Landkreis rechtfertigt Auswahlverfahren

„Vielleicht nicht glücklich, aber korrekt gelaufen“ / Designierter „Living History“-Geschäftsführer stellt sich vor

Pressekonferenz zur Bestellung eines Geschäftsführers der in Gründung befindlichen Gesellschaft „Living History“ im Northeimer Kreistagssaal: (von links) Eberhard Bohnsack als Vertreter der Gemeinde Kalefeld, Uwe Seeger und Walter Müller, beide vom Landkreis Northeim, Bürgermeisterin Franziska Schwarz, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und Erster Kreisrat Jörg Richert.

Bad Gandersheim/Northeim. Vertreter der Gandersheimer CDU-Stadtratsfraktion hatten den Stein ins Rollen gebracht: Fraktionschef Timo Dröge hatte in der Februar-Ratssitzung Nachfragen bezüglich der Auswahl eines Geschäftsführers für die Dachmarke „Living History“ an die Bürgermeisterin gerichtet. Dabei ging es ihm (GK berichtete mehrfach) nicht nur um das Auswahlverfahren, aus dem bereits ein Kandidat als designierter Geschäftsführer hervorgegangen ist, sondern auch, welches Parteibuch der Auserwählte habe.

Antworten bekam Timo Dröge im Rat in der öffentlichen Sitzung so gut wie keine, und da die außerordentlich angesetzte Sitzung auch keinen nichtöffentlichen Teil hatte, konnten sie zur Personalangelegenheit (die grundsätzlich nichtöffentlich zu behandeln sind) an dem Tag auch nicht gegeben werden. Im Nachgang sorgte ein E-Mailwechsel zwischen Dröge, der Bürgermeisterin und dem Landkreis Northeim, wo Dröge um Akteneinsicht gebeten hatte, für weitere Details und Diskussionen.

Insgesamt war damit ein Vorgang aber so in die Öffentlichkeit gezerrt worden, dass der Landkreis Northeim als Herr des Verfahrens in Person der Landrätin Astrid Klinkert-Kittel es als erforderlich ansah, zu den Nachfragen wie darin enthaltenen Anwürfen, hier sei eine Parteientscheidung gefällt werden, öffentlich Stellung zu nehmen. Das geschah am Mittwochnachmittag im Kreishaus – unter regem Interesse aus den Medien. Auch eine ganze Reihe Kreistagsabgeordneter war zur Pressekonferenz erschienen – und sorgte später für mehr Stellungnahmen und Nachfragen als von Seiten der Medienvertreter kamen.

Die Landrätin war zusammen mit Vertretern der beiden an der Gesellschaft beteiligten Kommunen Bad Gandersheim und Kalefeld, ihrem Ersten Kreisrat und Justitiar Jörg Richert sowie zwei Vertretern aus dem Bereich des Personalwesens gekommen. Sie nahm zunächst Gelegenheit, die Grundlagen des Vorgangs und Verfahrens zu erläutern.

„Living History“ – so der bislang gebräuchliche Arbeitstitel für die Dachmarke – ist als Vermarktungsgesellschaft für drei bedeutsame Historienplätze im Laufe des vergangenen Jahres ins Leben gerufen worden. Das Gandersheimer „Portal zur Gesichte“, das Schlachtfeld am Harzhorn und die Tongrube Willershausen sollen durch die dafür zu gründende Gesellschaft künftig gemeinsam beworben und effizienter vermarktet werden. Zu den Aufgaben der Gesellschaft gehört auch, sie damit langfristig im Bestand und der Vorhaltung für die Öffentlichkeit zu sichern, wozu dem künftigen Geschäftsführer auch die Aufgabe zufällt, nach einer für die ersten Jahre aus Stiftungen sichergestellten Anschubfinanzierung dann später durch Eigenakquise von Mitteln auf eigenen Beinen stehen zu können.

Nach der grundlegenden Übereinkunft zwischen Landkreis Northeim, Stadt Bad Gandersheim und Gemeinde Kalefeld als Trägern und Beteiligten an den jeweiligen Geschichtsplätzen, eine solche Gesellschaft gründen zu wollen, wurden die entsprechenden Beschlüsse von Kreistag und Räten auf den Weg gebracht und gefasst. Parallel übernahm der Landkreis die Aufgabe, die rechtlichen Schritte und vorbereitenden Maßnahmen – wie eben auch die Suche nach einem Geschäftsführer – in die Wege zu leiten.

Das sei von Beginn an so kommuniziert und im Auftrag an den Landkreis auch vorgesehen gewesen, hier einen Personalvorschlag anbieten zu können, mit dem die Gesellschaft sofort als Geschäftsführer starten kann. Im umgekehrten Fall, so Erster Kreisrat Jörg Richert, hätte eine neu gegründete Gesellschaft zuerst einen Not-Geschäftsführer einstellen müssen, bevor dann der eigentliche Geschäftsführer gesucht und von der Gesellschafterversammlung gewählt hätte werden können. Diesen Schritt habe man durch das gewählte Verfahren eben genau vermeiden wollen, um nicht zusätzliche Kosten und Zeitverluste dadurch auf sich nehmen zu müssen.

Die Aufgabe, einen geeigneten Kandidaten zu finden wurde dem Personalreferat des Landkreises übertragen. Es bereitete eine Ausschreibung vor. Dabei, so der zuständige Vertreter des Personalbereiches, Uwe Seeger, sei alles immer in enger Abstimmung mit allen Beteiligten erfolgt.

Der Ausschreibungstext wurde nicht im Namen des Landkreises, sondern schon der Gesellschaft in Gründung veröffentlicht. Das Kreishaus diente aber als Bewerbungsstelle. Anforderungen der Ausschreibung waren unter anderem ein Studium in Betriebswirtschaftslehre, Verwaltungswissenschaften oder Vergleichbarem, weiter berufliche Praxis im Bereich Marketing und Erfahrung im Umgang mit Ehrenamtlichen neben anderen Vorgaben.

Fünf Wochen lang zwischen dem 16. November und 18. Dezember des letzten Jahres konnte man sich auf die in regionalen Tageszeitungen, dem Internet des Landkreises und der Arbeitsagentur sowie einer regionalen Jobbörse veröffentliche Ausschreibung bewerben. Was nach Seegers Ausführungen 18 BewerberInnen taten.

Für die Bewertung der Bewerbungen wurde ein Gremium eingesetzt. Diesen gehörten die beiden Bürgermeister Schwarz und Meyer an, weiter Walter Müller und Uwe Seeger aus den jeweiligen Referaten Personal und Finanzen beim Landkreis sowie eine stellvertretende Referatsleiterin Finanzen. Ihre Aufgabe sei zunächst gewesen, die „Spreu vom Weizen“ zu trennen, also einen verkleinerten Kreis von Kandidaten herauszufiltern, der den gesuchten Anforderungen entsprach. Das traf am Ende noch auf sieben Kandidaten zu, einer habe die weitere Teilnahme am Bewerbungsverfahren dann abgesagt, so dass zum Vorstellungsgespräch tatsächlich noch sechs Bewerber eingeladen wurden.

Diese Vorstellungsrunde wurde am 10. Januar abgehalten. In den Gesprächen ging es neben den Qualifikationen auch schon darum, mehr darüber zu erfahren was die Kandidaten über die jeweiligen Geschichtsprojekte wussten. Im Ergebnis sei klar geworden, dass vier der sechs Bewerber aus dem Rennen ausschieden und am Ende zwischen zwei qualifizierten die Entscheidung zu treffen war. Die sei angesichts eines von allen gesehenen Vorsprungs einstimmig dann auf Herrn Draber als Personalvorschlag gefallen.

Die Entscheidung über die Einstellung des von der Kommission empfohlenen Bewerbers Oliver Draber hat gleichwohl erst noch die Gesellschafterversammlung zu treffen, wenn es Mitte April dann hoffentlich wie derzeit geplant zur Gründung der Gesellschaft gekommen ist. Die formalen Schritte dazu sind erledigt und die Ampeln stehen auf Grün.

Draber selbst durfte sich in der Pressekonferenz ebenfalls kurz vorstellen. Der 47-Jährige aus Börßum ist verheiratet und hat zwei Kinder, zu seinen Hobbys gehört das Wandern. Tätig war er in der Vergangenheit unter anderem im Regionalmanagement, für einen SPD-Unterbezirk und die SPD Sachsen-Anhalt als Geschäftsführer sowie zuletzt in einer Unternehmensberatung.

Die Aufgabe reize ihn sehr, ließ er die Anwesenden wissen, zumal sie praktisch mit einem leeren Blatt beginne. Die gewünschten Anforderungen erfülle er und sehe in der Zusammenfassung der drei Geschichtsprojekte einen sehr klugen Ansatz zur erfolgreichen Vermarktung.

Dabei hätte man es belassen und dem baldigen Beginn der Arbeit entgegen sehen können. Doch vor allem die anwesenden Mitglieder aus der CDU-Kreistagsfraktion hatten noch das Bedürfnis, aus ihrer Sicht deutlich zu machen, dass sie das Auswahlverfahren mindestens als „unglücklich“ betrachten. Vor allem die beiden Bad Gandersheimer Rudolf Hermes und Timo Dröge bemängelten eine Intransparenz in dem Verfahren. Dies auch, obwohl Landrätin wie Erster Kreisrat bestätigt hatten, dass an der Korrektheit des Vorgehens keine Zweifel bestehen. Die Landrätin räumte aber ein, dass man bei einem ähnlichen Vorgang künftig vielleicht anders verfahren würde.

Die Forderung der CDU-Kreistagsmitglieder – aber auch ebenso des  Kreistagsmitglieds Lothar Baumelt – ging in Richtung einer größeren, breiter aufgestellten Auswahlkommission. Die designierten Vertreter der Gesellschafterversammlung, so der Wunsch, hätten hier schon eingebunden werden sollen. Dann wäre ein Gefühl, wie bei Hermes, der sich „übergangen“ sah, zu vermeiden gewesen. Timo Dröge rechtfertigte sein Nachhaken in der Sache damit, dass er im Rat und auch danach keine passenden Antworten erhalten habe. Der Landkreis hat ihm inzwischen Akteneinsicht genehmigt.

Eine Brücke baute schließlich Christel Eppenstein. Es sei vielleicht nicht alles ganz glücklich gelaufen im Vorfeld, aber sie sei nach der persönlichen Vorstellung vom designierten Geschäftsführer sehr angetan gewesen. Das habe hohe Kompetenz und großes Engagement gehabt, sie wünsche sich deshalb, dass es nun zügig vorangehe und man so schnell wie möglich loslegen könne.

Die Anwürfe bezüglich Drabers Tätigkeit und Empfehlungen seitens der SPD waren in Northeim nur noch Randthema. Und sorgen hoffentlich auch nicht für nachhaltigen Schaden. Der designierte Geschäftsführer mindestens bekannte auf Nachfrage, dass ihm die „Begleitmusik“ bis jetzt keineswegs die Freude auf die Aufgabe vergällt habe.rah

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