EcoBus: Wenig Teilnehmer – intensiver Workshop

In Bad Gandersheim muss offenbar erst noch ein neues Bewusstsein für’s (Klein-)Busfahren entwickelt werden

EcoBus-Workshop in Bad Gandersheim am vergangenen Sonnabend.

Bad Gandersheim. Nach der Vorstellung des Forschungsprojektes „EcoBus“ in der vorletzten Woche im Rahmen einer Pressekonferenz folgte am Sonnabend nun in Bad Gandersheim als einem der Testbereiche (zusammen mit dem Gemeindegebiet Kalefeld) der zweite Schritt: ein Workshop. Angedacht als Möglichkeit für alle Interessierten, die sich im Rahmen von zwei Stunden mit den Inhalten des Projekts auseinandersetzen sowie selbst durch Anregungen und Kritik gestaltend daran mitwirken konnten.

Nun, die Gandersheimer scheinen (mindestens noch) keine Busfahrer zu sein. Die Resonanz auf das Angebot war vergleichsweise spärlich. Was im nebenstehenden Bild vielleicht gar nicht so erscheinen mag, aber der Großteil der Anwesenden waren entweder Studierende und damit Mitwirkende im Forschungsprojekt, Offizielle aus den beiden beteiligten Kommunen und der direkt eingebundenen Domfestspiele oder Medienvertreter. Interessierte Bürger kamen nach Abzug Genannter damit gerade mal fünf, drei aus Heckenbeck, eine aus Bad Gandersheim und eine aus Kalefeld.

Was auf den ersten Eindruck enttäuschend gewesen sein mag, wurde im Ergebnis dann aber doch wieder ein wenig relativiert, denn die Projektmitwirkenden wurden trotzdem mit einer Vielzahl an zusätzlichen Anregungen nach zwei Stunden Workshop ins Wochenende entlassen.

Im Zuge der Vorstellung des Projektes, wie es zwischen dem 10. Juni und 5. August im Gebiet Bad Gandersheim (nur Kernstadt), Heckenbeck, dem gesamten Gemeindegebiet Kalefeld und als externem Ziel dem Bahnhof Kreiensen erprobt werden soll, tauchten bereits erste Fragen auf. Ohne Zweifel, so die Projektbegleitenden, wären weitere Zuschnitte wünschenswert gewesen, doch die dahinter stehenden Konzessionenfragen seien in der Kürze der Zeit nicht lösbar gewesen.

Kritisch hinterfragt wurde auch, warum nicht mehr Zeit außerhalb von Ferien aufgenommen worden sei, um mehr Erfahrungen zu sammeln, wie junge Menschen das Projekt – vor allem nachmittags außerhalb der Schule – angenommen hätten, zum Beispiel um zu Sport oder anderen Freizeitaktivitäten zu gelangen. Kurz gesagt sei das in der direkten Anbindung an die Festspielzeit begründet, die nun einmal am 10. Juni beginnt, so der Projektleiter.

Bis dahin, das wurde an anderen Stellen des Workshops deutlich, wartet ohnehin noch jede Menge Arbeit auf die Forschungsgruppe. Eine der wichtigsten Grundlage der Kontaktaufnahme zum EcoBus ist die App für Smartphones. Sie konnte zwar in den bereits fertigen Grundzügen vorgestellt werden, doch schon die gaben Anlass, Details des Bestellvorgangs sowie der Fahrtabwicklung zu hinterfragen.

Vor allem die Frage, ob es dem EcoBus gelingen werde, mit der Ankunftszeit (zum Beispiel am Bahnhof Kreiensen) die Sicherheit herzustellen, dass Züge oder Anschlussverbindungen verlässlich erreicht werden können, stand dabei im Mittelpunkt. Am Ende der Diskussionen beim Workshop wurden bereits Verbesserungsideen für die App erkennbar und sollen noch bis zu einem zweiten Workshop eingebaut werden, der Ende Mai in Kalefeld stattfinden soll. Dort soll die App dann noch stärker im Mittelpunkt stehen.

Auf die Möglichkeit, den EcoBus via Webseite zu ordern, konnte am Sonnabend noch gar nicht vertiefend eingegangen werden, weil diese sich erst in einem Beta-Stadium befindet und als „noch nicht vorzeigenswert“ bezeichnet wurde. Zusammen mit der dritten Variante des Kontaktes per Telefonorder wurde für alle Fälle gewünscht, entsprechende Rückmeldungen oder auch Erinnerungen an die bevorstehende Abfahrt an die Nutzer sicherzustellen.

Sicher waren sich alle Workshop-Beteiligten – interessierte Bürger wie Offizielle –, dass es stark auf die Bewerbung und Öffentlichkeitsarbeit ankommen werde, welche Nutzung das Projekt am Ende erfahren werde. Wunsch war, das Marketing möge die Vorzüge stark in den Vordergrund stellen, die EcoBus-Nutzer gewinnen könnten. Ob dies nun ein in jeder Hinsicht entspannter Besuch bei den Domfestspielen ist oder die Entlastung, die das „Familien-Taxi“ erfahren würde, wenn die Kinder per EcoBus zu Freizeit-Aktivitäten gelangen könnten. Dies müsse aber in recht kurzer Frist den Menschen ins Bewusstsein gerückt werden.

Zahlreiche praktische Aspekte des Projektes wurden hinterfragt. Wie der Anspruch, ökonomisch durch Zusammenfassung mehrerer Fahranfragen und trotzdem so effizient und verlässlich wie möglich zu fahren, in der Praxis zu erfüllen ist, gehört zum spannenden Teil der Forschung in diesem Projekt.

Außerhalb der Workshops werden die Bürger des Erprobungsgebietes auch noch um Beantwortung eines Fragebogens gebeten, der in Kürze – nach im Workshop angeregten Anpassungen – an alle Haushalte verteilt werden soll.

Nun wäre die Erprobungszeit in Bad Gandersheim fraglos zu kurz, um auf die vielen Fragen wirklich erschöpfende Antworten zu geben, zumal die eingeschränkten Gebiets- und Rahmenbedingungen ein stückweit einfach realitätsfern bleiben müssen.

Daher ist es gut zu wissen, dass der EcoBus ab September bis ins Frühjahr 2019 in einem Flächenexperiment im gesamten Westharz verkehren soll. Diese Erfahrungen mit Bad Gandersheim zusammengefasst sollten schon ein Bild ergeben, ob der EcoBus eine Alternative oder gute Ergänzung zum bestehenden Öffentlichen Personennahverkehr sein kann und ob es aus dem Experiment bald auch eine Alltagslösung geben kann. Auch für Bad Gandersheim und den gesamten Landkreis Northeim zum Beispiel.rah

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