LaGa-Info Teil II: Das neue Freibad

Kein Badesee: Freibad mit biologischer Klärung ist Planabsicht / Rückgriff auf alte Beckensubstanz, aber weitgehende Umgestaltung

Bad Gandersheim. Nach den intensiven Informationen zur Landesgartenschau aus dem Büro nsp Schonhoff und über das Bepflanzungskonzept stand mit dem Freibadbereich ein weiterer, zentraler Punkt der LaGa an. Hierzu war seitens des diesen Part beplanenden Büros Polyplan Kreikenbaum Sebastian Flohre nach Bad Gandersheim gekommen, um den aktuellen Stand vorzustellen.

Der war gegenüber der Vorstellung vor einigen Wochen in einer Ratssitzung nun schon weiter gediehen. Flohre sprach nicht mehr von drei verschiedenen Ansätzen, wie sie im Rat noch vorgestellt wurden, sondern hatte schon eine deutlich konkretere Entwurfsplanung dabei.

Zuvorderst unterschied er drei verschiedene Typen von Bädern. Das bisherige in Bad Gandersheim wird als sogenanntes DIN-Bad bezeichnet. Ein wesentliches Merkmal ist neben Beckenmaßen die chemische Wasseraufbereitung. Die zweite Badform arbeitet mit einer biologischen Wasseraufbereitung, greift aber – wie im Falle des Freibades in Bad Gandersheim auch vorgesehen – auf die vorhandenen Becken zurück und nutzt diese nach Abwandlung weiter.
Der dritte Typus wäre ein Badesee. Einen solchen, machte Flohre deutlich, bekommt Bad Gandersheim aber nicht. Badeseen sind Naturgewässer ohne künstliche Abdichtung. Und: Während in einem Badesee Baden auch noch bei 2000 KBE E-Kolibakterien erlaubt ist, sieht die Anforderung für ein Freibad mit biologischer Wasseraufbereitung einen Grenzwert von gerade einmal 100 vor!

Seecharakter hat dann das neue Freibad tatsächlich auch nicht. Flohre machte deutlich, die Bausubstanzuntersuchung habe zwar klaren Sanierungsbedarf an der Oberfläche, aber auch eine intakte Betonhülle bestätigt. Deshalb wird das 50-Meter-Becken in seiner Grundsubstanz auch weiter Kern des Bades bleiben, aber eine deutliche Umgestaltung erfahren.

Zum einen in der Längsnutzung: Die südliche Hälfte wird Schwimmerbereich mit einem zur Hälfte ins Becken reichenden Steg, der dann einen 25-Meter-Teil abtrennt und in diesem zugleich die Möglichkeit schafft, weiterhin auch Schwimmwettbewerbe ausrichten zu können. Im nördlichen Teilstück wird der Nichtschwimmer- und Planschbereich integriert. Das Becken beginnt von Norden her flach in die End-Tiefe von etwa 1,80 Metern abzufallen.
Das heutige Plansch- und das Nichtschwimmerbecken verschwinden. An ihrer Stelle entstehen ganz im Norden des Geländes ein Wasserspielplatz und zwischen diesem und dem großen Becken ein Sandstrand. Erhalten bleiben soll das Springerbecken. Die Möglichkeit, eine besondere Rutsche einzubauen (gedacht war an ein besonderes Projekt unter Nutzung des Hanges des kleinen Osterbergs), sei in der Planung berücksichtigt, die Realisierung hänge aber noch an der offenen Finanzierbarkeit, sagte Flohre später auf Nachfrage zu diesem Part.

Gefallen zu sein scheint nach den Polyplan-Vorschlägen eine Entscheidung für ein Bad mit biologischer Klärung, denn diese wurde mit den Planungen vorgestellt. Die Filterbereiche schließen sich westlich und östlich an den Badbereich an, also etwa dort, wo heute die Linde neben der Gande und das alte Technikhäuschen stehen und östlich im Bereich des Sprungbeckens bis zum einstigen Kioskstandplatz neben der Eternabrücke.
Biologische Wasseraufbereitung heißt, dass kein Chlor mehr zum Einsatz kommen muss und der technische Aufwand geringer gehalten werden kann, weil die Filterung fast ausschließlich über die Schwerkraft erfolgt und nicht mit hohem Pumpendruck. Die Technik des Bades werde von der des Hallenbades getrennt vorgehalten.

Auf die Frage, welche Wartung beziehungsweise Erneuerungszyklen die Filterbeete haben müssten und welche Folgekosten das nach sich ziehe, antwortete Flohre, Polyplan habe jetzt 30 Jahre Erfahrungen mit biologischer Wasseraufbereitung und in den ersten Bädern, die mit solchen Filterbeeten gebaut worden seien, habe man bisher noch keines erneuern müssen. Die Verwendbarkeit kann damit über mehrere Jahrzehnte angenommen werden.
Wichtig war der Stadt, allen an den Vorplanungen Beteiligten und letztlich den Bürgern, dass die ortseigene Sole zum Einsatz kommen kann. Das gehe auch mit einer biologischen Wasseraufbereitung durchaus problemlos, wenn die Sole wie im Falle der Wilhelmsquelle nur 0,8 Prozent Salzgehalt habe. Das neue Freibad soll daher auch die Wilhelmsquellen-Sole nutzen.

Den Hinweis, dass die Quellschüttung nachgelassen habe und nebenbei ja auch noch das Hallenbad versorgen können müsse, beantwortete Flohre so: Die intensivste Phase sei ja immer die Badbefüllung. Sollte dazu die Sole-Schüttung zu unergiebig sein, werde eben zunächst mit Trinkwasser schnellbefüllt und ab dann Sole zugeführt. Für den laufenden Betrieb reiche die Sole-Schüttung auf jeden Fall, da ja dann nur noch täglich eine überschaubare Menge an Wasser zugeführt werden müsse.

Thema von Fragen war außerdem die Wasserbeheizung. Damit werde man in diesem Freibadtyp vorsichtig umgehen. Optimal seien 23 Grad. Im Sommer können es auch mal ein paar mehr sein, zu warm darf es aber nicht werden, um das Gleichgewicht zu halten. Zuheizen sei wenig sinnvoll, um auch in kühleren Zeiten die 23 Grad zu halten. Da verpuffe zu viel Energie sinnlos. Das neue Freibad wäre damit ein echtes „Sommerbad“, das dann seine besten Zeiten hätte, wenn es auch schön warm ist. Interessant andersherum der Ansatz, über eine Wärmepumpe die auch noch in Herbstmonaten im Freiwasser gespeicherte Wärme dem Hallenbad zugute kommen zu lassen.

Flohre wie die LaGa-Vertreter bestätigten auf Nachfragen, dass im Jahre 2022 das Freibad integraler Bestandteil des LaGa-Geländes sein soll und baden dann auch nur mit LaGa-Karte möglich ist. Schließlich so Thomas Hellingrath, werde der Umbau ja auch zu weitesten Teilen aus LaGa-Mitteln finanziert. Andererseits könne man sich mit einer LaGa-Jahreskarte auch einen sehr günstigen Badesommer verschaffen. Zusätzlich zu allen anderen Genüssen und Events auf dem LaGa-Gelände.

Keine Antwort konnte an dieser Stelle schon die Frage finden, was denn der Eintritt in das dann wieder komplette Ganzjahresbad ab 2023 sein werde. Die Preisgestaltung, so Hellingrath, obliege ja der Betriebsgenossenschaft, die dann ab 2023 wieder das Hallen- und ein Freibad unter ihrer Regie haben wird.
Abschluss eines vollumfassenden Informationsabends war dann noch ein Blick hinter die Kulissen des aktuellen LaGa-Geschäfts. Thomas Hellingrath und Grit Arndt berichteten über zahlreiche Gespräche, bereits abgeschlossene und noch geplante Kooperationen, laufende und kommende Werbemaßnahmen und manches mehr. Das GK hatte darüber bereits nach der Ratssitzung berichtet.

Und wäre es nicht zu fortgeschrittener Stunde so abendfrisch gewesen, hätten die Besucher sicher gern noch bei einem Getränk die eine oder andere Diskussion geführt. So aber leerte sich das Freibadgelände recht schnell.rah

Bad Gandersheim

Mit Sicherheit ins Solebad

Neue Blickwinkel entdecken

„Alle ziehen an einem Strang“