Domfestspiele: Der beste Sommer nach 2001

Gesamtbesuch bei rund 60.000 Gästen / Ticketabsatz um über 5.000 gegenüber 2018 gesteigert

Fröhliche Gesichter bei der Bilanzpressekonferenz der Festspiele angesichts glänzender Zahlen.

Bad Gandersheim. Die Gandersheimer Domfestspiele stehen hoch im Kurs: In der 61. Spielzeit ist es Intendant Achim Lenz gelungen, mit dem Programm dieses Jahres eine Besuchermarke zu erreiche, die zuletzt 2001 unter Georg Immelmann einmal übersprungen worden war: Über 60.000 Besucher können die Festspiele 2019 verbuchen, davon sind über 50.000 Kartenerwerber der Aufführungen vor dem Dom sowie in Brunshausen. Das sind allein über 5.000 mehr Ticketkäufer als 2018. Die Marke des Jahres 2001 lag bei insgesamt 65.0000 Besuchern, die Gesamtzahl rechnet auch die kostenfreien Rahmenprogrammveranstaltungen mit ein.

Angesichts solcher Werte war es wenig verwunderlich, dass den Verantwortlichen bei der Bilanz-Pressekonferenz der Domfestspiele am Mittwochmorgen ein sattes Lächeln ins Gesicht geschnitten war. Das Vorjahresmotto „Läuft bei uns“ wirkt weiter. „Zeig mir mehr“ lockte noch mehr: Die Gesamtauslastung liegt nach derzeit absehbaren Verkäufen (noch kommen ja einige dazu) schon bei rund 86 Prozent für alle Stücke, drei Prozent höher als im Vorjahr.

Der „Renner“ war – kaum anders erwartet – das Musical „Hair“. Außerordentlich gut geschlagen hat sich gleich dahinter aber das Schauspiel „Der Glöckner von Notre Dame“, das im Vergleich zum Jedermann des Vorjahres um fünf Prozent höher lag. Und „Spatz und Engel“ toppten im Vorjahresvergleich die schon sehr erfolgreiche „Addams Family“ sogar um satte 15 Prozent!

„Ein toller erster Sommer für mich“, lautete daher auch das Fazit des kaufmännischen Geschäftsführers Thomas Groß, mit dem die Domfestspiele auf jeden Fall weitermachen wollen. Der Aufsichtsrat habe ihn, so Vorsitzender Uwe Schwarz, in seiner Sitzung am Freitag von der Probezeit, die noch bis Ende September gedauert hätte, entbunden. Groß ist nun also fest angestellt.

Anhebung Ticketpreise

Schwarz berichtete zudem von weiteren Beschlüssen des Aufsichtsrates. Der Bedeutsamste: 2020 werden die Preise einiger Kartenkategorien angehoben. Die letzte Erhöhung habe es vor fünf Jahren geben, so Schwarz. In der Zwischenzeit seien Personal- und Sachkosten gestiegen. Wollten die Festspiele das aktuelle Niveau halten, müsse das auch finanziert werden. Zudem hätten die Festspiele des Anspruch, die Akteure wenigstens auf Mindestlohnniveau entlohnen zu können. Das sei mit dem bisherigen Finanzvolumen nicht mehr machbar.

Die beschlossene Preisanpassung betreffe die Kategorien eins und zwei. In der teureren Kategorie eins kostet die Karte im nächsten Jahr fünf Euro mehr, was im teuersten Falle 44 Euro sind. In der Kategorie zwei werden die Preise um drei Euro angehoben. Erwachsene zahlen nächstes Jahr im Kinderstück zwei Euro mehr (dann 16 Euro). Die Preise der Kinderkarten sowie der Kategorie drei bleiben hingegen unverändert. Damit wolle man insbesondere den zahlungsschwächeren Besuchergruppen entgegen kommen, so Schwarz.

Zudem habe es eine Überarbeitung des Kategorienplanes gegeben. 100 Plätze der Kategorie zwei sind in die Kategorie eins hochgestuft worden. Grund dafür sei die inzwischen auf den meisten Plätzen entsprechend gleich gute Akustik. Die Kategorie drei gab dafür 15 Plätze in die Kategorie zwei ab.

Schwarz betonte, dass die Gandersheimer Ticketpreise innerhalb der Arbeitsgemeinschaft deutscher Freilichttheater im unteren Drittel angesiedelt seien. In Bad Hersfeld zum Beispiel zahle man mehr als das Doppelte für eine Karte. Um in Bad Gandersheim die Qualität zu halten, sei ja unter anderem auch das neue Probenzentrum etabliert worden, das sich noch im endgültigen Ausbau befindet. Auch dafür seien aber künftig Mittel nötig.

Probenzentrum

Zum Probenzentrum berichtete Thomas Groß, dass dieses mit großer Unterstützung duch Unternemer Holger Leicht vorangetriebene Projekt im ersten Abschnitt des sogenannten kleinen Probenraumes abgeschlossen und abgenommen sei. Ab September geht es dann an den Ausbau des großen Probensaales, in dem auf original Bühnenmaß die Musicalproduktionen ab 2020 proben können. Außerhalb der Domfestspielzeiten erwächst hier auch ein Raumangebot für private oder andere Veranstaltungen und Ereignisse, das Probenzentrum kann dafür zu günstigen Konditionen angemietet werden. Interesse bestehe schon jetzt lebhaft, versicherte Groß.

Ein weiterer wichtiger Teil seiner Arbeit galt und gelte den Sponsoren berichtete der kaufmännische Geschäftsführer weiter. Lokale und regionale Verknüpfungen seien dabei für ihn prioritär. Er freue sich, dass mit der Braunschweiger Stiftung ein Sponsor wieder mit im Boot sei, der auch früher schon mal die Festspiele unterstützt habe.

Theaterpädagogik

Bilanz zogen auch die beiden neuen Theaterpädagogen der Domfestspiele, Lucie und Robert Strohmeyer. Im Frühjahr hatten sie die Arbeit übernommen, waren mit dem Festspiel-Jugendclub DOMinos gleich in Proben eingestiegen, die über das Jahr fortgesetzt im kommenden Frühjahr zur nächsten Aufführung reichen sollen. Aktuell werden weitere Mitspieler gesucht.

18 Workshops mit rund 250 Kindern fanden vor den Festspielen in Schulen und Kindergärten statt. Das Theatervirus-Festival wurde nach neuem Konzept mit rund 50 Jugendlichen aus der Region durchgeführt und in den Sommerferien gab es ein ausgebuchtes Ferienpassangebot.

Im Ausblick hieß es, der Theatervirus werde nach dem diesjährigen Konzept wieder stattfinden, die Teilnehmer haben fast alle schon avisiert, wieder dabei sein zu wollen. Zudem werde es eine Kooperation mit dem Roswitha-Gymnasium im Zusammenwirken mit dem Stückplan des Jahres 2020 (siehe unten) geben. Außerdem zeichnet sich in einem Kontakt mit den Paracelsus-Kliniken ab, dass auch Workshops mit Patienten im kommenden Jahr zur Durchführung kommen könnten.rah

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