Mund-Nasen-Schutz-Maske für Jahrzehnte über den Dächern von Gehrenrode

Neubefüllung der Kirchturmkugel / Originale aus der Kugel demnächst in der Kirche ausgestellt

Hier sind ein paar Objekte zu sehen, die in die Kugel gelegt werden.

Gehrenrode. „Was würde uns fehlen, wenn es unsere Kirche nicht gebe?“, beginnt die Pröpstin Elfriede Knotte ihre Rede. „Unsere Mitte“, antwortet jemand aus der Kirchengemeinschaft Gehrenrode. Anlass der Versammlung vor der Kirche in Gehrenrode ist die Befüllung einer Dokumentenrolle. Diese wurde im Verlauf des Donnerstags zurück in die Kirchturmkugel gelegt, damit diese anschließend wieder auf den Kirchturm gesetzt werden konnte.

Bauleiter Eberhard Tiemann erklärt, dass diese Kugeln eine besondere Bedeutung für die Kirche haben, da diese Informationen über die Kirche damals und die damalige Zeit liefern. Nur wenige Kirchen hätten keine solche Kugel, sagt Tiemann. Zudem sei der Kirchturm in Gehrenrode eine Besonderheit, betont er. Neben der großen Kugel sind hier noch vier kleine Kugeln zu finden, die um die Große herum auf sogenannten „Kaiserstielen“ befestigt sind.

Als die vergoldete Kugel heruntergenommen wurde, stellte man schnell zwei Einschusslöcher fest. Tiemann erklärt, dass Jäger oder andere Personen gerne auf die Kirchturmkugeln schießen, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Dabei können jedoch die darin enthaltenen Dokumente beschädigt werden. Beim Öffnen stellte man glücklicher Weise fest, dass der Inhalt unbeschädigt war. Zu dem Inhalt gehörte unter anderem ein mit Tinte beschriebenes Tuch, Münzen aus dem 19. Jahrhundert und einige weitere Dokumente. Die Schrift der einzelnen Dokumente war teilweise unleserlich und musste zuerst entziffert und transkribiert werden, wie Knotte berichtet. Die Originale werden demnächst in der Kirche ausgestellt sein, zusammen mit den Transkriptionen.

Um die Kugel wieder mit neuen Dingen und Dokumenten der Kirche und der jetzigen Zeit zu füllen, hat sich die Gemeinde einiges überlegt. Passend zu den alten Münzen, die wieder hineingelegt wurden, wurden auch neue Münzen der Sammlung hinzugefügt. Auch der Kirchenbote fand seinen Platz in der Rolle. In diesem werde auch das derzeitige Thema COVID-19 aufgegriffen. So könne unsere derzeitige Lage gut widergespiegelt werden, sagt Knotte. Passend dazu durfte natürlich auch ein Mund-Nasen-Schutz nicht fehlen. Abschließend wurde der Dokumentenrolle noch eine Ausgabe des Gandersheimer Kreisblatts vom 24. September hinzugefügt. So können die zukünftigen Öffner der Kugel genau nachempfinden, wann die Kugel zuletzt neu befüllt wurde und was an diesem Tag oder zu der Zeit aktuell war.

Anschließend wurde die Dokumentenrolle von Bauleiter Tiemann und Metallrestaurator Dirk Zeyher wieder luftdicht verschlossen, damit die Dokumente bestmöglich erhalten bleiben. Die Kugel solle nämlich für mindestens 50 Jahre verschlossen bleiben. Zusätzlich zu der Dokumentenrolle kommen noch weitere Fundstücke aus der Kugel dazu: Bleche in die der Kirchenvorstand und die Dachdecker ihre Namen reingestanzt haben. Diese können außerhalb der Dokumentenrolle in der Kugel platziert werden, da diese über die Zeit keine Schäden durch Verwitterung tragen.

Im Laufe des Tages wurde die ungefähr zehn Kilogramm schwere, vergoldete Kugel wieder auf dem Kirchturm angebracht. Das Gerüst um den Kirchturm werde im Laufe der nächsten Woche abgebaut werden, so Tiemann. Zum Abschluss sprach die Gemeinde das Vaterunser.rh

Bad Gandersheim

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