Kleinmaßnahmen für 50.000 Euro

Hochwasserschutzausschuss empfiehlt für vier Dörfer genehmigungsfreie Maßnahmen zum Beschluss

Sitzung des Hochwasserschutzausschusses im Pfarrhaus.

Ackenhausen. Nach der Ortsbegehung in Ackenhausen fand die zweite Sitzung des Hochwasserschutzausschusses diesmal im Pfarrhaus in  Ackenhausen  statt. Ein rundes Dutzend Einheimischer hatte sich dazu als Zuhörer eingefunden. Vor Eintritt in die Tagesordnung blieben ein paar Minuten Zeit, die Hendrik Geske nutzte, um in eindrucksvollen Bildern noch einmal die unfassbaren Überflutungen der letzten beiden Jahre (be)greifbar zu machen.

In der Sitzung des großen Ausschusses selbst gab es zunächst eine Produktvorstellung zum vorsorgenden Hochwasserschutz (dazu folgt getrennte Berichterstattung). Den breitesten Raum nahm dann der Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen“ ein, der rund 45 Minuten dauerte, weil Ausschussvorsitzender Heinrich Hohls in der zweiten Sitzung den Mitgliedern des Ausschusses noch viel Raum ließ, unter diesem Punkt zahlreiche Gedanken rund um den Hochwasserschutz im Allgemeinen oder im Speziellen loszuwerden, was man vorweg beim Rundgang gesehen hatte.

Insbesondere Ausschussmitglied Wilhelm Kühne hatte sich offenbar umfassend im Vorfeld mit Fragen des Hochwasserschutzes befasst und eine Reihe von Anregungen parat. Eine der interessantesten darunter der Vorschlag, für die zuletzt von Schadensereignissen betroffenen Dörfer eine „Betroffenheitskarte“ zu erstellen. Gemeint war damit, in einer Dorfkarte die Häuser festzustellen, die im Fall von Sturzregenereignissen immer wieder beziehungsweise stark betroffen waren und wieder sein werden.

Hintergrund des Vorschlages war, dass Kühne damit eine Grundlage schaffen möchte, diesen nachweislich Betroffenen für den Fall eigener Investitionen in vorsorgenden Hochwasserschutz zum Beispiel steuerliche Vorteile zugute kommen lassen zu können. Ohne ein solches Betroffenheitskataster dürfte das schwer möglich sein.

Im Zuge der allgemeinen Diskussion wurden auch zahlreiche Ideen rund um Ackenhausen angesprochen. Darunter die Vorschläge (und auch von Grundeigentümern gemachten Angebote) außerhalb – und oberhalb – der Ortslage durch Mini-Dämme im Wiesenland Stauräume zu schaffen, die mindestens einen kleinen dämpfenden Effekt haben könnten.

Das wäre vermutlich tatsächlich hier und dort möglich – auch, ohne dabei in die Klassifizierung als Talsperre zu gelangen – und dennoch trifft es auf technische wie rechtliche Probleme. Was zum Beispiel würde passieren, wenn ein solches Behelfsbauwerk im Einstaufalle brechen und erst recht großen Schaden durch eine Schlamm- und Flutwelle in einem Dorf auslösen würde?

Generell wurde bei mehreren Vorschlägen deutlich, dass sie in ihrer Einzelwirkung nur einschätzbar sind, wenn sie im Rahmen eines Gesamtkonzeptes gesehen und mit anderen Maßnahmen zusammen bewertet werden können. Ein solches Gesamtkonzept fehlt bislang.

Eine ganze Reihe solcher und ähnlicher Ideen wurden angesprochen, bis es klare Worte vom Leineverbands-Geschäftsführer Jens Schatz gab. Er „wusch“ dem Ausschuss mit seinen Ausführungen förmlich den Kopf, als er anmerkte, den Aussagen der Verwaltung sei zu entnehmen gewesen, dass selbst für die Erledigung von Pflichtaufgaben das nötige Geld fehle. Welchen Sinn mache es dann, sich Gedanken über 40 mögliche Varianten von Überflutungsschutz zu machen, wenn man schon für die Hausaufgaben nicht die Mittel habe: „Suchen Sie sich zwei oder drei wirksame Maßnahmen aus, und versuchen Sie dann, dafür Zuschüsse zu bekommen, ansonsten bekommen Sie mit ihren Ideen eine ähnliche Antwort beim Land“, so sein knallharter Ratschlag.

Das setzte der munteren Diskussion tatsächlich fast umgehend ein Ende, die Botschaft war offenbar angekommen. Tatsächlich hatte der Ausschuss ja auch noch einen Tagesordnungspunkt, in dem über genehmigungsfreie Maßnahmen befunden werden sollte. Wie von der CDU gefordert, hatte die Verwaltung sich solche aus den Ortsteilen als Vorschläge zusenden lassen und daraus eine Vorlage erstellt, die einen Finanzierungsrahmen mit wie gewünscht 50.000 Euro vorsah.

Vier Ortsteile hatten Wünsche angemeldet. Dreimal – für Dannhausen, Hachenhausen und Helmscherode – war die Einrichtung eines Sandsacklagers gewünscht worden. Drei Einzelmaßnahmen sind für den Ortsteil Ackenhausen angeregt und aufgenommen worden, sie standen auch in Übereinstimmung mit den Erkenntnissen des Rundgangs.

Zum einen ging es dabei um die Verbesserung von zwei Straßeneinläufen an der tiefsten Stelle des Wehrkamps, um den Ablauf des Wassers besser garantieren zu können. Bei den letzten Überflutungen waren die Abläufe meistens schnell verstopft. Die beiden anderen Maßnahmen sind die Erstellung eines Grobrechens Richtung Heber im Bachlauf am Wehrkamp sowie die Verbesserung eines bereits vorhandenen im Bachlauf am Mückenwinkel.

Erfreulich war zudem, dass die Finanzierung der 50.000 Euro für die genannten Maßnahmen nicht eines Nachtragshaushaltes bedarf, wie zuerst vorgesehen, sondern aus Haushaltsresten des inzwischen abgerechneten Jahres 2018 bestritten werden kann. Dem Ausschuss fiel es damit noch leichter, den Ansinnen einstimmig beizupflichten.rah

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