Viele Perspektiven für Bad Gandersheim

Landesgartenschau sorgte für Gesprächsstoff beim Jahresempfang im Roswitha-Gymnasium / Rückblick und Ausblick

Die Gäste des Empfangs verfolgten interessiert die Redebeiträge.

Bad Gandersheim. Volles Haus: Rund 180 Gäste sind am Donnerstagabend zum öffentlichen Jahresempfang der Stadt Bad Gandersheim ins Forum des Roswitha-Gymnasiums gekommen. Rückblick und Ausblick, Anregungen und Austausch sowie die Vergabe der Ehrenamtspreise standen auf dem Programm. Für Gesprächsstoff sorgte außerdem Bad Lippspringes Bürgermeister Andreas Bee. Er verdeutlichte, welche Entwicklungschancen die Ausrichtung der Landesgartenschau für eine Stadt bieten kann.

„Es kommt in Zeiten von manchen Fake News darauf an, miteinander zu reden statt übereinander herzuziehen“, sagte Bürgermeisterin Franziska Schwarz, die jeden Gast persönlich begrüßte. Es geht nach ihren Worten darum, „gemeinsam für unsere Stadt, unsere Dörfer, unsere Region zu handeln und kreativ und aufgeschlossen zu sein, füreinander da zu sein und das Leben gemeinsam auch mal zu genießen“.  Entscheidend sei das Zusammenleben in einer sozialen, weltoffenen und attraktiven Stadt. „Danke an alle, die dazu beitragen“, sagte die Bürgermeisterin, die zu Beginn ihrer Rede an wichtige Ereignisse im abgelaufenen Jahr erinnert hatte und zunächst auf das Hochwasser und dessen Folgen zu sprechen kam. „Allein die Beseitigung der Schäden an Straßen, Plätzen und Gräben nur im öffentlichen Bereich hat fast 380.000 Euro gekostet“, erklärte Schwarz und ergänzte: „Betroffenheit von Privathaushalten ist riesig.“ Der Einsatz der Feuerwehr sei „großartig“ gewesen.

„Nicht zu unrecht ist unsere Feuerwehr nominiert worden für einen großen Preis als eines der zehn besten Feuerwehrteams bundesweit“, erklärte Schwarz und meinte damit den Conrad-Dietrich-Magirus-Award. Sie sprach dafür nochmals einen Glückwunsch und Anerkennung aus. Stolz zeigten Wehrmitglieder unter kräftigem Beifall die Urkunde. Der Ausbau des Feuerwehrhauses in Bad Gandersheim soll Mitte diesen Jahres abgeschlossen sein, berichtete die Bürgermeisterin.

„Wir haben erfreulicherweise mehr  Kinder und brauchen deshalb mehr Kitaplätze“ kam sie auf einen anderen Aspekt zu sprechen. Es gebe drei neue Kita-Gruppen in Harriehausen, in Heckenbeck und im Integrationskindergarten und darüber hinaus eine neue Villa Kunterbunt in Containern mit 25 Kindergartenkindern als die Außenstelle der Johanniter-Kita in Wrescherode. „Das war ein Kraftakt, aber das haben wir geschafft“, so Schwarz. Die Grundschule solle Ganztagsschule werden.

„Unsere Dörfer sind lebens- und liebenswert“: Mit diesen Worten schlug sie den Bogen zu einem anderen Thema. Die Stadt habe allein während der vergangenen zwei Jahre fast 600.000 Euro in die Infrastruktur der Dörfer investiert „und zwar ohne die Beseitigung der Hochwasserschäden“. In diesem Jahr seien 80.000 Euro eingeplant für die weitere Dorfentwicklung.

Die Domfestspiele hätten ein großartiges 60-jähriges Jubiläum gehabt. Keine Erfolgsgeschichte seien dagegen die Leerstände, für die es noch keine Lösung gebe. Schwarz erwähnte auch das alte Kurhaus und die alte Roswitha-Klinik. „Wir brauchen dringend ein gutes Hotel hier“, konkretisierte sie einen Wunsch.
Trotz der genannten Baustellen besitze Bad Gandersheim eine gute Infrastruktur und positive Standortfaktoren wie eine gute Lage mit den Verkehrsanbindungen, alle Schulen, „eine wirklich umfassende Kinderbetreuung, ein gutes Gesundheitswesen, ein Kultur- und Freizeitangebot was seinesgleichen sucht“. Hinzu kämen „eine tolle Wirtschaft, tolle Unternehmen und viele Innovationen im letzten Jahr“. Dank sollte Schwarz auch für Sponsoringaktivitäten von Firmen.

Kultur sei das Markenzeichen der Roswithastadt mit den Domfestspielen als Flaggschiff. Erstmals würden im Kulturbereich drei Kommunen miteinander kooperieren: Bad Gandersheim, die Gemeinde Kalefeld und der Landkreis Northeim gründen eine gemeinsame Gesellschaft, welche drei Highlights unter ein Dach bringen wird: das Kloster Brunshausen mit dem Portal zur Geschichte, das Römer- und Germanenschlachtfeld am Harzhorn und die Tongrube Willershausen. „Wir wollen diese drei Leuchttürme zum Strahlen bringen und besser vermarkten“, erklärte Schwarz, die zum Abschluss ihrer Ausführungen an die Europa-Wahl am 26. Mai erinnerte. „Wählen sie Demokratie und Freiheit, die wir in den letzten Jahrzehnten genießen durften.
Sie sind das Fundament unseres Zusammenlebens und das Fundament für den Frieden und zwar auch in unserer Stadt“, sagte sie an die Teilnehmer des Empfangs gerichtet.

Die Bürgermeisterin stand neben einem Staffelstab aus Bad Iburg, der niedersächsischen Stadt, in der im vergangenen Jahr die Landesgartenschau ausgerichtet wurde, die in drei Jahren in der Domstadt stattfinden wird. Welche Erfahrungen vor zwei Jahren in der ostwestfälischen Stadt Bad Lippspringe mit der dortigen Landesgartenschau gesammelt wurden, berichtete deren Bürgermeister Andreas Bee. „Landesgartenschau kann richtig viel Spaß machen“, sagte er zu Beginn seines Beitrags. Und Spaß macht ihm auch der Blick auf die Einwohnerzahl. Lag diese vor zehn Jahren bei 15.100, so beträgt sie nunmehr 16.900.

Nachdem das Heilbad 2011 den Zuschlag erhalten hatte, sei es bergauf gegangen. Der Gast erinnerte daran, dass die Stadt als Trägerin der Bad Lippspringer Kliniken nach den Seehoferschen Gesundheitsreformen am Boden gelegen habe. „Wir haben sie über Jahrzehnte stützen müssen, heute verdienen unsere Kliniken wieder Geld“, so Bee.

Die Bodenrichtwerte sind gestiegen, ebenso das Steueraufkommen und die Zahl der Arbeitsplätze, erklärte der 55-Jährige, der weitere positive Veränderungen benannte. Ladenleerstände seien während der Landesgartenausstellung deutlich zurückgegangen und viele Häuserfassaden von Besitzern modernisiert worden. Mit den städtischen Umbaumaßnahmen sei es gelungen, „den Staub einer alternden Kurstadt von den Schultern zu klopfen“.

Auch in Bad Gandersheim sei es dringend Zeit, „dass hier etwas passiert“, betonte Bee. Die Gartenschau biete die Möglichkeit, die Stadt so umzubauen, „dass sie in zwanzig Jahren nicht mehr so aussieht wie vor 20 Jahren“. Die LGS habe rund 600.000 Besucher erfreut. Wichtig sei, dass Bad Gandersheim die Herzen der Menschen in einem 50-Kilometer-Umkreis „erwischt“.

Landesgartenschauen seien dann erfolgreich und würden positiv ausstrahlen, „wenn die Menschen in der ausrichtenden Stadt selbst dahinter stehen“. Wichtig sei es, dass die Dörfer partizipieren vom Aufschwung des Hauptortes. „Gehen sie selbstbewusst in die nächsten Jahre“ appellierte der parteilose Bürgermeister an die Bad Gandersheimer. Es kämen große Aufgaben auf sie zu. „Dieser Weg wird kein leichter sein.“

„Bad Lippspringe hat ein Plus von 1,9 Millionen Euro mit der Gartenschau gemacht“, benannte er eine Zahl und machte Mut. „Wenn es ihnen gelingt, die richtige Öffentlichkeitsarbeit zu machen, werden hier viele 100.000 Menschen hinkommen. Und denen können sie zeigen, wie schön Bad Gandersheim ist und wie nett die Bad Gandersheimerinnen und Bad Gandersheimer sind.“

Die Gartenschau bezeichnete er zusammenfassend als „Wirtschaftsförderungsinstrument mit Emotionen“.  Bis jetzt habe jede Stadt, die eine solche Veranstaltung, die Aufmerksamkeit schaffe, ausgerichtet habe, davon profitiert. Zum Abschluss gab Bee den Bad Gandersheimern noch einen wichtigen Ratschlag: „Sie brauchen ein Maskottchen.“

Musikalische Akzente setzten während des Empfangs  Yorick Behme, Carla Pohlenz, Robin Schneck und Denise Schneck. Für die Verpflegung während des Empfangs sorgten die „LandFrauen Bad Gandersheim-Kreiensen“. Die Erlöse sollen die ehrenamtlichen Arbeit dieser Institution zugutekommen.

Weitere Berichterstattung über die Vergabe der Ehrenamtspreise folgt.art

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