Neue Akzente sollen Bewährtes ergänzen

Andrej Naumovich spricht im GK-Interview über Beginn seiner Arbeit als Stiftskirchenkantor in Bad Gandersheim

Seit Anfang März ist Andrej Naumovich neuer Kantor der Stiftskirchengemeinde.

In der Bad Gandersheimer Stiftskirchengemeinde hat eine neue Ära begonnen: Andrej Naumovich, Nachfolger von Martin Heubach als Kantor, will das bewährte kirchenmusikalische Programm erweitern. Der 30-Jährige spricht im GK-Interview über seinen Werdegang, seine bisher in der Roswithastadt gesammelten Eindrücke und seine Pläne.

Bad Gandersheim. Zu den ersten wichtigen Aufgaben seit seinem Amtsantritt zählt es für Naumovich zum einen, herauszufinden, wer für welche anliegenden Fragen und Themen die richtigen Ansprechpartner sind und zum anderen in Gesprächen herauszuhören, „was kirchenmusikalisch realistisch ist und was zur Zeit noch nicht umsetzbare Visionen sind“.

Mit seiner Arbeit will Naumovich neue Akzente setzen. Als Ergänzung zum bisherigen traditionellen Programm möchte er „mehr in Richtung beschwingte Kirchenmusik gehen“. Ein Beispiel sei „Sacred concert" des weltberühmten Jazzmusikers Duke Ellington. Falls Interesse bestehe, kann sich der neue Kantor auch vorstellen, Gospelgesang in das Repertoire aufzunehmen. „Ich bin ausgebildet in allen Schienen und möchte Menschen mit unterschiedlichen musikalischen Interessen ansprechen“, betont Naumovich in diesem Zusammenhang. Ausloten möchte er, welche Kooperationsmöglichkeiten es zwischen Kirche und Domfestspielen bei „szenischen Darstellungen“ gibt. So ließen sich zum Beispiel große Passionen von Bach in Theaterform präsentieren.

„Einerseits Kirchenmusik, die speziell ist, aber gleichzeitig auch Weltliches auf so engem Raum, wo gibt es das sonst“, schwärmt Naumovich, der im Alter von zwölf Jahren mit Familie aus seinem Geburtsort St. Petersburg nach Sachsen zog und dessen Leidenschaft zunächst dem Geigenspiel galt. Das Interesse für Musik wurde ihm in die Wiege gelegt: Vater und Mutter waren Musikwissenschaftler und -pädagogen.

Erste Station war Glauchau, wo die Familie intensiv Deutsch gelernt hat. In der Kirche der sächsischen Stadt war er „sehr fasziniert“ vom Klang der dortigen Orgel, die bei ihm die Begeisterung für das Spiel eines solchen Instrumentes weckte.

2002 zog die Familie nach Dresden, „weil es eine große kulturelle und musikalisch gesehen eine interessante Landschaft ist“. Er besuchte zusammen mit seinem älteren Bruder das Musikgymnasium, an dem er 2009 sein Abitur ablegte. „Ich konnte schon ganz gut Orgel spielen, konnte aber nicht so gut dirigieren, wollte aber Dirigent werden“, erzählt der neue Stiftskirchenkantor rückblickend.

Die Wahl, die er aus diesen Wunsch zog, fiel auf die Stadt der Kirchenmusik: Lübeck, in der er seinen Bachelor und seinen Master in Kirchenmusik machte. Zwischenzeitlich nahm er sich ein Jahr Auszeit, um sich in Lausanne ganz auf das Thema Orgel zu konzentrieren und die französische Orgelmusik kennen zu lernen, die besondere Instrumente und Räume erfordere. Die aus dem westlichen Nachbarland stammende Mühleisen-Orgel in der Bad Gandersheimer Stiftskirche, die auf ihn „anziehend und inspirierend“ wirke, sei dafür prädestiniert, die französische Kirchenmusik darzustellen, lässt Naumovich in diesem Zusammenhang einfließen.

Nach der Studienzeit arbeitete er zwei Jahre als freiberuflicher Chorleiter und Dirigent in Lübeck sowie anderen norddeutschen Städten und Orten. Seit 2018 fährt Naumovich ein- oder zweimal wöchentlich nach Weimar, um die dortige Musikhochschule für ein weiterbildendes Studium in Chorleitung zu besuchen. „Da ich mich während des Studiums mit der Kirche auseinandergesetzt und daran Gefallen gefunden habe und zugleich die geistige Musik sehr zu schätzen gelernt habe, wollte ich jetzt weniger Dirigent, sondern mehr Chorleiter werden“, sagt Naumovich und ergänzt:

„Durch die Musik kann man auch zum Glauben finden“, meint der Kirchenmusiker, der zwei ältere Geschwister hat und sich in Bad Gandersheim wohl fühlt. Hier sei die Landschaft deutlich „lieblicher und ausgewogener“ als an der Ostsee. „Es wäre schön, wenn es noch ein bisschen mehr Schnee gäbe“, erklärt Naumovich, der gerne Ski fährt und als Hobby an Computern rumwerkelt.

„Wenn das Gehirn leer ist, dann mag ich auch ganz gern Schlager“, erklärt der Kirchenmusiker. In Bad Gandersheim ist er nicht nur in den Räumen der Kirchengemeinde häufig zu sehen. In der Mittagspause besucht er oft ein Geschäft in der Moritzstraße, weil es dort einen „unglaublich guten Mittagstisch“ gibt. Begeistert ist Naumovich vom Kloster Brunshausen/Clus.

Er freut sich sehr auf neue Sängerinnen und Sänger in der Bad Gandersheimer Kantorei. Gemeinsam könnten in der jetzigen Umbruchsphase neue musikalische Wege ausgelotet werden.

Die Kantorei probt dienstags um 19.30 Uhr im Forum des Roswitha-Gymnasiums, nächster Probentermin ist am 30. April Ein Klangeindruck kann im Ostermontagsgottesdienst um 10 Uhr gewonnen werden.art

Bad Gandersheim

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