Nasses Element soll draußen bleiben

Mit erweiterter Mauer und zusätzlichen Fenstern will Turner-Musik-Akademie den Hochwasserschutz verbessern

Die Mauer auf der Rückseite des hinteren Gebäudes der Turner-Musik-Akademie in Bad Gandersheim soll wachsen und weitergezogen werden. Leiter Peter Sikkema deutet an, wo die Mauer aufgestockt wird.

Bad Gandersheim. Nachdem vor rund einem halben Jahr innerhalb weniger Tage zweimal große Wassermassen durch Altgandersheim geflossen sind, waren die Folgen für die Turner-Musik-Akademie (TMA) besonders gravierend. Mit rund 150.000 Euro beziffert Leiter Peter Sikkema den Schaden. Verschiedene Baumaßnahmen sollen dazu beitragen, dass der nächste Starkregen weniger oder am besten keine Spuren in und an dem Gebäude sowie dessen technischer Ausstattung hinterlässt. Der Einbau zusätzlicher Fenster und die Erweiterung der Mauer im hinteren Bereich dienen dem Hochwasserschutz, das Heizungssystem wird komplett erneuert.

Wasser und Schlamm waren nach den extremen Regenfällen in die Kellerräume geströmt und hatten für einen Totalschaden an der Heizung gesorgt und das System der Warmwasserversorgung unbrauchbar gemacht. Auch Möbel und Bodenbeläge wurden zerstört. Zimmer, die zur Unterbringung von Lehrgangsteilnehmern dienten, konnten nicht benutzt werden ebenso ein Gemeinschaftsraum und mehrere Diensträume wie die Wäscherei. Ein Aktenarchiv wurde vernichtet. „Zum Entschlammen waren sogar Freiwillige aus Aachen hier. Die haben es sich nicht nehmen lassen, ein ganzes Wochenende herzukommen und zu helfen“, berichtet Sikkema. „Beim Großalarm wegen der zweiten Welle mussten wir sehen, dass wir die Leute so schnell wie möglich aus dem Keller rausbekommen und die Autos in Sicherheit bringen, die auf dem Parkplatz standen“, erinnert er an dramatische Momente während des Helferbesuchs. 

Drei Einsätze zum Entrümpeln und Entwässern habe es von Freiwilligen gegeben. Die Arbeiten seien dann „mit allem, was wir an Personal hier haben“ fortgesetzt worden. Parallel habe eine Fachfirma damit begonnen, die Elektrik in einen funktionsfähigen Zustand zu versetzen.
Nach rund zweieinhalb Wochen habe die Warmwasserversorgung im vorderen Bereich wieder funktioniert. „Wir konnten dort Teile der Solarthermie retten, darum ging es ziemlich schnell“, verdeutlicht der 56-Jährige. Allerdings müssten Warmwasserpuffer erneuert werden, weil sich die Isolierungen mit Wasser vollgesetzt haben.

Noch schlimmer traf es den hinteren Bereich. Die Öl-Zentralheizung läuft erst seit Mitte Oktober wieder, nachdem ein neuer Brenner vorgesetzt wurde. „Die Brennkammer konnten wir wieder reinigen“, berichtet der Leiter der jährlich von rund 3.000 Besuchern aus dem gesamten Bundesgebiet angesteuerten Einrichtung. Zu den noch anstehenden Aufgaben zähle unter anderem das Säubern und Desinfizieren der Lüftungsrohre. Ein großes Problem sei, dass Leitungen korrodieren. Dies betreffe insbesondere auch die Leitungen, die unter dem Gebäude in den vorderen Teil führen.

„Wegen des Schadens müssen wir das komplette Heizungssystem neu machen“, erklärt Sikkema, der davon ausgeht, „dass wir diesen Winter noch überbrücken können“. Die Leitungen dürften nach seiner Einschätzung nach bis Mitte nächsten Jahres durchhalten.

Die neue Lösung soll für jeden Gebäudeteil aus einer Kombinationsmöglichkeit von Solar, Fotovoltaik und Gas bestehen. „Wir müssen die Avacon noch überzeugen, dass sie eine Gasleitung legt“, betont der Leiter und ergänzt: „Da fehlen ungefähr 200 Meter.“ Mit dem Landkreis Northeim gebe es Informationsgespräche über eine mögliche EU-Förderung für die Umstellung von Öl auf Gas.

Der Heizungsbereich werde bereits durch ein „U-Boot-System“ gesichert. Das heißt: Auch wenn der Keller voll läuft, kann das nasse Element nach Sikkemas Worten nicht mehr dort eindringen. Um dies möglich zu machen, wurde vor die Metalltür eine Tür aus einer speziellen Holzart gebaut, die Wasserdruck standhalten kann.

Eingedrungen war das Wasser nach den Starkregenfällen in diesem Jahr über die Anlage, die Frischluft für die Lüftungsanlage und die Heizung anzieht, außerdem wurden Fenster eingedrückt. Damit dies nicht wieder vorkommt, sollen von der Außenseite vor die Fenster jeweils ein weiteres aus Sicherheitsglas platziert werden, die sich von innen nach außen öffnen lassen. Eine Art Holztor vor einem Treppengang soll den Keller ebenfalls vor dem Eindringen von Wasser schützen. Damit die hinteren Kellerfenster, die in einer Senke liegen, geschützt bleiben, wird eine Mauer erhöht und weitergezogen. „Damit können wir einen halben Meter Wasser auf dem Gelände verkraften, bevor es in die Gande fließt“, betont Sikkema.

Um Probleme beim Abfluss eines Hochwassers zu verhindern, wäre es aus seiner Sicht auch angebracht, in der Gande Müll und anderen Dinge zu entfernen, die zu einem Anstauen von Wasser führen könnten. Als Schutzmaßnahme für das vordere Gebäude seien bereits die Lichtschächte abgedichtet worden. Ein zentraler Baustein der Vorsorgemaßnahmen ist nach Sikkemas Worten das Umlegen des Luhbachs. Es müsse möglich sein, dass dieser Bach in die Gande abfließen kann, „ohne dass das ganze Gelände unter Wasser steht“. Das Rohr, durch das dieses Gewässer unter dem TMA-Gebäude fließe, habe nur „einen gewissen Durchmesser“. Nach Starkregenfällen wie in diesem Jahr staue sich das Wasser, laufe zurück ins Dorf und löse die Überflutungen aus.

„Das ist das große Problem", so Sikkema. „Es wäre eine Katastrophe, wenn so etwas bei der Landesgartenschau passieren würde", sagt er und mahnt damit ein schnelles Handeln aller Beteiligten an. Ob und wie die TMA in das Konzept der Landesgartenschau integriert werden könne, stehe bislang noch nicht fest. Sie könne eine Dienstleisterrolle für die Stadt Bad Gandersheim spielen, benennt Sikkema eine Möglichkeit. Für die Stadt sei es seiner Einschätzung nach wichtig, dass die TMA in das Konzept integriert werde.

Da es für das Areal keine Elementarschutzversicherung gebe, seien Spenden umso willkommener, um die durch die Hochwasserschäden notwendig gewordenen Arbeiten und Investitionen finanziell stemmen zu können. „Jede noch so kleine Spende hilft", erklärt Sikkema. Er freut sich über die große Bereitschaft von Institutionen und Einzelpersonen, die Einrichtung zu unterstützen. Bislang seien so rund 25000 Euro zusammengekommen.  Gespendet werden könne auf das Spendenkonto des Turner-Musik-Akademie e.V. bei der Volksbank eG Seesen, IBAN DE 05 2789 3760 0005 6243 01.

Dies sollte mit Angabe von Name, Vorname und Anschrift für die Zuwendungsbestätigung erfolgen, bittet die TMA.aa

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