Willkommen am roten Teppich

Neujahrsempfang der Marinekameradschaft „Admiral von Hipper“ / Leiter des Stabsmusikkorps der Bundeswehr referiert

Volles Haus beim Neujahrsempfang der Marinekameradschaft.

Kreiensen. „Wir brauchen im Leben nicht nur Geld allein, wir brauchen auch Liebe, Freude und Glück ­­­– ­von allen wünsche ich uns ein Stück!“ Mit diesen Worten begrüßte Dieter Henze am Sonntag die Gäste des Neujahrsempfangs der Marinekameradschaft „Admiral von Hipper“ Kreiensen und Umgebung. Der Vorsitzende sprach über die Aktivitäten und Pläne dieser Institution, thematisierte „die tiefe Krise unserer Armee“ und begrüßte den Leiter des Stabsmusikkorps der Bundeswehr in Berlin, Oberstleutnant Reinhard Kiauka, zu einem Festvortrag.

„Wir leben in einer Zeit von Egoismus, Neid und Selbstverständlichkeit. Mich beunruhigt der Verfall unserer Werte und Sitten in den sozialen Netzwerken“, erklärte Henze. Zuvor hatte der Shantychor der Marinekameradschaft unter Leitung von Florian Unglenk für eine maritime Einstimmung gesorgt und unter anderem auch eine moderne Form des Niedersachsenliedes präsentiert. Es habe 2018 zwei Austritte aus dem Chor gegeben, es seien aber auch eine Sängerin und zwei Sänger dazugekommen. „Aber wir brauchen mehr, denn Ehrenamt ist ein wahrer Segen für unser Gemeinwesen“, betonte Henze und appellierte an die Gäste, die Marinekameradschaft bei der Suche nach interessierten Sangesfreudigen zu unterstützen. „Singen kann jeder. Musik kennt keine Grenzen. Musik kennt nur Freundschaften“, warb er für eine Mitgliedschaft.

Als Anhaltspunkte für die Krise, in der nach seiner Ansicht die Armee stecke, nannte Henze unter anderem die Berateraffäre im Verteidigungsministerium und die Tatsache, dass der Marine die einsatzfähigen Schiffe und der Bundeswehr in Munster die Panzer ausgehen. Es fehle in Deutschland die Bereitschaft, die Truppe ausreichend auszustatten. Außer vielen weiteren Beispielen erwähnte er den Zahlungsstopp für die Sanierung des Segelschulschiffes Gorch Fock.
Henze kam auch auf bundespolitische Themen und den Investitionsstau zu sprechen. Der akute Handwerkermangel verstärke diese Probleme noch.

Vielleicht ist das auch der Grund, dass die langersehnten Fenster im Bürgerhaus noch nicht eingebaut worden sind“, erklärte der Vorsitzende mit einem Augenzwinkern und ergänzte: „Aber 2019 soll ja unser Wunsch in Erfüllung gehen.“

Und noch eine andere, dieses Mal überregional erfreuliche Mitteilung hatte Henze. Am größten deutschen Marinestützpunkt in Wilhelmshaven soll wieder ein Marinemusikkorps aufgebaut werden.

Zu den besonderen Ereignissen für die Marinekameradschaft im abgelaufenen Jahr habe das Jubiläumsfest zum 30-jährigen Bestehen des Shantychores gezählt. Außer vielen weiteren Aktivitäten und Ereignissen erinnerte der Vorsitzende auch an die Verdienstnadeln in Gold, mit denen Manfred Janik und Dieter Thiel beim Abgeordnetentag des Deutschen Marinebundes in Kiel für ihren großen Einsatz und besondere Leistungen für die Marinekameradschaft ausgezeichnet worden sind.

Ehrengast Reinhard Kiauka sprach in seinem Festvortrag  „Willkommen am roten Teppich“ über das Stabsmusikkorps der Bundeswehr als klingende Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland. Die Musiker werden zusammen mit dem Wachbataillon für den protokollarischen Ehrendienst eingesetzt. Eine ihrer repräsentativen Kernaufgaben: Sie spielen beim Empfang von Staatsgästen zur Begrüßung, erläuterte der gebürtige Kölner. Dies machte er mit bewegten Bildern von der Ankunft des chilenischen Staatspräsidenten Sebastian Pinera vor dem Bundeskanzleramt im vergangenen Oktober deutlich, zu denen er den genauen Ablauf erläuterte.

Mitunter erst drei Tage vorher erfahre Kiauka von diesen Einsätzen. Die Kanzlerin bringe das Korps manchmal schon „ins Schwitzen“, sagte der Ehrengast mit einem Lächeln.

Eingesetzt werden die Musiker auch beim großen Zapfenstreich, bei Staatsbegräbnissen und beim DFB-Pokalfinale. Hinzu kämen unter anderem Einladungen zu besonderen Jubiläen und Benefizkonzerten, berichtete Kiauka, der seit 1987 in der Bundeswehr dient, 1989 ein Musikstudium an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf aufgenommen hatte und seit 2014 das Stabsmusikkorps führt. Er zähle derzeit rund 250 Mitglieder, mehr Personal sei wünschenswert.

Bevor Kiauka auf das Stabsmusikkorps zu sprechen kam, gewährte er einen allgemeinen Einblick in den Militärmusikdienst der Bundeswehr und berichtete über die Verteilung und Ausprägung der Musikkorps in Deutschland. Derzeit existierten zehn solcher Korps „in der Fläche“.
Seit einigen Jahren gebe es das Zentrum Militärmusik der Bundeswehr, das eine „zentrale Einsatzgebung“ ermögliche. „Wir sind in Freud und Leid bei der Truppe“, so Kiauka. Zentrale Ziele der Militärmusik seien, „die Bindung zwischen Bundeswehr und Bevölkerung zu festigen“ und das Ansehen der Bundesrepublik im In- und Ausland zu stärken.

Henze dankte Kiauka für seinen „ausgezeichneten Festvortrag“, der einen anschaulichen Einblick in die Arbeit des Heeresmusikkorps gegeben und damit für viel Gesprächsstoff gesorgt habe.

Er hoffe auf ein Wiedersehen beim Schüttenhoff Pfingsten 2019 in Bodenfelde und überreichte dem Gast als Dank etwas Süßes aus Göttingen, etwas Herzhaftes aus Bodenfelde und den Fanschal der Marinekameradschaft.

Henze benannte einige Aktivitäten im neuen Jahr und verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Marinekameradschaft am Sonnabend, 12. Januar, zur Schlüsselübergabe mit großem Umzug der Gesellschaft der Karnevalsfreunde in Einbeck fährt. Treffen ist um 10 Uhr am Stützpunkt in „lockerer maritimer Kleidung“. Mit dem Shanty des Tages, vorgetragen von Florian Ungelenk, endete der offizielle Teil des Neujahrsempfangs, an den sich viele persönliche Gespräche im Stützpunkt der Marinekameradschaft im Bürgerhaus anschlossen.art