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Dannhäuser Quinoa – ein Hauch von Südamerika in der Harzbörde

Die drei Pioniere der Dannhäuser Quinoa GbR: Adrian Brinkmann, Dieter Brinkmann und Martin Allemann (von links).

Alte Getreidesorten wie Emmer oder Kamut erleben gerade ein richtiges Revival. Wer sich gesundheitsbewusst und ausgewogen ernähren möchte oder wegen einer Glutenunverträglichkeit die überzüchteten Getreidesorten nicht verzehren kann, greift gern auf Alternativen zurück. Die südamerikanische Pflanze Quinoa zählt zu den sogenannten Superfoods und erfreut sich immer größerer Beliebtheit.

Dannhausen. Nun ist das Superfood Quinoa auch in der Harzbörde angekommen. Die Landwirte Adrian Brinkmann und Martin Allemann haben im vergangenen Jahr einen Anbauversuch auf einer kleinen Parzelle gestartet. Ihr Ziel ist, ein nachhaltiges Lebensmittel zu erzeugen, dass ohne Pflanzenschutzmittel und zusätzliche Düngung auskommt.

Gesund und voller Vitamine

Schon die alten Inkas vor 6000 Jahren wussten, wie gesund Quinoa ist. Die Pflanze erfreute sich damals schon großer Beliebtheit. Sie besitzt wertvolle Kohlenhydrate, die den Körper gleichzeitig auch mit hochwertigen Aminosäuren, ungesättigten Fetten, leistungssteigernden Mineralstoffen, lebenswichtigen Vitaminen und entzündungshemmenden sekundären Pflanzenstoffen versorgen. Zusätzlich beugen die enthaltenen Ballaststoffe Heißhungerattacken vor, wirken sich positiv auf unser Verdauungssystem aus und schützen vor ernährungs-bedingten Krankheiten.

Erfahrungen sammeln

Für den Anbau kommen Sand- oder leichte Lehmböden in Frage. Die Pflanze ist relativ anspruchslos. Sie benötigt nur etwa ein Drittel der Wassermenge von Weizen und kommt mit 100 bis 120 Kilogramm Stickstoff pro Hektar aus. Allerdings muss auf eine intensive Unkrautkontrolle geachtet werden. „Deswegen haben wir die Pflanze in Reihenkultur gepflanzt, um mechanisch hacken zu können“, erklärt Allemann.

Schon bei der Beschaffung des Saatgutes zeigten sich die ersten Hürden. Da die wenigen deutschen Quinoa-Anbauer ihren Wettbewerbsvorteil behalten wollten, verkaufte niemand das benötigte Saatgut an die beiden Landwirte. „Wir sind schließlich nach langer Suche und Recherche in Dänemark fündig geworden“, berichtet Adrian Brinkmann.

Auch der Anbau hatte seine Tücken. So hatten die beiden Landwirte anfangs mit gelben Flecken auf den Blättern oder plötzlichem Abwurf der Blätter zu kämpfen und mussten durch weitere Recherche prüfen, ob das die Pflanze schädigt oder einfach dazugehört. Quinoa gehört zu den Fuchsschwanzgewächsen und hat auch einen ähnlichen Blütenstand. Es sieht dem Kraut Melde täuschend ähnlich. Der richtige Erntetermin musste ermittelt werden, da der Blütenstand unterschiedlich abreift. „Natürlich haben wir uns auch mit anderen Landwirten, die bereits über Erfahrungen mit dem Quinoa-Anbau verfügen, ausgetauscht“, erklärt Martin Allemann.

Erste Quinoa-Ernte

Die erste Ernte erfolgte im August 2019 mit dem Mähdrescher.
Die beiden Landwirte haben sich dabei langsam an die richtigen Einstellungen von Sieben und Dreschkorb herangetastet und einen verhältnismäßig guten Ertrag eingefahren. Die senfkorngroßen Samen wurden in Big Bags mit Belüftungsrohr gelagert, um sie zu kühlen, zu lüften und zu trocknen, um Schimmel und Fäulnis zu vermeiden. In Blankenburg haben Brinkmann und Allemann einen Betrieb gefunden, um die Samen per Fotoauslese reinigen zu lassen.

Superfood in aller Munde

Die Idee, ausgerechnet Quinoa anzubauen, war gar nicht so abwegig, wie man vielleicht im ersten Moment glauben mag. Immer mehr Menschen achten auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Hofläden und Bauernmärkte sind immer beliebtere Bezugsquellen für nachhaltig produzierte und regionale Lebensmittel. Viele Menschen leiden unter Lebensmittelallergien oder Unverträglichkeiten. Gluten spielt in diesem Zusammenhang sehr häufig eine Rolle. Das ist im Quinoa nicht enthalten, daher spricht man auch von einem sogenannten Pseudogetreide.

Quinoa kommt in vielen Farben daher, so gibt es die Saat in den Farben Rot, Weiß und Schwarz. In Peru oder Bolivien ist Quinoa auch heute noch ein Grundnahrungsmittel. In Deutschland wird Quinoa vor allem im Bio-Sektor angebaut. Obwohl die heimische Ware um die 30 Prozent teurer ist als der Import aus Südamerika, sind mittlerweile viele Verbraucherinnen und Verbraucher bereit, den Mehrpreis zu zahlen, wenn die Herkunftsbezeichnung gut lesbar auf der Verpackung steht. Besonders in Backwaren wie Brot findet Quinoa immer mehr Fans.

Offen für Neues

Martin Allemann war schon seit längerer Zeit auf der Suche nach einer neuen Kultur zur Auflockerung der Fruchtfolge, um Arbeitsspitzen zu entzerren und Sommerung anzubauen. Adrian Brinkmann hat in seiner Ausbildung zum Landwirt Erfahrungen mit Sonderkulturen gesammelt und ist ebenfalls innovativ und offen für Neues. Er studiert außerdem Agrarwissenschaft in Göttingen. Über eine gemeinsame Bekannte wurde bei Beiden das Interesse für Quinoa geweckt und sie begannen, sich intensiv mit der Pflanze und deren Anbau auseinanderzusetzen.
Sie sind sich sicher, mit dem Quinoa-Anbau eine Marktlücke entdeckt zu haben, denn in ihrer Heimat sind sie die einzigen Landwirte, die sich mit dem sog. „Inka-Gold“ beschäftigen. „Es gibt auch gerade mal an die 60 Betriebe in Deutschland, die Quinoa anbauen“, sagt Adrian Brinkmann. In den vergangenen Monaten haben sie ein Hygienekonzept aufgestellt und sich auf die Suche nach Absatzwegen begeben. Ihr Produkt wollen sie in regionalen Märkten und in Unverpacktmärkten zum Verkauf anbieten.

Unternehmensgründung

Gemeinsam mit Dieter Brinkmann (Vater von Adrian Brinkmann) haben Adrian Brinkmann und Martin Allemann, sogar eine GbR, die Dannhäuser Quinoa GbR, gegründet. „Wir sind von unserem Konzept überzeugt und sicher, dass wir den Quinoa-Anbau in unserer Heimat genauso gut schaffen wie die Landwirte in Südamerika“, sind sich die drei Pioniere sicher.red

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