„Portal“: Elfriede Knotte neue Vorsitzende

„Eiskalte“ Hauptversammlung auf ungeheizter Empore / Nächste Schritte für Zukunftssicherung

Der Ausstellungsbereich in der Stiftskirche soll in diesem Jahr umgestaltet werden, nachdem es zu Problemen mit dem Klima und negativen Auswirkungen auf Reliquien kam.

Bad Gandersheim. Wenn man die Umstände der jüngsten Jahreshauptversammlung des Portals zur Geschichte auf der Empore der Klosterkirche Brunshausen betrachtet, wäre dies mit Sicherheit kein gutes Zeichen für den Zustand des Portals gewesen. Die Teilnehmer der Hauptversammlung harrten eine gute Stunde in einer praktisch ungeheizten Kirche bei Temperaturen von unter 15 Grad Celsius aus.

Die Begrüßung musste die stellvertretende Vorsitzende Franziska Schwarz vornehmen, da der langjährige Vorsitzende Hans-Joachim Röwer bekanntlich im vergangenen Sommer verstorben war. Nicht teilnehmen konnten an der Versammlung auch Museumsleiterin Julia Maria Hartgen und Schatzmeisterin Sixta Brethauer, die aus Krankheitsgründen verhindert waren.

In Vertretung des verstorbenen Vorsitzenden berichtete Franziska Schwarz von einem ereignisreichen Jahr 2017. Unter anderem hatte das Portal zur Geschichte eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, die im August 2016 beschlossen worden war. Ziel war, eine nachhaltige Perspektive zu entwickeln, die eine inhaltliche Weiterentwicklung des Museumsbetriebes unter anderem um das Thema Harzhorn zum Ziel hatte. Die Studie sollte realistische Prognosen für Besucherzahlen und Kosten einer solchen Erweiterung liefern. Sie wurde im vergangenen Jahr vorgelegt.

Unter anderem schlägt sie vor, die derzeit als Wohnfläche genutzten 120 Quadratmeter des Sommerschlosses Brunshausen für Werksausstellungen dem Portal zuzuschlagen. Dieses mache zudem einen geschlossenen Rundgang durch eine Ausstellung möglich. Die Studie geht davon aus, dass unter Hinzunahme des Themas Harzhorn und der Tongrube Willershausen eine realistische Steigerung an Besuchern um 30 Prozent (also 3.000 bis 4.000 pro Jahr) möglich sein sollte. Die Erweiterung um diese Themen sollte zudem dazu beitragen, Brunshausen bedeutsamer zu machen und die geforderte Weiterentwicklung voranzutreiben.

Ein weiteres großes Ziel des vergangenen Jahres war die Sicherung einer stabilen Trägerschaft. Angedacht ist, eine gemeinnützige GmbH mit der Stadt Bad Gandersheim, der Gemeinde Kalefeld und dem Landkreis Northeim zu begründen. Mitglieder sollen auch die einzelnen Träger-Vereine als Kooperationspartner werden. Dieses habe, so Franziska Schwarz, auch den Vorteil eines gemeinsamen Marketings.

Mit dem Tode von Hans-Joachim Röwer endete im vergangenen Jahr auch die langjährige Unterstützung durch die Kreissparkasse Northeim. Durch Verhandlungen mit der Denkmalstiftung des Landkreises Northeim ist es aber gelungen, für 2018 einen Ersatzzuschuss von 50.000 Euro zugesichert zu bekommen. Zudem hat die Denkmalstiftung weitere Zuschüsse für die Jahre 2019 und 2020 in Aussicht gestellt, soweit das Portal nachweisen kann, die geforderte Weiterentwicklung auch vollzogen zu haben. Zuschüsse darf das Portal auch von der Landeskirche Braunschweig und der evangelischen Stiftskirchengemeinde erwarten.

Franziska Schwarz gab auch einen ersten Einblick in die nächsten Schritte. Zunächst gehe es darum die Finanzierung des Umbaus der hinzukommenden Wohnfläche sicherzustellen. Die derzeitigen Bewohner haben noch bis Oktober Wohnrecht. Erst danach könnte mit Bauarbeiten begonnen werden.

Ein Antrag auf Förderung einer Summe von 355.000 Euro ist bereits an die Leaderregion gestellt worden. Eine erste Ausstellung in den neuen Räumen sei damit frühestens für 2020 zu erwarten. Thematisch und zeitlich gebe es dazu noch keine Planungen. Ins Auge gefasst sind aber neben dem Harzhorn und der Tongrube Willershausen auch die NS Geschichte Brunshausen als Themen. Und im Jahre 2022 sicherlich auch ein Bezug zur Landesgartenschau.
Für das Museum übernahm Mitarbeiterin Julia Fuhrmann den Bericht. So konnte sie von den mehrfachen Beiträgen des Portals zum Programm im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation berichten. Außerdem nahm das Portal an mehreren Stellen am Internationalen Museumstag im Mai teil, diesmal auch mit dem Thema der NS-Vergangenheit Brunshausens. Im Juli hatte der Harzer Kloster-Sonntag auch in Brunshausen stattgefunden. Im September begeisterte die Veranstaltung „Kloster à la carte“. Vorher noch gab es im August einen trotz des schlechten Wetters recht gut besuchten Textilkunstmarkt.
Die Domfestspiele haben Brunshausen zudem wieder als Spielort entdeckt und auf der Empore des Museums mit einem Studiostück einen großen Erfolg erzielt. Und zu guter Letzt beteiligte sich das Portal auch am Programm des frauenOrts.

Das soll, so konnte Fuhrmann auf das Jahr 2018 vorausblickend, sich auch in diesem Jahr in vielen Programmpunkten wieder niederschlagen. So beteiligt sich das PzG an den Jubiläumsaktivitäten zu fünf Jahren frauenOrt, am 13. Mai am Internationalen Museumstag und am 1. Juli am Harzer Kloster Sonntag zum Thema „Erde“. Der nächste Textilkunstmarkt findet am 18. und 19. August statt. Im Sommer werden die Domfestspiele wieder im Museum zu Gast sein und diesmal mit zwei Studiostücken das Thema Fußball im Europameisterschaftsjahr aufgreifen.

Das Harzhorn kann in diesem Jahr auf zehn Jahre Bestehen zurückblicken. Aus diesem Grunde wird am 17. Juli eine Fahrradtour die drei authentischen Orte Willershausen, Harzhorn und Brunshausen miteinander verbinden. Am 24. Juli ist außerdem ein Vortrag vorgesehen.

Beteiligen wird sich das Portal zur Geschichte außerdem an der Ausstellung „Talar und Lippenstift“, die vom 1. Juli bis 30. September zu sehen sein wird und das Jubiläum 50 Jahre Ordination von Pastorinnen in der Landeskirche Braunschweig zum Inhalt hat.

Ebenfalls in diesem Jahr wird es eine Überarbeitung des Ausstellungsbereiches in der Stiftskirche Bad Gandersheim geben. Dort hatten sich im vergangenen Jahr Probleme bei einigen Ausstellungsstücken mit dem Klima ergeben, einige der Reliquien mussten aus den Vitrinen entfernt und vorsorglich konserviert werden.

Die Stiftskirchengemeinde selbst hat in der Zwischenzeit ein Klimagutachten in Auftrag gegeben und will damit ihrerseits für mehr Sicherung der Kunstschätze sorgen. Die Überarbeitung des Ausstellungsbereiches des Portals wird zudem von der Kirche mit 15.000 Euro unterstützt. Thematisch soll dabei auch das Werk von Roswitha stärkere Berücksichtigung finden.

Eine Besonderheit des Portals zur Geschichte ist bei den Finanzen, dass der Kassenbericht immer nur für das vorletzte Jahr gegeben werden kann. In Vertretung der erkrankten Sixta Brethauer übernahm auch diesen Part die stellvertretende Vorsitzende Franziska Schwarz. Sie konnte bilanzieren, dass im Jahr 2016 unter dem Strich ein Gewinn von etwa 7.000 Euro übrig geblieben war. Größter Einnahmeposten waren die Zuschüsse und Spenden mit allein über 100.000 Euro bei Gesamteinnahmen von 172.000 Euro. Auf der Ausgabenseite waren die Personalkosten größter Block, dahinter ein zweiter Stelle die Kosten für die Harzhornausstellung und an dritter Stelle der Textilkunstmarkt. Die Tätigkeit der Schatzmeisterin wird durch ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen geprüft und konnte damit entsprechend entlastet werden.

Nach dem Ausscheiden Hans-Joachim Röwers aus dem Vorstand musste in diesem Jahr die Position des ersten Vorsitzenden neu besetzt werden. Die stellvertretende Vorsitzende Franziska Schwarz führte vor der Wahl aus, dass man in Gesprächen nach einem Amtsnachfolger gesucht habe und dabei auch eine Kandidatin gefunden hat. Sie schlug Elfriede Knotte zur neuen Vorsitzenden vor. Ohne Gegenkandidat erhielt diese die einstimmige Zustimmung der Versammlung. Knotte hatte zuvor betont, sich zur Wahl gestellt zu haben, weil sie ein vitales Interesse an der Weiterentwicklung des Portals zur Geschichte habe. Dafür wolle sie sich gern einsetzen.rah

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