Hospiz: Ehrenamtlicher Einsatz für ein Sterben in Würde

Ökumenische Hospizinitiative Bad Gandersheim leistet einen besonderen Beitrag in der Gesellschaft

Sterbebegleitung ist oft nicht nur eine vorwiegend traurige Angelegenheit: „Wir können zusammen mit den Menschen, die wir auf dem Weg zum Sterben begleiten, weinen, aber auch über vieles lachen. Das ist wichtig und erleichtert“, so Christine Hattenbach als eine der Ehrenamtlichen in der Ökumenischen Hospizinitiative.

Bad Gandersheim. Da sind sich die meisten Menschen gleich: Die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod schieben sie weit von sich. Oft solange, bis es nicht mehr anders geht. Eine kleine Gruppe Ehrenamtlicher in Bad Gandersheim hingegen hat sich der ganz aktiven Auseinandersetzung mit dem Tabu-Thema verschrieben: Sie engagieren sich in der Begleitung fremder Menschen, die dem Tod entgegen gehen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ökumenischen Hospizinitiative Bad Gandersheim begleiten kranke und sterbende Menschen und deren Angehörige. Ziel ist es, den Betroffenen ein Sterben in Würde zu ermöglichen, aber auch das Tabu-Thema Tod wieder mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken. Dabei besuchen die MitarbeiterInnen Schwerkranke zu Hause, aber auch im Krankenhaus oder in Pflegeheimen. Das Begleitungsangebot steht allen Menschen kostenlos offen, unabhängig von Alter, Nationalität, Konfession oder Weltanschauung.

Zur Ökumenischen Hospizinitiative Bad Gandersheim gehören zur Zeit zehn Ehrenamtliche, die sich mit Abschied und Tod intensiv auseinandergesetzt haben und die für die Begleitung professionell ausgebildet sind. So wünscht sich eine Mitarbeiterin für jeden Menschen einen Abschied voll Trost und Beistand: „Meine Schwester verbrachte ihre letzte Lebenszeit in einem stationären Hospiz. Die menschliche, einfühlende und achtungsvolle Pflege fand ich hilfreich und kraftspendend. Deshalb habe ich mich entschieden, in die Hospizinitiative Gandersheim einzutreten und arbeite seitdem schwerpunktmäßig in der ambulanten Sterbebegleitung.“

Die Gründe, warum sich Menschen in der Hospizinitiative engagieren sind durchaus vielfältig. In der Regel aber hat vorher eine eigene Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Sterben stattgefunden, wie im Falle eines Mitwirkenden, der bei einem Krankenhausaufenthalt damit konfrontiert wurde.

Vielen Gandersheimern dürfte kaum gewahr sein, dass die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen Schwerkranke und deren Familien bereits seit 1994 unterstützen – beispielsweise durch persönliche Gespräche oder durch punktuelle Entlastung pflegender Angehöriger. Sie stellen Kontakte zu Verwandten und Freunden her, schreiben Briefe oder lesen vor und sind offen für Sorgen und Nöte.

Gespräche über Sterben, Trauer und Tod gehören genauso zu einer Begleitung dazu wie miteinander zu lachen oder zu weinen. Die Ehrenamtlichen werden dabei durch Supervision begleitet und absolvieren regelmäßig Fortbildungen. Alle Mitarbeiter sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Ein weiteres Angebot der Ökumenischen Hospizinitiative ist das offene Trauercafé im Martin-Luther-Haus der Stiftskirchengemeinde in Bad Gandersheim. Hier können Hinterbliebene miteinander ins Gespräch kommen und belastende Gefühle wie Einsamkeit oder Verzweiflung thematisieren. Das Trauercafé ist jeden zweiten Freitag von 16 bis 18 Uhr geöffnet, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Das Angebot hat inzwischen eine so große Annahme erfahren, dass fast schon Kapazitätsgrenzen erreicht waren. „Das Trauercafé bietet vielen Menschen einen geschützten Ort, den sie mit jedem Besuch mehr schätzen gelernt haben. Viele kommen über längere Zeit. Jeder entscheidet aber auch, wann er das Angebot nicht mehr benötigt, um mit seiner Trauer klarzukommen“, beschreibt Liesel Becker das Angebot. Nicht selten entstünden aus den Kontakten auch persönliche Beziehungen von Teilnehmern, die sich auch sonst weiter helfen. Und der eine oder andere hat später sogar die Kraft gefunden, die Hospizinitiative selbst zu unterstützen.

Jeden ersten und dritten Dienstag im Monat stehen die MitarbeiterInnen von 10 bis 11.30 Uhr im Hospiz-Büro der Helios-Klinik in Bad Gandersheim für Fragen zur Verfügung. Jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat sind sie von 10 bis 11.30 Uhr in den Räumen der Stiftskirchengemeinde, Stiftsfreiheit 1, in Bad Gandersheim zu erreichen. Anfragen per Telefon sind auch außerhalb dieser Zeiten möglich (siehe unten).

Die Ökumenische Hospizinitiative Bad Gandersheim ist eine ehrenamtliche Organisation und daher bei ihrer Arbeit auf finanzielle Hilfe durch Spenden angewiesen. Auch neue ehrenamtliche Helfer sind jederzeit gern willkommen. Weitere Informationen zur Arbeit der Hospizinitiative über die Kontaktdaten unten. Gerne beantworten die Mitarbeiter Fragen auch persönlich. Die Ökumenische Hospizinitiative ist Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Niedersachsen e.V.

Kontakt: Liesel Becker, Telefon 05382 / 95 87 269 oder 0160 / 32 66 320, E-Mail: becker.liesel@t-online.de.rah