Die Sanierung der Stampflehmmauer

Beschränkte Ausschreibung findet keine Fachunternehmen / Bereitgestellte Mittel müssen neu beantragt werden

Der Mauerzustand vor der Jahrtausendwende.

Greene. Die Sanierung der Stampflehmmauer im Greener Amtspark – im Greener Sprachgebrauch als „Passeewand“ bezeichnet – wird seit Jahren propagiert. Im Hinblick auf Standsicherheitsbelange und der öffentlichen Zugänglichkeit des Parks sind bereits 2016 Notsicherungsmaßnahmen durch die Stadt Einbeck veranlasst. Die 2017 abgeschlossenen Detailplanungen und 2018 eingeleiteten Ausschreibungsarbeiten für die Sanierungsmaßnahmen kommen jedoch nicht voran. Die Finanzierung ist durch Bereitstellung von EU-Mitteln und aus dem Denkmalschutzprogramm des Landes Niedersachsen sicher gestellt. Die Stadt Einbeck preist in ihrer Homepage die Bedeutung dieses Bauwerkes an. Seit 2014 ist die Mauer wegen der wissenschaftlichen Bedeutung und des Seltenheitswertes als Baudenkmal nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz ausgewiesen.

Ortsbürgermeister Pfefferkorn muss bei den verschiedenen jährlichen Ortsratssitzungen immer wieder Negativschlagzeilen verkünden. Das Problem liegt offenbar in der Tatsache begründet, dass aufgrund der „Beschränkten Ausschreibung nach Öffentlichem Teilnahmewettbewerb“ für die etwa 130 Meter lange und zirka zwei Meter hohe Stampflehmmauer sich kein Fachunternehmen für eine solche Ausführungsarbeit findet beziehungsweise bewirbt. Die Folge ist, dass die bereitgestellten öffentlichen Mittel immer wieder neu beantragt werden müssen. Auch für 2019 hat sich bisher kein Interessent beworben.

Immerhin geht es um ein Kostenvolumen von 180.000 Euro. Irgendwann muss man sicherlich umdenken und von öffentlichen Ausschreibungsverfahren abrücken – pragmatischere Lösungen sind angesagt. Schließlich wird der Zustand der Mauer nicht besser. Inzwischen ist ein großes Loch im Erdbereich der Mauer entstanden, was jedoch durch die Absperrvorrichtung der Stützwandkonstruktion „gesichert“ ist.

Ein Bildwerk vor noch gut 20 Jahren dokumentiert einen geradezu vorbildhaften Bauzustand. Aber inzwischen sind gravierende Veränderungen eingetreten. In dem Bericht der Stadt Einbeck für die verschiedenen Fördermaßnahmen wird auch der Europäische Landwirtschaftsfonds zitiert: „Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete mit der Maßnahme Kulturerbe. Mit dieser Maßnahme werden der Erhalt und die Wiederherstellung historischer Gebäude, Gartenanlagen und Kulturlandschaften unterstützt. Ziel ist es, das kulturelle Erbe der ländlichen Gebiete zu bewahren“.

Teile der Lehmmauer sind in Schieflage geraten. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten muss die Stampflehmwand wieder lotrecht aufgerichtet und durch neue Pfeiler abgestützt werden. Die Aufrichtung soll abschnittsweise erfolgen, wobei zuvor der vorhandene Ringbalken im entsprechenden Abschnitt zurück zubauen und die angrenzenden Wandbereiche abzustützen sind. Im Anschluss an die Ausrichtung sind die Wandfußpunkte und der Natursteinsockel zu sanieren, wobei die Abstützung erhalten bleiben muss. Die historischen Natursteinpfeiler sind ebenfalls zu sanieren und die neuen Stützpfeiler aus Stahlbeton herzustellen. Aufgrund der Baugrundverhältnisse müssen Satzungen der neuen Pfeilerkonstruktionen abgewartet werden, bevor der neue Ringbalken ausgebildet werden kann. Auf dem neuen Ringbalken wird eine Satteldachkonstruktion errichtet und mit historischen vorhandenen und neu zu beschaffenden Tonhohlpfannen gedeckt. Die Bauzeit wird etwa ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Immerhin handelt es sich um ein erhaltungswürdiges Baudenkmal, was in Niedersachsen nur noch in zwei Ausführungsarten vorhanden ist.

Das Amtshaus mit Parkanlage existiert seit nunmehr rund 300 Jahren. Ein Beleg im Niedersächsischen Landesarchiv Wolfenbüttel von 1748 dokumentiert diesen Bereich; allerdings ohne das besagte Mauerwerk. Möglicherweise, weil das nicht von besonderem Erwähnungsinteresse war oder aber die als Einfriedung dienende Mauer späteren Ursprungs ist. Auch wenn sie erst Ende des 18. Jahrhunderts gebaut wurde, wäre sie zum jetzigen Zeitpunkt rund 220 Jahre alt. Seit 2014 ist die Lehmmauer als Baudenkmal ausgewiesen.

Die Stampflehmmauer geht auf eine so genannte „Pisee-Technik“ zurück. Die Bezeichnung entstammt dem Französischen. Laut Duden von 1941 bedeutet „Pisee“ = gestampfte Erde, Stampfbau, Piseewand. Im Plattdeutschen wurde daraus „Passeewand“ und ging so in den hiesigen Sprachgebrauch ein.
Das neue Baugebiet „Im Löberfeld“ im Flecken Greene enthält einen Straßenzug mit der Bezeichnung „Hinter der Passeewand“. Ortsrat und Stadt Einbeck haben damit die historische Einrichtung im Flecken für die Nachwelt dokumentiert.

Im Bereich der einstigen Domänenanlage waren große Teile des Areals durch eine solche Lehmwand-Mauer abgegrenzt. So zum Beispiel auf dem halben Straßenzug des heutigen Friedlandweges. Ferner auch die frühere Gartenanlage gegenüber dem damaligen Amtsgericht – Bleichegarten genannt. Dieses Areal war komplett mit einer solchen Stampflehmmauer umgeben. Detaillierte Unterlagen können im Heimatmuseum Greene eingesehen werden. Alle diese Einrichtungen sind im Zusammenhang mit der Auflösung der damaligen Domäne ab 1964 nach und nach zurückgebaut. Lediglich im Amtspark ist noch ein Restbereich vorhanden, den es unbedingt zu erhalten gilt.jhs

Kreiensen

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