Vom Trockenrasierer zum Ventilator

Nikolaus Schmidt aus Kreiensen ist ein begeisterter Tüftler

Übersichtlich und geordnet: In seiner Werkstatt hat Nikolaus Schmidt alles, was für seine Umbauten benötigt.

Kreiensen. Was haben Windspiele, Lebendfallen und ein Tischventilator wohl gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts, aber diese und noch weitere praktische Dinge hat Nikolaus Schmidt aus Kreiensen selbst gebaut, beziehungsweise umgebaut oder umfunktioniert. Denn der ursprünglich aus Niederschlesien stammende 76-Jährige ist ein leidenschaftlicher Tüftler, und das schon seit vielen Jahren.

Getüftelt habe er schon solange er sich erinnern könne, sagt der sympathische Kreiensener in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Sein erstes großes Stück sei ein komplett selbstgebauter lenkbarer Rodelschlitten gewesen. Damals habe ihn sein Sohn auf diese Idee gebracht. Allerdings habe es mehrere Anläufe gebraucht, bis das richtige Bremssystem gefunden war. Inzwischen steht der Schlitten im Skimuseum in Braunlage.

Ein weiteres großes Projekt, ebenfalls auf Drängen seines Sohnes Jörg, war der sogenannte „Schnaufi 81“, ein originelles Fahrzeug, das Schmidt vor über 30 Jahren komplett um einen Puch-Motor gebaut hat und heute im Johann-Puch-Museum in Graz steht. Schneeschieber für jede Gelegenheit umgebaut Selbst ein gewöhnlicher Schneeschieber bleibt bei Schmidt nicht lange nur ein einfacher Schneeschieber. Aus einem solchen entstand im Jahr 2009 bereits der sogenannte „Multiflott“, der sich als wahres Multitalent erweist. Dank diverser Anpassungen und Umbaumöglichkeiten, ist er nämlich Sommer wie Winter einsatzbereit.

Dank verschiedenster An- und Aufbauten fungierte der Multiflott bereits schon einige Male als idealer Begleiter auf Ausflügen. Und im Winter? Da wird er wieder zu einer Schneeschnaufel. „Ich beobachte und registriere bei manchen Gegenständen, dass da noch mehr geht als die ursprünglich vorgesehene Funktion“.

Seine Konstruktionen nur als reine Bastelei abzutun, wird der Sache nicht gerecht, denn bei Schmidt treffen nicht nur Beobachtungsgabe und Kreativität, sondern auch noch Können aufeinander. Ein Blick in seine Werkstatt im Keller verrät, er ist überaus gut organisiert, jedes Ersatzteil und jedes Werkzeug hat seinen Platz. Und ausgestattet mit einer Dreh-, einer Schleif- sowie mit einer Säulenbohrmaschine und einer Drehbank steht einem professionellen Arbeiten nichts im Weg. Aber auch er habe sich schon manchmal vergaloppiert, wie er es nennt. „Manchmal muss man einfach experimentieren, und wenn ich dann tatsächlich mal etwas in den Sand setze, muss ich da durch“. Fast schon richtige Dekorationsstücke sind die von Schmidt gebauten Lebendfallen für Mäuse.

Die Modelle tragen die Namen „Manege“, „Silo“ und „Wippe“, bestehen aus Aluminium und lösen schon bei einer leichten Berührung des Köders die Falle aus. „Lebt die Maus, freut sich die Katze“, so Schmidt humorvoll, der die in die Falle getappten Mäuse an anderer Stelle wieder aussetzt. Witterungsbeständige Windräder mit echten Vogelfedern Auf diese Weise habe er in einem Jahr rund 100 Mäuse verschiedenster Arten gefangen und wieder ausgesetzt. Besonders schöne Unikate sind seine Windräder, die Max und Moritz, die Bremer Stadtmusikanten oder eine Winterszene darstellen. Hochwertige witterungsbeständige Materien wie Edelstahl, Aluminium und UV-beständigen Kunststoff verwendet der Kreiensener dafür, wie auch echte Vogelfedern als Flügel, die das Ganze antreiben.

Auf dem Dachboden wartet schon seit einiger Zeit ein selbstgebauter Drachen. Das Stück ist an die zwei Meter groß und in Leichtbauweise gebaut und wartet nur auf eine passende Gelegenheit, endlich einmal in die Lüfte abzuheben. Neueste Erfindung ist ein Tischventilator, denn auch ein defekter Trockenrasierer ist für den Kreiensener kein Fall für die Tonne. Stattdessen hat er ihn einfach umgebaut. Alle Bauteile, einschließlich der Ventilatorflügel, hat er selbst gefertigt und auch Kugellager eingesetzt.

Der Grundkörper ist drehbar und kann somit entsprechend eingestellt werden. Gerade sei er zwar nicht am Tüfteln, aber es wird bestimmt nicht lange dauern, bis er wieder in seiner Werkstatt steht und wieder etwas Neues und Nützliches gebaut hat.hn