Perspektiven für den Busverkehr

Studierende analysierten Angebote im Raum Bad Gandersheim und entwickelten Vorschläge

Der Domänenhof gehört zu den Stationen im Konzept für den angedachten Shuttle- und Ringbusverkehr in Bad Gandersheim.

Bad Gandersheim. Für Bad Gandersheim sollte ein langfristiges ÖPNV-Konzept entwickelt werden, in dem Ringbusse und Bürgerbusse eine zentrale Rolle spielen. Zu diesem Ergebnis sind Studierende der Ostfalia Hochschule Salzgitter gelangt. Sie haben sich über sechs Wochen mit Verkehrsmanagementfragen am Beispiel Bad Gandersheim befasst. Dem Thema „Busverkehr in Bad Gandersheim  – Kernstadt und Umland“ widmeten sich Jannes Liedke, Florian Rehmstedt und Fabian Wagner. Sie sorgten mit ihrer Präsentation im Rathaussaal für viele Anregungen.

Außer Ringbussen und Bürgerbussen schlugen die Studenten einen für die Besucher kostenlosen Shuttle zur Landesgartenschau vor. Sie analysierten als ersten Schritt bestehende Busverkehre. Es existierte „kein regionales Verkehrsunternehmen innerhalb von Bad Gandersheim“. Vielmehr gebe es lediglich überregionale Überlandbusverkehre. Dadurch entstehe gezwungener Maßen ein „Wildwuchs“ hinsichtlich der Fahrplantaktung sowie der Tarifsituation.
Aufgefallen ist den Studierenden, dass es eine erkennbare Taktverdichtung im Rahmen der Schülerverkehre und spezielle Tourismusbusse als Anbieter von Tourismussonderverkehren gebe. Die Haltestellen seien relativ gleichmäßig in der Stad verteilt, einzig westlich des Bahnhofs existiere eine größere Lücke.

Die geplante Wendemöglichkeit für Busse am Bahnhof ermögliche Perspektiven für die Anbindung von Regionalbuslinien. Der angedachte Shuttlebusverkehr zur Landesgartenschau soll nach den Vorstellungen von Liedke, Rehmstedt, und Wagner an die Fahrzeiten der Regionalbahn 82 in beide Richtungen getaktet werden. „Dies dient als Grundlage für den Eventfahrplan, da hiermit der Anreiseweg im Umweltverbund gestärkt werden soll“, so die Studentengruppe.
Der vom Bahnhof ausgehende Busshuttle steuert nach dem vorgelegten Entwurf drei Haltestellen am LaGa-Gelände an sowie einen zentralen Punkt in der Innenstadt: den Domänenhof. Die vorgesehene Haltezeit betrage je Haltestelle zwei Minuten zum Ein- und Ausstieg.

Der vorgeschlagene Shuttle soll in das Landesgartenschau-Ticket integriert werden, das heißt: Der Shuttle wird für Besucher kostenlos sein. Dies trage in erheblichem Maße zur Benutzerfreundlichkeit bei und könne eine Grundauslastung der Busse sicherstellen.

Für eine Umwandlung des Busshuttles in eine Ringlinie, die laut dem Konzept genau wie der Shuttle mit Kleinbussen angeboten werden soll und bei Bedarf in beide Richtungen verkehren kann, seien in der Zeit nach der Landesgartenschau zusätzliche Haltestellen im direkten Stadtbereich notwendig, die Haltestelle Landschaftspark könne entfallen.

„Die Attraktivität für den ÖPNV in der Stadt Bad Gandersheim kann langfristig gesteigert werden“, so eine Kernaussage der Studierenden. Nach der Umwandlung des Busshuttles in eine Ringlinie ist sowohl die Nutzung von bestehenden Haltestellen möglich wie die Nutzung von neuen Haltestellen. Exemplarisch nannten die Studierenden das Roswitha-Gymnasium und die Neue Straße mit den Standorten von Aldi und Rossmann.

Die Studierenden kamen auch auf den Ecobus zu sprechen, ein Pilotprojekt des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation aus Göttingen in Zusammenarbeit mit dem Regionalverband Großraum Braunschweig und dem Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen. Dabei handelt es sich um ein bedarfsgesteuertes Konzept mit Kleinbussen, „das Tür-zu-Tür-Bedienungen anbietet und dabei Fahrtwünsche intelligent verknüpft“, wie die Studierenden deutlich machten. Die Fahrten ließen sich über eine App buchen, aber auch eine telefonische Bestellung wäre möglich.

„Das Projekt war in Bad Gandersheim ein großer Erfolg und hat eine große Nachfrage hervorgerufen“, so Liedke, Rehmstedt und Wagner. Dies zeige, dass vor Ort grundsätzlich ein Potenzial für eine verbesserte ÖPNV-Bedienung vorhanden sei. Sicherlich weiche das Konzept des EcoBus in einigen Punkten vom herkömmlichen öffentlichen Personennahverkehr ab, dennoch könnten die gemachten Erfahrungen bei der Konzeption eines neuen Angebots genutzt werden.

Vorbildfunktion für die anderen Stadtteile von Bad Gandersheim könne ein zuerst in Heckenbeck realisiertes Konzept haben, lautet eine Empfehlung der Studierenden. Bürgerbusse würden häufig von Bürgerbusvereinen getragen, in denen sich Bürger ehrenamtlich engagieren. Ein solches Konzept erscheine vor allem dort durchführbar, wo eine engagierte Zivilgesellschaft vorhanden sei.

Angeboten werden könnten, so die Idee der Studierenden, Fahrten nach Bad Gandersheim sowie nach Kreiensen. Denkbar seien Fahrten im Zwei- oder Drei-Stunden-Takt außerhalb der Schülerbeförderungszeiten. Als weitere Ortsteile im Fahrplan könnten zum Beispiel Clus und Dankelsheim angefahren werden. Diese würden nur drei Mal am Tag vom ÖPNV bedient werden, benannte die Gruppe den Grund für diese Wahl. Die Bürgerbusse sollen nach einem festen Fahrplan und an festgelegten Haltestellen verkehren. Ein barrierefreier Einstieg werde vorausgesetzt und eine Konkurrenzsituation zum bestehenden ÖPNV sollte vermieden werden.

Bei der Finanzierung sei eine Förderung durch die Landesnahverkehrsgesellschaft möglich. Die Förderquote für die Beschaffung von Bürgerbussen liege bei bis zu 75 Prozent. Die Angebotsplanung könne durch Aufgabenträger oder in Zusammenarbeit mit einem Verkehrsunternehmen erfolgen.

Außer dem Aspekt der Fahrplangestaltung befassten sich die Studierenden auch mit dem Aspekt einer verbesserten Öffentlichkeitsarbeit für die bestehenden Angebote. Dazu gehöre die Einrichtung eines ÖPNV-„Reiters“ auf der Homepage der Stadt Bad Gandersheim für allgemeine Information beispielsweise zu den den Fahrpreisen.

Ein weiterer Aspekt ist die Schaffung von transparenten Fahrgastinformationen mit Hilfe des Austauschs und Kooperation mit den entsprechend verantwortlichen Verkehrsunternehmen. Außerdem brachten die Gruppe von der Ostfalia Hochschule die Entwicklung einer Applikation für das Smartphone für mobile Informationen der Touristen und Bürger ins Gespräch.art

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