Sanierungsstau im Polizeikommissariat

Erweiterungsmöglichkeiten in Dienststelle an der Stiftsfreiheit teuer und begrenzt / Umzug als Option in der Diskussion

In einem Raum auf dem unausgebauten Dachboden wird unter anderem die Ausrüstung für besondere Einsätze gelagert.

Bad Gandersheim. Die Frage des Fortbestandes des Polizeikommissariates (PK) Bad Gandersheim steht aktuell wie mittelfristig nicht zur Debatte: „Wir haben eine Bestandszusage, woran sich auch frühestens in einigen Jahren wieder etwas ändern könnte“, macht der derzeitige Leiter des PK, Polizeihauptkommissar Ralf Büsselmann deutlich. Vor diesem Hintergrund ist dann andererseits die Frage erlaubt, wann mit Sanierungs- und Ausbauarbeiten gerechnet werden darf, die das Gebäude und die Dienststelle in einen Zustand versetzen würden, wie ihn andere Reviere längst haben.

Die letzten größeren Umbaumaßnahmen liegen Jahrzehnte zurück. Auch sie haben dem Gebäude vieles vom Charme seiner vorherigen Nutzung gelassen: Hier war einst die höhere Töchterschule zuhause. Die getäfelten Holzverkleidungen in Räumen wie dem für viele Menschen ausgelegten breiten Treppenhaus geben davon Zeugnis ab. Zum Zeitpunkt dieser Umbauten war das Dienstgebäude noch die Wache der Polizei, während die Kriminalpolizei ihre Räume im alten Landkreisgebäude neben der Abtei hatte.

Mit der Zusammenlegung im selben Gebäude an der Stiftsfreiheit begannen die Probleme: Die nämlich, so erläutert Büsselmann, fand statt, bevor man sich überhaupt einen Überblick über die notwendigen Raumkapazitäten gemacht hatte. Flugs mussten dann aus den ursprünglich größeren durch Wandeinbauten mehrere kleinere Büros geschaffen werden und bis heute platzt das Haus in seiner Nutzung im Grunde aus allen Nähten.

Beim Bedarf für den allgemeinen Dienst blieb für Vieles, was aber ebenso dazu gehört, kaum Platz. Umkleideräume zum Beispiel. Deren Unterbringung musste notdürftig geregelt werden und die weiblichen Beamten sich zeitweilig sogar in einem Büro umziehen, dessen männlicher Nutzer dann solange den Raum verlassen musste. Zustände, die in kaum einer Firma geduldet würden, aber hier eben erst dann anders zu lösen waren, als mindestens ein weiterer Raum nun auch als Damenumkleide Nutzung bekam.

Von all dem bekommen normale Besucher der Dienststelle in der Regel nicht viel mit, denn sie gelangen in den allermeisten Fällen nur in den Bereich der Wache. Die ist auf einem gut ausgebauten Stand – mit einer Ausnahme: Es fehlt die an sich gängige Sicherheitsschleuse am Eingang. Schon die alte Tür sei ein Problem, erläutert Büsselmann. Sie schließt schlecht, muss aber aus Sicherheitsgründen immer zu sein und erst bei Bedarf für hereinkommende Besucher geöffnet werden. Fährt die Wachbesatzung nachts Streife, muss die Tür abgeschlossen werden, weil sie bei Unwettern im schlechtesten Fall durch Wind aufgedrückt werden könnte.

Während bei einem denkmalgeschützten Gebäude wie dem Amtsgericht ein Austausch der alten Tür möglich war, gibt es bislang für die Dienststelle keine Aussicht, eine andere Eingangstür zu bekommen. Ebenso wenig ist ein Termin für den überfälligen Einbau einer Sicherheitsschleuse absehbar.
Das Gebäudemanagement des Landes habe durchblicken lassen, dass für kleinere Maßnahmen zur Instandsetzung oder Auffrischung Mittel um die 10.000 Euro bereit gestellt werden könnten. Laut Büsselmann reicht das gerade, um Reparaturen am alten Fußboden, Farbe an die Wände und ein paar andere Kleinigkeiten damit ausführen zu lassen.

Angesichts der Bestandsperspektive für das Polizeikommissariat läge es nahe, in dem Gebäude alle Erweiterungsmöglichkeiten zu prüfen, um die Raumsituation zu verbessern. Das Gebäude verfügt über ein weitgehend ungenutztes Dachgeschoss, das ausbaufähig wäre. Immerhin war hier früher sogar die Dienstwohnung des Ortspolizisten untergebracht. Heute stehen die Räume leer, einer dient als Lagerraum für Sondereinsatzmaterial, ein anderer als provisorischer kriminaltechnischer Raum.

Ein möglicher Ausbau scheitert aber mindestens im Moment an der Zugänglichkeit. Die ist aktuell nur über eine Wendeltreppe möglich, was im Falle einer intensiven Nutzung aus brandschutztechnischen Gründen so nicht bleiben könnte. Das vorhandene große Treppenhaus ins Dachgeschoss fortzusetzen, wäre sicher möglich, aber sehr teuer.

Deshalb werden auf verschiedenen Ebenen auch andere Überlegungen gehegt: Das Polizeikommissariat statt Ausbau gleich ganz in einer anderen Immobilie unterzubringen. Wo das sein könnte und ob es überhaupt möglich wäre, bedarf wie eine Ausbauplanung noch intensiver Prüfung – und vor allem einer gesicherten Finanzierung auf Landesebene. Büsselmann setzt sich dafür ein. Die Umsetzung wird er aber sicher nicht mehr im Dienst erleben, denn seine Zeit in der Leitung endet im nächsten Februar mit dem Eintritt in den Ruhestand.rah

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