Kristin Scheinhütte neue Roswitharingträgerin

Publikum wählt Luise aus „Kabale und Liebe“ und die „kleine Hexe“ zur neuen Preisträgerin / Tolle Verleihungsfeier

Bürgermeisterin Franziska Schwarz mit der neuen Roswitha-Ringpreisträgerin Kristin Scheinhütte.

Bad Gandersheim. Das Publikum hat entschieden – wie es das im Übrigen seit 1998 tun darf. Und der Verursacher, dass der Roswitharing für die beste Schauspielerin des Ensembles der Domfestspiele durch das Publikum entschieden wird, war persönlich zugegen: Auf Vorschlag des früheren Intendanten Georg Immelmann war der Preis seinerzeit aus den Händen einer kleinen (Männer-)Jury in die der Zuschauer gelegt worden. Und die haben auch 2017 wieder ihre Favoritin gefunden.

Die Auswahl dabei war diesmal konzentrierter als sonst: Das ohnehin kleine Ensemble hat nur sieben Darstellerinnen. Aus ihnen suchte die Mehrheit der Abstimmenden Kristin Scheinhütte als neue Ringträgerin aus. Die Auserkorene konnte es am Sonntagmorgen kaum glauben.

Doch bevor es soweit war, dass ihr Name von Bürgermeisterin Franziska Schwarz ausgerufen wurde, fand das übliche Prozedere statt. Aufgabe der Herren des Ensembles ist dabei, die Lobeshymnen auf die zu Wählenden zu singen – oder anders darzubringen, wenn man dem Gesange nicht so zugeneigt ist.

Wie Mario Luca Castelli, der seine „Angebetete“, die Kollegin Felicitas Heyerick vorstellte. In drei Produktionen durfte er an ihrer Seite sein, wobei ohne Zweifel das Studiostück „Das Interview“ für beide am intensivsten war. Natürlich sah der Laudator bei seiner Dame die Würde des Ringes zweifellos am besten untergebracht.

Wie auch die anderen Laudatoren bei ihren Favoritinnen. Die Pärchen kamen dabei nicht von ungefähr. So spielte Michael Sikorski als Abraxas im Kinderstück an der Seite von Kristin Scheinhütte, als Ferdinand hatte er sie mit Luise als Gegenpart. Was Anlass gab, sich Gedanken um die Komplexität der Beziehungen zu machen.

Florentine Kühne wurde gleich von drei Laudatoren angebetet. Stefan Luethy, Denis M. Rudisch und Philip Nowicki nahmen Kühnes Rolle als Conny in „Saturday Night Fever“ zu Anlass, ein gleichnamiges Lied als Hommage auf sie umzudichten. Was für viel Erheiterung auf der Tribüne sorgte, die an diesem sonnigen Sonntagmorgen leider nur etwa zur Hälfte besetzt war.

Für Julia Lißel war natürlich Lucas Baier der passende Partner; die beiden waren das Traumpaar Tony Manero und Stephanie Mangano in „Saturday“. Eine heiße Beziehung, die Baier in entsprechende Formulierungen fasste, immer in Gefahr, sich um Kopf und Kragen zu reden. Gewollt natürlich.

Zu einer besonderen Laudatio kam es für Maria Moncheva – und in Verbindung damit Denise Kiesow. David Schuler trat als „Double“ der Tänzerin auf und sang seine Hommage als Lied „Maria“ von Blondie. Was prompt Fehmi Göklü auf den Plan rief, der als Double von Denise Kiesow auftrat, die im Kinderstück und „Kabale“ dabei war. Zwischen den beiden Laudator(inn)en flogen die Fetzen, insgesamt wurde daraus eine nette Gemeinschaftslaudatio. Blieb noch Susanna Panzner. Sie konnte aus sehr persönlichen Gründen am Sonntag nicht zugegen sein, fand aber in Jan Kämmerer einen hervorrageneden Laudator, der ihre zahlreichen Leistungen und Verdienste in Wort und Gesang aufzulisten verstand.

Eine weitere Laudatio steuerte Dominik Müller bei. Sein Dank gehe an die vielen Frauen hinter den Kulissen und im gesamten Team der Domfestspiele. Und dort waren eine Menge Mitwirkende tätig, die so auch in den Genuss des Applauses des Publikums kamen.

Dann war es soweit: Die Urkunde und der Ring waren da, der Name Kristin Scheinhüttes wurde verlesen. Die junge Neu-Ringträgerin, die erstmals in Bad Gandersheim im Ensemble stand, konnte es beinahe nicht glauben, dass sie sich hier in die lange Reihe ausgezeichneter Darstellerinnen einreihen dürfe.

Das komme aber zweifellos nicht ohne Grund, so Intendant Achim Lenz in seiner Laudatio auf die neue Preisträgerin. Schon seit ihrem Studienbeginn in der Folkwang-Hochschule sei ihm klar gewesen, welch besonderes Talent in dem kleinen Energiebündel schlummere. Das habe sich dann in der Folge an zahlreichen Stellen erwiesen.

Unter anderem studierte Scheinhütte in New York, wurde an der Folkwang später sogar ausgezeichnet. Und war doch ersmal sprachlos, als Achim Lenz ihr für Bad Gandersheim 2017 gleich zwei Hauptrollen anbot. Scheinhütte nahm die Herausforderung an und meisterte sie mit Bravour. Und das trotz durch Krankheit zu Probenbeginn verzögerten Einstiegs.

Aber auch das sei eben typisch für die Schauspielerin, von der Lenz erwartet, noch viel Positives in der Zukunft zu hören. Sie verstehe es inzwischen, den Druck aus Ängsten in positive Schaffenskraft umzusetzen. Und schuf so zwei faszinierende Figuren der kleinen Hexe und der Luise in „Kabale“.

Die Ausgezeichnete selbst rang bei der Erwiderung zunächst nach Worten, so sehr berührte sie das alles. Und ein paar Tränchen flossen auch, bevor es noch ein Lied von der neuen Ringträgerin gab, das auch ein wenig Ausdruck dafür sein sollte, wie sehr ihr in den letzten drei Monaten auch Bad Gandersheim zu einem Stück Heimat geworden sei.

Insgesamt war die Ringverleihung wieder eine gelungene und würdige Veranstaltung, in der es auch viel an Dank für alle Mitwirkenden, das ganze Team und die Unterstützer der Domfestspiele gab, die am Sonntagabend mit der letzte Vorstellung der „Comedian Harmonists 2“ zuende gegangen sind.

Die Bedeutung der Ringverleihung lässt sich auch ein wenig an der Würdigung durch Ehrengäste ermessen: So fanden unter anderem der Bundestagsabgeorndnete Dr. Roy Kühne, Landtagsabgeordneter Uwe Schwarz, Ministerin Frauke Heiligenstadt, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, der frühere Intendant Georg Immelmann mit Frau sowie zahlreiche weitere Honoratioren am Sonntagmorgen den Weg nach Bad Gandersheim.

Abschließend wurden aus den eingesteckten Abstimmungskarten sechs Freikartengewinner für die Festspiele 2018 durch die neue Ringträgerinnen gezogen. Die Namen gibt die Intendanz noch getrennt bekannt.rah

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