Breitbandausbau: Buchbarkeit ab Januar 2020

Telekom begründete im Kreistag die Verzögerungen beim Ausbau

Dieter Schulz und Dr. Henrik Prößdorf berichteten über den aktuellen Stand beim Telekom-Breitbandausbau im Landkreis Northeim.

Northeim. Die Sitzung des Kreistages am Freitag in Northeim hatte einen kleinen Hauch von einem  Déjà-vu-Erlebnis. Erneut war die Telekom eingeladen, um über den aktuellen Sachstand in Sachen Breitbandausbau im Landkreis Northeim zu berichten. Von der Telekom waren Dieter Schulz (Infrastruktur Vertrieb) und Dr. Henrik Prößdorf (Technik/Netze) vor Ort und berichteten, dass die Verzögerungen im Ausbau durch Behinderungen anderer Telekommunikationsunternehmen hervorgerufen seien. Beim Breitbandausbau stoße man auf Stellen, an denen man auf einmal „überbaut“ werde, wie Schulz es nannte. Gemeint waren damit die anderen Netzbetreiber, die die Arbeit der Telekom behindern würden, ohne überhaupt an dem Beteiligungsverfahren teilzunehmen.

Diese Unternehmen hätten ihre Anlagen in Mindertiefen verlegt, wodurch die Telekom Trassenänderungen hatte vornehmen müssen und die Fristverlängerung von zwölf Monaten nicht haltbar gewesen sei. „Hier entsteht teilweise eine doppelte Infrastruktur“, so Schulz, der die sukzessive Inbetriebnahme mit Juli dieses Jahres benannte. Im Oktober sollen alle Tiefbaumaßnahmen erledigt sein, sodass Buchbarkeiten ab Januar 2020 möglich seien.

Rund zwei Drittel der Haushalte seien jetzt in dem Ausschreibungsverfahren drin, sagte Dr. Prößdorf. Zudem habe sich die Telekom entschlossen, dort wo möglich die Technik im sogenannten Super-Vectoring mit bis zu 250 M/bits anzubieten. Das bedeute, dass die Bandbreite mehr als verdoppelt sei. „Es ist mutig, dass Sie hier stehen und uns dieses Desaster hier verkaufen“, so Dirk Ebrecht (CDU), der betonte, dass der zeitliche Verzug weder am Landkreis noch an der Kreisverwaltung liege.

Der Vertrag regele Zeiten, wodurch am 30. Juni die Fertigstellung hätte erfolgen sollen. „Stück für Stück stellt sich heraus, dass wir noch lange weg sind von ‘fertig’“. Und dass die Konkurrenzunternehmen so aktiv seien, könne daran liegen, dass die Bürger in den entsprechenden Ortschaften Frust hätten und der Telekom wohl nicht mehr vertrauen würden, so Ebrecht weiter. „Auf die Konkurrenz zu schimpfen, ist der falsche Weg. Man bekommt den Eindruck, die Telekom macht einen solchen Ausbau zum ersten Mal“. Denn wenn man die Planungszeit miteinbeziehe, habe man das Gefühl, es sei eine unendliche Geschichte, endete Ebrecht.

Einwohner kritisierten, dass teilweise Haushalte, wie auch Schulen (unter anderem drei in Einbeck) von der Telekom „vergessen“ worden seien, und dass unter anderem Schilder mit Telekom-Werbung in Ortschaften stehen würden, die jedoch gar nicht angeschlossen werden sollen. Lediglich die Trasse verlaufe durch den Ort.

Zu den Schulen sagte die Landrätin Astrid-Klinkert-Kittel, dass diese wohl im Rahmen der Datenübermittlung untergegangen seien. Derzeit werde geklärt, wie die Schulen noch mit berücksichtigt werden. „Das ist ein großes Projekt für uns als Landkreis und wir stehen in engem Kontakt mit der Telekom“, so die Landrätin. Zu der Ausbauzeit sagte Dr. Prößdorf, dass man zunächst von zwölf Monaten ausgegangen sei, jetzt jedoch generell 18 Monate anbiete. Der Landkreis Northeim sei der erste in dieser Landesförderung und mit unter den ersten Landkreisen, die komplett ausgebaut werden.

Da im Zuge des laufenden Breitbandausbaus rund 10.000 Adressen mit schnelleren Breitbandanschlüssen versorgt werden, könnten am Ende bis zu 1.000 übrig bleiben, die mit dem aktuellen Ausbau nicht erreicht werden.

Bei diesen Adressen handelt es sich häufig um solche Adressen, die nur kostenintensiv erschlossen werden können, was in der Regel mit der Entfernung zwischen dem Hausanschlusspunkt und dem nächstgelegenen Netzverteiler zu tun habe. Die Kosten für die verbleibenden Adressen dürften sich daher auf mindestens 10 Millionen Euro belaufen. Aus diesem Grund beauftragte der Kreistag die Landrätin, einen entsprechenden weiteren Fördermittelantrag zu stellen.

In der Einwohnerfragestunde meldete sich ein Einwohner zu Wort, der anregte, ob es im Landkreis Northeim nicht auch möglich sei, dass die gelben Säcke alle vierzehn Tage abgeholt werden könnten. In den Landkreisen Kassel und Göttingen werde das auch so praktiziert. „Besonders im Sommer werden leere Katzenfutterverpackungen zu einer heiklen Angelegenheit“, so der Einwohner.

Dazu sagte der Kreisrat, Jörg Richert, dass man dieses Thema im Abfallwirtschaftsausschuss diskutiert habe. Zum einen sei das Abfuhrunternehmen nicht freiwillig bereit, den Rhythmus zu ändern und zum anderen habe man mit dem Grünen Punkt die Einführung einer Tonne angesprochen. Die bringe jedoch erhebliche Mehrkosten mit sich. Weiter sagte Richert, dass in einem normalen Vier-Personen-Haushalt, dabei bezog er sich auf seinen eigenen, in vier Wochen im Durchschnitt rund drei gelbe Säcke zusammen kämen. „Die Abholung in einem Rhythmus von vier Wochen ist gut und praktikabel“, so Richert.hn