gesamteinlagenbestandes nach ausgegebenen Anteilen. Zur Erinnerung: Vor wenigen Jahren musste die Genossenschaft sogar schon einmal zu einer außerordentlichen Generalversammlung einladen, weil der Eigenkapitalbestand die kritische Meldegrenze von 50 Prozent unterschritten hatte.
Vor diesem Hintergrund, aber auch dem der aktuellen baulichen Entwicklungen – das neue Freibad ist bereits in seinen Grundzügen gut erkennbar – sahen Vorstand und Aufsichtsrat das Bad insgesamt auf einem sehr guten Weg in die Zukunft. Und, das hatte Vorstandsvorsitzender Gerhard Dörries vorab gesagt, die Geno wolle das Bad so lange betreibe, wie sie das könne.

Freibadkonzept nochmals Thema

Natürlich musste im Zuge der Versammlung auch noch einmal auf die Entscheidung für den Umbau des Freibades in ein Naturbad eingegangen werden. Hierzu hatten Aufsichtsrat und Vorstand auch öffentlich Kritik geerntet, dass die Unterstützung dieser Variante ausschließlich in den beiden Betriebsgenossenschaftsgremien beschlossen worden sei. Jens Tschäpe erneuerte diese Kritik an dieser Stelle nach eigenen Worten ein letztes Mal in der Versammlung unter Hinweis darauf, dass eine solch gravierende Zukunftsentscheidung niemals hätte ohne die Beteiligung aller Genossenschaftsmitglieder hätte getroffen werden dürfen.

Den Hinweis der Geno, dass Corona dies vornehmlich verhindert habe, ließ Tschäpe nicht gelten. Die Stadt habe auch vermocht, im Juli 2020 im Freibadgelände die für den Frei-Kinobetrieb aufgebaute Bildwand zu einer Einwohnerversammlung zu nutzen, bei der das alles vorgestellt worden sei. Gleiches habe man auch von der Betriebsgenossenschaft erwarten dürfen. Er erwarte, dass die Interessen der Mitglieder bei künftigen Entscheidungen berücksichtigt würden, wie sich das für genossenschaftliches Wirken gehöre, schloss Tschäpe seine letztmalige Schelte.

Erwidert wurde darauf natürlich durch die beiden Beschlussgremien der Genossenschaft durch Aufsichtsratsvorsitzenden Rüdiger Pelz. Er verwies darauf, dass die Entscheidung für die Naturbad-Variante auf der Sachbasis entscheidender Vorteile für die Genossenschaft als späteren Betreiber erfolgt sei. Gravierend sei dies besonders bei den gegenüber der bis dahin geplanten DIN-Bad-Variante deutlich günstigeren Heizkosten gewesen.

Das Naturbad wird nicht mehr über fossile Brennstoffe wie bisher das Freibad geheizt werden. Zum Einsatz kommt statt dessen ausschließlich die bereits ebenfalls schon zur Beheizung des Außenwassers eingesetzte Solaranlage. Weitere Vorteile seien der Wegfall chemischer Wasserbehandlung durch die Pflanzenfilterklärung und weniger Arbeit beim Pflegeaufwand. Auf der anderen Seite sprächen die Sole im Naturbad als Alleinstellungsmerkmal (es gibt mit Bad Gandersheim nur drei solcher Anlagen in Deutschland) und der Reiz des Natürlichen für die Umwandlung in eine zukunftsträchtige Anlage.

Zu stoppen ist das alles ohnehin nicht mehr, der Umbau ist weit fortgeschritten. Pelz sagte zur Frage der Betreibung, dass im ersten Jahr, also im LAGA-Jahr 2022, das Naturbad als Teil des LAGA-Geländes von dieser auch betrieben werde. Auf mögliche Mitwirkung der Genossenschaft wurde dabei nicht näher eingegangen. In die Betreibung durch die Genossenschaft wechsele das Bad aber erst mit dem Jahr 2023, und dann könne das Sole-Waldschwimmbad Bad Gandersheim unter Geno-Leitung wieder ein vollständiges und Ganzjahresbad anbieten.

Dabei habe die Genossenschaft während des Planungsprozesses im vergangenen und noch Teilen dieses Jahres deutlich gemacht und auch durchgesetzt, dass eine Betreibung durch die Geno ab 2023 nur erfolgen werde, wenn bestimmte Forderungen berücksichtigt würden: Das Bad müsse einen Fünf-Meter-Sprungturm behalten, für Kinder eine Rutsche haben und es müsse ein Sanitär- und Sanitätsgebäude nahe des Freibeckens zur Verfügung stehen. Dies alles sei aufgenommen und zugesagt worden, betonte Rüdiger Pelz.

Ein neues Aufsichtsratsmitglied

Zu wählen hatten die erschienen Genossenschaftsmitglieder auch Vorstand und Aufsichtsrat. An sich können beide Gremien bis zu fünf Mitglieder habe, die Zahl wurde aber in den vergangenen Jahren in beiden Gremien in der Regel nicht erreicht. Nach dem Ausscheiden Jens Tschäpes im Spätwinter 2021 verblieben nur noch drei Mitglieder im Vorstand. Sie stellten sich auch wieder zur Wahl und erhielten – bei jeweils einer Enthaltung – ansonsten ungeteilte Zustimmung: Gerhard Dörries, Hardy Ehrhardt und Werner Wilde werden also auch weiterhin die Geschicke der Geno lenken.

Im Aufsichtsrat gab es eine kleine Veränderung durch eine Zuwahl. Ulrike le Blond engagiert sich schon geraume Zeit für das Bad und fand sich nun auch bereit, in einem Gremium mitzuwirken, sie wurde einstimmig neu in den Aufsichtsrat gewählt. In diesem Gremium verbleiben die bisherigen Amtsinhaber Rüdiger Pelz, Hans-Joachim Baade und Katharina Hesse.

Lebendig wurde dann noch der Teil Verschiedenes. Dazu mehr Berichterstattung in einer weiteren Ausgabe des GK.rah

Bad Gandersheim

Flugplatz: Beispiel praktischer Zusammenarbeit