Geschäftsführung der LAGA reagiert auf Anfrage von Hendrik Geske

Kosten für Shuttle-Dienst überschlagen / Zu viele Parkplätze könnten für Verwirrung sorgen / Hoffnung auf günstigeren Bau

Bad Gandersheim. Vor ungefähr zwei Wochen regte Ratsmitglied Hendrik Geske (CDU) an, den Bau eines zentralen LAGA-Parkplatzes zu überdenken und die Möglichkeit der Nutzung von dezentralen Flächen zu prüfen (GK berichtete). Die Geschäftsführung der Landesgartenschau, Ursula Stecker und Thomas Hellingrath, haben die Anfrage geprüft und stellen im Folgenden das Ergebnis vor.

„Sehr geehrter Herr Geske, vielen Dank für Ihre Anfrage, die uns über Bürgermeisterin Franziska Schwarz erreicht hat. Ihre Anregung hat uns veranlasst die Frage der Besucherlenkung, des Besucherservice, der Kosten und der damit verbundenen Vor- und Nachteile noch einmal intensiv zu hinterfragen.
Bevor wir die einzelnen Punkte auflisten, erlauben wir uns einige grundsätzliche Anmerkungen. Unser Ziel ist es, dass die LAGA-Besucher von Anfang an eine funktionierende Servicekette vorfinden und nach dem LAGA-Besuch zufrieden ihren Heimweg antreten. Dabei ist eine möglichst unkomplizierte An- und Abreise von entscheidender Bedeutung, da sie der erste und letzte Eindruck vom Besuch in Bad Gandersheim sind.

Von Beginn an war es unser Ziel, die Altstadt und Innenstadt nicht zusätzlich mit Verkehr zu belasten, um neben dem Verkehrskollaps auch eine zusätzliche Lärm- und Schadstoffbelastung zu vermeiden. Die Attraktivität der Altstadt würde für die Besucher stark beeinträchtigt.

Bei prognostizierten 460.000 Besuchen errechnen sich durchschnittlich knapp 2500 Besuche pro Tag. Diese Besuche werden sich abhängig von der Witterung sowie an Wochenenden, Feiertagen und Ferien sehr unterschiedlich verteilen. Es ist daher von Besucherzahlen zwischen 500 und 5000 pro Tag auszugehen. Entsprechend hoch ist auch der Bedarf an Parkplätzen.

Berechnung benötigter Flächen und aktuelle Planung zum Parken

Geht man davon aus, dass ungefähr 70 Prozent der Besucher mit dem Pkw anreisen und jeder Pkw mit 2,5 Personen besetzt ist, werden an Spitzentagen bis zu 1400 Parkplätze benötigt. Diese benötigte Parkplatzkapazität konkurriert in den Sommermonaten mit dem Parkplatzbedarf für die Domfestspiele.
Die aktuelle Planung für die LAGA sieht vor, dass folgende Parkmöglichkeiten ausgewiesen werden: befestigte Parkplätze am Dehneweg: knapp 500 Stück; unbefestigte Parkplätze am Dehneweg: knapp 500 Stück; unbefestigte Parkplätze am Kriegerweg (Überlaufparkplatz mit Shuttle für Spitzentage): ungefähr 800 Stück.

Eine derartig hohe Anzahl an Parkplätzen ist in Bad Gandersheim nicht vorhanden, zumal die größeren Parkplätze (Edeka, Netto, Aldi etc.) auch nur an Sonn- und Feiertagen zur Verfügung stünden. An keiner anderen Stelle im Stadtgebiet finden sich zusammenhängende Flächen für eine derart hohe Zahl an Pkw.
Durch die Verteilung der Parkplätze über die gesamte Kernstadt würde ein Park- und Suchverkehr initiiert, der unbedingt vermieden werden sollte. Eine Lenkung der Verkehre zu den einzelnen Parkplätzen bedarf eines professionellen Parkleitsystems. Dieses kann nur entweder über entsprechenden Personaleinsatz oder über ein elektronisches Leitsystem erfolgen. Beides sehr teure Lösungen. Neben dem Parkleitsystem wären Informationstafeln an allen Standorten erforderlich, die über Abfahrtszeiten, Fahrtdauer etc. Auch diese Tafeln müssen aktuell sein und gepflegt werden“, erklärt die Geschäftsführung.
Und weiter: „Durch die erneut erforderliche Ausschreibung des temporären Parkplatzes erhoffen wir uns günstigere Angebote, da die Baumaßnahme jetzt im Sommerhalbjahr und ohne großen Zeitdruck realisiert werden kann. Entsprechende Signale von interessierten Firmen gibt es bereits.

Die Kosten für einen Shuttle-Dienst haben wir folgendermaßen überschlagen: Die Busse werden nicht gleichmäßig, sondern sehr variabel eingesetzt werden müssen (Stoßzeiten, Witterung, Wochenenden, Ferien etc.). Insofern müssen die eingesetzten Busunternehmen eine entsprechende Logistik bereithalten, um sehr kurzfristig Mehr- und Minderfahrten bewerkstelligen zu können.

Durch die Verteilung der Parkplätze über die gesamte Kernstadt sind zum Teil relativ lange Fahrtzeiten erforderlich. Die Besucher dürfen aber erwarten, dass keine lange Wartezeiten entstehen (Serviceketten).

Wir kalkulieren daher, dass im Durchschnitt vier Busse im Einsatz sind. Die Kosten pro Bus und pro Tag belaufen sich auf ungefähr 800 Euro. Daraus errechnen sich Gesamtkosten von etwa 590.000 Euro. Dazu kommen die Kosten für das Leitsystem beziehungsweise den Personaleinsatz.

Beispiel Personaleinsatz: An jedem Parkplatz ist mindesten eine Person erforderlich. Zusätzlich müssen die Hinweisschilder im Stadtgebiet, welcher Parkplatz aktuell angefahren werden soll, regelmäßig aktualisiert werden. Hier sind somit mindestens durchschnittlich acht Personen erforderlich. Bei Zahlung des Mindestlohns plus Arbeitgeberanteil errechnen sich hier Kosten von rund 215.000 Euro. Dazu kommen die Kosten für erheblich mehr Hinweisschilder und der erhebliche organisatorische Aufwand.

Die Kosten für ein dynamisches Leitsystem liegen geschätzt im hohen sechsstelligen Bereich. Zudem müsste es auch installiert und wieder zurückgebaut werden. Zusammengefasst würden die Kosten über 800.000 Euro betragen. Das entspricht in etwa auch den Kosten für den Parkplatzbau.

Unabhängig von der Kostenfrage hätte ein dezentrales Parkplatzkonzept folgende Nachteile: Die potentiellen Haltestellen für die Shuttlebusse sind nicht barrierefrei. Die Shuttlebusse müssen Transportmöglichkeiten für Kinderwagen, Rollatoren und Rollstühle bieten. Aufgrund von Corona werden voll besetzte öffentliche Transportmittel zum Teil gemieden. Zu lange Wartezeiten würden dazu führen, dass die Besucher eher verstimmt sind und gegebenfalls wieder fahren.

Viele verschiedene Parkplätze können auch leicht verwirren. Weiß ich nach dem Besuch noch zu welchem Parkplatz ich muss? Auch hier sind Infos erforderlich: Shuttle 1 in fünf Minuten zum Kriegerweg, Shuttle 2 in sieben Minuten zur Hildesheimer Straße etc.

Man bräuchte an allen Punkten: Sitzplätze / WC / Schattenplätze bei Hitze / gegebenfalls Überdachung bei Regen / Mülleimer und weiteres. Wenn aktuell gebührenpflichtige Parkplätze einbezogen werden, gehen der Stadt die Parkgebühren verloren. Selbst bei einem dynamischen Leitsystem ist ein erheblicher Parksuchverkehr mit den entsprechenden Problemen nicht auszuschließen.

Bis auf knapp 150 Parkplätze im Bereich Hildesheimer Straße in der Nähe von Auer Lighting werden die Parkplätze in der Kernstadt durch Einwohner, (Klinik-) Gäste und Arbeitnehmer benutzt. Wo sollen diese dann parken?

Der überwiegende Teil der Besucher wird über die A7 von Osten kommen und direkt zum Dehneweg geleitet. Diese Verkehre werden den besiedelten Bereich nicht belasten. Die Notwendigkeit der Ergänzung der Ostrampe der B64 wurde insbesondere mit den Besucherverkehren zur LAGA begründet.
Der Verkauf beim Gärtnermarkt würden leiden, da viele Besucher gerade durch die Nähe zum Auto gerne noch etwas mitnehmen und das nicht noch lange mit sich herumtragen wollen.“

Das Fazit der Geschäftsführer

„Auf Grundlage Ihrer Anregung haben wir die Erforderlichkeit des geplanten temporären Parkplatzes am Dehneweg nochmals überprüft und einer dezentralen Lösung mit Shuttledienst gegenübergestellt. Diese Fragestellungen wurden jedoch auch bereits vor langer Zeit unter anderem im Aufsichtsrat eingehend erörtert und diskutiert.

Bei Abwägung beider Alternativen sprechen wir uns eindeutig für den Bau des temporären Parkplatzes aus, da vergleichbare Kosten entstehen, eine dezentrale Lösung einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand nach sich zieht und ein zentraler Parkplatz einen deutlich höheren Service für die Besucher der LAGA bietet“, schließen Stecker und Hellingrath ihre Stellungnahme ab.red