Talbrücke Kreiensen-Greene feiert Gold-Jubiläum

Seit 50 Jahren verbindet die Brücke auf der B 64 die Leinetalorte / Zwei Jahre Bauzeit

Die Verbindung zwischen Kreiensen und Greene mit der neuen Talbrücke, die im Jahre 1969 nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht wurde

Kreiensen/Greene. Wer heute das Leinetal zwischen Kreiensen und Greene mit dem Auto überquert, benutzt wie selbstverständlich die gut ausgebaute B 64 auf der geschwungenen Talbrücke. Seit nunmehr 50 Jahren verbindet dieses imposante Bauwerk mit einer Länge von zirka 385 Meter die beiden Leinetalorte und lässt vergessen, wie schwierig und gefährlich eine Leinetalquerung in früheren Zeiten gewesen ist.

Heer- und Handelsstraße

Der Gespannführer eines mittelalterlichen Fuhrwerkes war damals nämlich heilfroh, wenn er das Leinetal ohne Achsenbruch oder Steckenbleiben passieren konnte. Die unbefestigte Heer- und Handelsstraße war in den Leinewiesen ständig vom Hochwasser der Leine bedroht und machte die Passage bei Schneeschmelze und Überschwemmungen oftmals längere Zeit unpassierbar. Der Straßenverlauf der alten Ost-West-Verbindung vermied daher den direkten Weg durch die sumpfigen und moorigen Wiesen, sondern verlief so, wie es noch heute der Betonweg zwischen der „alten Apotheke“ in Greene und dem Klärwerk Kreiensen zeigt.

Hier hat es auch eine erste kleine Brücke auf dem „Chaussee-Weg unterm Butterberg unweit Greene“ gegeben, wie man aus Akten des Nieders. Landesarchivs in Wolfenbüttel entnehmen kann. Diese kurze flache Brücke wurde dann aber im Jahre 1789 wegen Baufälligkeit abgerissen und die Straßenverhältnisse blieben weiterhin problematisch.

Investition in Infrastruktur

Als Kreiensen und Greene in der napoleonischen Zeit zum französischen Königreich Westphalen gehörte, wurde aber kräftig in die Infrastruktur investiert. Die neue gepflasterte Straße verlief ab 1830 schnurgerade auf der Krone eines hohen Dammes, sodass der Verkehr nicht mehr durch Leinehochwasser beeinträchtigt wurde. Die „Bult“ (Erhöhung/Aufschüttung) besaß zudem mehrere Flutbrücken, damit die jährlichen Hochwasser besser abfließen konnten.

Bau der Eisenbahnstrecke

Der Bau der Eisenbahnstrecke Hannover-Kassel im Jahre 1854 machte aber bald die Einrichtung eines Schrankenpostens auf der Kreiensener Seite der Bult notwendig. Mit dem Wirtschaftswunder und der zunehmenden Motorisierung in den 50/60ern des letzten Jahrhunderts erwies sich die Schranke dann aber als echtes Verkehrshindernis. Weil die Zugfolge auf der Nord-Süd-Strecke dermaßen dicht war, bildeten sich bei geschlossener Schranke lange Staus auf der Bult oder auf der Holzmindener Straße in Kreiensen. Ältere Bürger werden sich sicherlich noch an die Warteschlangen erinnern können.

Der erste Spatenstich

Deshalb erfolgte vor über 50 Jahren im Herbst 1967 der erste Spatenstich für das neue Brückenbauwerk. Auf neun Pfeilerpaaren ruhend verläuft die Talbrücke in sanftem Bogen über die Bahnlinie und das Leinetal. Die Gesamtlänge des Bauwerkes beträgt 387 Meter einschließlich der Brücke über die Eisenbahnlinie und der Flutbrücke nahe der „alten Apotheke“. Die gesamte Brücke wurde in Spannbetonweise erbaut und liegt auf Gleitlagern, die mit einer Temperaturdifferenz von plus/minus 47 Grad bemessen werden. Zur Längenausdehnung befindet sich an jedem Ende der Brücke eine speziell hergestellte Dehnungsfuge. Eine besondere Herausforderung für die Baufirmen waren die Pfeilerfundamente, da der Boden der Leinewiesen nicht besonders tragfähig ist. Diese Gründungsarbeiten verursachten damals erhebliche Mehrkosten für das Projekt. Mit einer Fahrbahnbreite von zirka zehn Meter erreicht die Konstruktion eine Höhe von bis zu zirka zwölf Metern. Fußgängerwege auf beiden Fahrbahnseiten und eine optimale Straßenbeleuchtung vervollkommnen das zukunftsweisende Bauprojekt.

Nach einer Bauzeit von etwa zwei Jahren wurde die neue Talbrücke am 17.Dezember 1969 für den Verkehr freigegeben. Kurz danach wurde die Bult mit der alten Bundesstraße und ihren prächtigen Alleebäumen abgetragen.

Die damals investierten Kosten von zirka 3,8 Millionen DM (knapp zwei Millionen Euro) sind gut angelegt und gewährleisten nunmehr seit einem halben Jahrhundert eine störungsfreie und witterungsunabhängige Fahrt zwischen den beiden Leinedörfern beziehungsweise auf der viel befahrenen Ost-West-Achse der B 64.red

Kreiensen

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