Fehlende Ärzte und Streben nach Gewinn?

Um den Ruf der HELIOS Klinik in Northeim ist es schlecht bestellt / Ärzteverein kritisiert Verhältnisse in der Klinik

Um den Ruf des Northeimer HELIOS-Krankenhauses im Albert-Schweitzer-Weg ist es zurzeit nicht gut bestellt.

Northeim. Schadensbegrenzung und den Ruf wieder herstellen steht bei der HELIOS Albert-Schweitzer-Klinik in Northeim momentan ganz oben auf der Tagesordnung. Die Kritik: Hohe Fluktuation unter der Ärzteschaft, die Schließung der Onkologie- und Palliativstation zu Ende September, wochenlang unbesetzte Ärztestellen und ein Geschäftsführer, dem vorgeworfen wird, ihm sei Gewinnmaximierung wichtiger als das Patientenwohl.

Der Northeimer Ärzteverein sorgt sich um die Zukunft des Krankenhauses in der Kreisstadt. Der Vorwurf: „Das Haus wird vor die Wand gefahren“, so der Vorsitzende des Ärztevereins, Dr. Christian Steigertahl, Anfang August in einem Brief an den Vorstandsvorsitzenden des Fresenius-Konzerns, Stephan Sturm. Die HELIOS GmbH ist Betreiber der Northeimer Albert-Schweitzer-Klinik und gehört zu Fresenius.

In der Bevölkerung ist es um den Ruf der Northeimer Klinik schlecht bestellt. „Bloß nicht zu HELIOS“ scheint inzwischen immer öfter in einem Atemzug mit der Albert-Schweitzer-Klinik genannt zu werden. Aus Sicht der niedergelassenen Ärzte bestehen auch große Probleme bei den Zuständigkeiten, also einfach ausgedrückt, welcher Arzt zu welchem Zeitpunkt welche Tätigkeiten ausführen kann. Da könne eine routinemäßige Blinddarm-OP mitunter zu einem Problem werden, wenn zum Beispiel kein Chirurg da sei, so Dr. Cornelius Huber Allgemeinmediziner und Sprecher der Ärzteschaft in Bad Gandersheim. „Das ganze Konzept der Besetzung ist brüchig, es ist zu einem unübersichtlichen Geschehen geworden“, womit Huber nicht nur die HELIOS Klinik in Northeim, sondern auch die Klinik in Bad Gandersheim meint.

„Mit einem Krankenhaus kann man kein Geld verdienen“, so Dr. Huber weiter, „Krankenhäuser sind Teil unserer Kultur“. Und die Kultur muss bekanntlich auch bezuschusst werden.

Nur ein Kritikpunkt des Ärzteverbandes ist hohe Personalfluktuation in der Northeimer Klinik und auch, dass es HELIOS offenbar über Monate nicht gelinge, freie Arzt-Stellen wieder zu besetzen. Beispiele dafür sind laut Ärzteverein die Gastroenterologische Abteilung (für Magen- und Darmerkrankungen) und die Neurologie. Für die Gynäkologie habe nach Informationen des Gandersheimer Kreisblattes ein ganzes Ärzteteam seine Bewerbung wieder zurückgezogen.
Auch der Klinik-Geschäftsführer Marko Schwartz ist in die Kritik geraten. Seit rund anderthalb Jahren leitet er die Klinik. Ihm fehle aber wohl das Wissen und das Verständnis dafür, wie Rationalisierungen ohne Einschränkungen notwendiger Leistungen vorgenommen werden können, so der Ärzteverein.

Notwendige Restrukturierungen bei HELIOS

In einer Stellungsnahme, die dem GK vorliegt, heißt es von HELIOS, dass in Northeim notwendige Restrukturierungen einzelner Bereiche durchgeführt wurden. Dabei sei es auch zu personellen Veränderungen gekommen, so Mareen Brünemann-Kämper (HELIOS Unternehmenskommunikation und Marketing).

„Diese waren teilweise von uns gewollt, teilweise aber auch ungewollt, was wir ausdrücklich bedauern“. Momentan würden mehrere Schlüsselpositionen zeitgleich nachbesetzt, wobei Helios eine sorgfältige Personalauswahl sehr wichtig sei. „Die Wertschätzung der sehr guten Leistungen und des Engagements unserer Mitarbeiter ist uns ein wesentliches Anliegen. Auf dem Weg der weiteren Entwicklung unserer Klinik binden wir möglichst alle Mitarbeiter ein“, so Brünemann-Kämper. So befasse sich die Klinikleitung derzeit gemeinsam mit Chefärzten, leitenden Ärzten, Führungskräften der pflege und der Verwaltung mit zentralen Themen wie der Weiterentwicklung der fachübergreifenden Zusammenarbeit und der arbeitsunterstützenden Prozessorganisation.

Was die Onkologie-Station betreffe, gebe man organisatorisch die Klinikstruktur der Medizinischen Klinik III auf und integriere die Onkologie und die Palliativmedizin in die Medizinische Klinik II. Der bisherige Chefarzt Jörg Seraphin sei weiterhin für den Standort tätig. Die stationären onkologischen und palliativmedizinischen Patienten werde Seraphin künftig als Konsiliararzt (ein vom behandelnden Arzt zur Beratung in einem unklaren Krankheitsfall hinzugezogener zweiter Arzt) betreuen. Gleichzeitig erweitere Seraphin seine ambulanten Sprechzeiten im Rahmen des MVZ Onkologie Northeim.

Zu Geburtshilfe und Gynäkologie informiert Brünemann-Kämper, dass der langjährige Chefarzt Dr. Josef Frasunek seinen Nachfolger mitauswählen werde, bevor er in den Ruhestand gehen wird. Er bleibe auch so lange in der Klinik, bis er sein Team gut übergeben könne.

Bezüglich der Gastroenterologie soll der reguläre Nachfolger für Chefarzt Professor Dr. Tobias Meister zeitnah vorgestellt werden. Im Oktober werde ein erfahrener Internist dazu kommen, der die Abteilung bis zur regulären Stellennachbesetzung leiten werde.

Die medizinische und pflegerische Qualität für die Patienten bleibe erhalten. Im ländlichen Raum, wie im Kreis Northeim, würden Nachbesetzungen durchaus auch Zeit in Anspruch nehmen, betont die Pressesprecherin Christine Trowitzsch in einem Telefonat.

Seit Anfang des Jahres hätten Northeim und Bad Gandersheim eine Aufgabenteilung. Die Unfallchirurgie ist laut HELIOS ein Versorgungsschwerpunkt in Northeim, die Orthopädie ein Versorgungsschwerpunkt in Bad Gandersheim. Eine Verkleinerung der Stationen soll dadurch nicht entstanden sein.

Dennoch befände sich das Northeimer Krankenhaus, was die medizinische Qualität angehe, weit über Bundesdurchschnitt aller Krankenhäuser, wie Trowitzsch betont. „Wir wollen unseren guten Ruf wiederherstellen und nicht nur an der Oberfläche kratzen“.hn

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