Das süße Multitalent: die Rübe

Zum Vergleich: Die linken zwei Rüben sind wesentlich kleiner, weil sie auf einem unbehandelten Teilstück wuchsen, auf dem sich viel Kraut bildete.

Ahlshausen. Weltweit wurden laut der Welternährungsorganisation Food and Agriculture im Jahr 2017 insgesamt etwa 301 Millionen Tonnen Zuckerrüben geerntet. Die zehn größten Produzenten erzeugten zusammen 78,7 Prozent der Welternte. Deutschland liegt dabei auf Platz drei, mit rund 34 Millionen Tonnen.

Im Landkreis Northeim bauen 250 Landwirte Zuckerrüben auf einer Fläche von mehr als 4.000 Hektar an. Der Zucker ist bei den Deutschen ein gern gesehenes Lebensmittel, ob in Form von Süßigkeiten, Getränken oder Gebäck.

Aber, die Rübe kann noch mehr, wie der Geschäftsführer des Zuckerrüben Anbauerverbandes Südniedersachsen, Dirk Wollenweber, in einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Die Rübe leiste nämlich auch einen positiven Beitrag zum Klimaschutz. „Sie bindet Kohlendioxid und ist ein hocheffizienter Sauerstoffspender“. Jetzt im August während der höchsten Wachstumsphase liefert jeder Hektar bis zu 150.000 Liter Sauerstoff. Bei dem Ortstermin auf dem Acker des Rübenanbauers Markus Melzer (Vorsitzender des Kreisbauernverbands Landvolk Northeim-Osterode) in Ahlshausen betonte dieser die wichtige Bedeutung der Zuckerrübe: „Wir müssen der Bevölkerung bewusst machen, dass die Zuckerrübe im Jahr mehr als dreimal so viel Sauerstoff produziert wie die gleiche Fläche Wald“.

Auf jedem Acker würden tausende kleine Sonnenkraftwerke arbeiten, wie Wollenweber ergänzt. Die Zuckerrübe wandelt CO2 mit Hilfe der Sonnenenergie in Zucker um und produziere dabei auf einer Fläche von einem Hektar so viel Sauerstoff, dass 100 Menschen ein Jahr davon atmen können. Die Zuckerrübe kann man also quasi als ein kleines Multitalent bezeichnen. Zudem zeichne sie aus, dass sie im Vergleich mit anderen Kulturpflanzen den niedrigsten Wasserverbrauch aufweise. „Auch diese Effizienz bei der Wasserausnutzung verdeutlicht den besonderen Stellenwert“, so Wollenweber.

Die Dürre im vergangenen Jahr und auch die Trockenheit in diesem Jahr habe die Landwirte arg gebeutelt und beschäftigt. Die Rübe komme allerdings noch am besten mit dem momentanen trockenen Klima zurecht. Die Pflanze wurzelt bis zu zwei Meter tief und gelangt so über lange Zeit an Wasser. Bereits seit Jahren verzeichne man stabile Erträge. „Die Zuckerrübe fühlt sich wohl in Niedersachsen“. Damit die Rüben jedoch gedeihen können, müssen auf den Feldern Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Zum Vergleich hat Melzer ein kleines Teilstück seines Ackers unbehandelt gelassen. Und das ist deutlich zu sehen, denn dort wächst das Kraut meterhoch, die Rübenpflanzen sind nicht mehr zu sehen. Und, die Rüben, die dort wachsen, sind erheblich kleiner. „Das Kraut macht ihnen Konkurrenz“, erklärt Melzer.

Bei diesem Thema kommt der Rübenanbauer auf die EU zu sprechen. Innerhalb der Europäischen Union würden enorme Wettbewerbsverzerrungen vorhanden sein. Aufgrund gekoppelter Zahlungen hätten einige EU-Mitgliedsstaaten einen Kostenvorteil von bis zu 30 Prozent gegenüber Deutschland. Zudem dürfen die von der EU verbotenen Neonicotinoide in 13 EU-Mitgliedsstaaten aufgrund von Notfallzulassungen weiterverwendet werden. „Diese Sonderregelungen müssen Sie mal jemanden erklären können. Denn wenn ein Pflanzenschutzmittel umweltschädlich ist, ist es das in Deutschland genauso wie in Polen“, betont Melzer, der an die Politik appelliert, für gleiche Bedingungen für alle zu sorgen.

Die Höchstleitungen der süßen Rübe kämen natürlich nicht von ungefähr. Wie bei allen Lebewesen sichere die Gesundheit der Pflanzen das Wachstum und die Leistungsfähigkeit. In den vergangenen Wochen seien die Rübenblätter von Blattkrankheiten befallen gewesen.

Diese kranken Blätter seien dann geschwächt und würden auch weniger CO2 binden und demzufolge auch weniger Sauerstoff und weniger Zucker produzieren. Daher müsse man die Pflanzen vor dem Krankheitsbefall schützen, und das ginge effektiv nur mit chemischen Pflanzenschutzmitteln.
Aufgrund der beiden trockenen Sommer müsse man die Erträge in diesem Jahr realistisch einschätzen, der Schnitt der vergangenen Jahre werde wohl nicht erreicht, so Wollenweber.hn

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