Senioren dürfen wieder Besuch bekommen

Landesverordnung geändert, Senioren- und Pflegeeinrichtungen haben Hygienekonzepte erarbeitet

Das Land Niedersachsen hat die Besuchs­möglichkeiten in Krankenhäusern und Pflegeheimen neu geregelt. Viele Menschen können jetzt Besuch von jeweils einer Person empfangen. Darüber ­freuen sich auch die Bewohner von einigen Häusern in der Region.

Region. Sofern es in Krankenhäusern, Vorsorge- und Rehaeinrichtungen oder Heimen kein akutes Infektionsgeschehen gibt, ist Besuch von jeweils einer Person erlaubt. Die Leitungen müssen ein Hygienekonzept erstellen, das dem Gesundheitsamt auf Verlangen vorzuzeigen ist. Analog zu Restaurantbesuchen müssen die Kontaktdaten der Besucher sowie der Zeitpunkt des Betretens und Verlassens der Einrichtung dokumentiert werden.

Da sich das Infektionsgeschehen in Niedersachsen beruhigt habe und die allermeisten Einrichtungen entsprechende Konzepte vorgelegt hätten, habe sich die Landesregierung entschlossen, die Verordnung kurzfristig anzupassen, so Gesundheitsministerin Carola Reimann. Damit seien bereits Besuche am Himmelfahrtswochenende möglich.

Alloheim ermöglicht langersehnte Treffen

Über das schöne Geschenk des langersehnten Wiedersehens mit ihren Angehörigen können sich die Bewohner der Alloheim Senioren-Residenz in Einbeck freuen. Ermöglicht wurde das nicht zuletzt durch die organisatorischen Leistungen des Teams um Oliver Weiss. »Die Kontakt- und Besuchseinschränkungen der vergangenen Wochen waren für unsere Senioren und ihre Angehörigen, aber auch unsere Mitarbeiter belastend«, sagt der Leiter der Einbecker Einrichtung. »Bei uns stehen Gesundheit und Wohl unserer Bewohner an erster ­Stelle. Dazu gehört auch die Pflege sozialer Kontakte.« Zu Beginn der letzten Woche haben die Senioren die freudige Nachricht erhalten. Auch wenn eine Umarmung oder ein Händeschütteln wegen der weiter gültigen Abstands- und Kontaktregelungen nicht möglich sind, so war es doch das persönliche Wiedersehen, das Bewohner und Besucher oft zu Tränen rührte. »Wir freuen uns sehr, dass unseren Senioren endlich das langersehnte Treffen wieder gestattet ist«, sagt Weiss, »trotz Maskenpflicht und Abstandsregeln ist dies ein wichtiger Schritt in Richtung Normalität. Bewohner und Angehö­rige konnten sich vom Wohl ihrer Lieben überzeugen und erfuhren aus erster Hand Neuigkeiten von Freunden und Verwandten. Uns blieb nur wenig Zeit, die vorgegebenen Schutzmaßnahmen umzusetzen und die Angehörigen über die Abläufe der Besuche zu informieren«, so Weiss. Er spricht daher allen, die in den vergangenen Tagen so viel dafür getan haben, ein großes Dankeschön aus.

Positive Bilanz nach erster Besuchswoche

Nach der ersten Besuchswoche kann der Einrichtungsleiter eine positive Bilanz ziehen. Er lobt die Angehörigen, die sich strikt an Vorschriften und Anmelderegeln gehalten haben. »Trotz vollständig belegter Besucherlisten konnte ein reibungsloser und geordneter Ablauf der Termine unter Einhaltung sämtlicher Schutzmaßnahmen ermöglicht werden«, stellt er in einer Pressemitteilung fest. Auch für die noch geltenden Einschränkungen haben Senioren und Besucher Verständnis. Aktuell ist nur eine Kontaktperson pro Woche und Bewohner zugelassen. Für die meisten spielte das aber in diesem Moment keine Rolle, es zählte einfach nur das Wiedersehen. Er freue sich sehr, dass man den Senioren endlich wieder ein Stück mehr Normalität schenken dürfe.

Deinerlinde: Besuche nach Termin

Ein vom Gesundheitsamt des Landkreises Northeim genehmigtes Hygienekonzept hat auch im Senioren- und Pflegezentrum Deinerlinde seit dem 11. Mai den Besuch von Bewohnern ermöglicht. Das Infektionsrisiko darf dabei nicht erkennbar erhöht werden. Es gelten deshalb strenge Vorschriften. Besuchen dürfen nur nahe Angehörige oder Bezugspersonen. Mit dem Begleitenden Dienst muss ein Termin vereinbart werden. Dabei versucht man, dass Angehörige, die aus der näheren Umgebung kommen, eher die Besuchszeiten in der Woche wahrnehmen und weiter entfernt wohnende Angehörige die Wochenendtermine belegen. Die Besuche sind gemäß Vorgaben auf einmal in der Woche, je 30 Minuten und maximal zwei Besucher pro Bewohner beschränkt.

Seit Ende April Kontaktfenster im Mundus-Haus

Als Besuchsort steht das Café der Deiner­linde zur Verfügung. Dort stehen nur wenige Tische mit ausreichend Abstand zueinander und zu anderen Besuchern. Das Café ist gut zu lüften, Tische, Stühle und Türklinken werden nach jedem Besuch desinfiziert. Bewohner und Besucher betreten und verlassen das Café durch jeweils getrennte Türen. Bei schönem Wetter kann eine Besuchsgruppe auch einen Tisch auf der Terrasse nutzen. Essen und Trinken sind während des Besuches nicht erlaubt. Die Besucher tragen ihren eigenen Mund-Nasen-Schutz, und sie desinfizieren sich beim Betreten die Hände. Eventuelle Geschenke kommen in eine achtstündige Quarantäne.

Auch für bettlägerige Bewohner soll es die Möglichkeit des Kontakts geben. Hierfür gelten Bedingungen, die telefonisch besprochen werden. »Einmal die Woche ist selten, eine halbe Stunde ist kurz, die Abstands- und Hygieneregeln sind lästig – und doch all dieses ist nötig, um das zu ermöglichen, worauf so viele gewartet haben: Endlich wieder beieinander sein zu können«, heißt es in der Deinerlinde zu den bisherigen Erfahrungen. Die stellvertretende Leiterin Martina Weitze weist darauf hin, dass die Hygieneregeln unbedingt einzuhalten sind; andernfalls müssten Besuche auch abgebrochen werden. Wie man bisher mit dem Thema verfahren sei, habe Erfolg gehabt – alle hätten gut mitgezogen, und so sollte es bleiben.

Auch im Mundus Senioren-Haus in Dassel sind nach der gültigen Landesverordnung Besuche möglich. Bereits Ende April wurde die Möglichkeit eröffnet, sich durch ein sogenanntes Kontaktfenster »nahe zu sein«, sich sehen und unterhalten zu können – zum Schutz der Bewohner und Mitarbeiter unter Berücksich­tigung strenger Hygienemaßnahme und nach telefonischer Anmeldung.

Regelmäßig Überlegungen zu Lockerungen

Grundsätzlich sollen aber die gültigen Besuchsbeschränkungen vorerst beibehalten werden. Alle – Mitarbeiter, Bewohner und Angehörige – hätten in den vergangenen Wochen mit viel Engagement und Motivation dafür gekämpft, das Coronavirus aus allen Einrichtungen erfolgreich fernzuhalten. Die Maßnahmen jetzt zu lockern, würde ein nicht einschätzbares Risiko bergen. Für diese Entscheidung bitten die Mundus-Geschäftsführer Detlef Heitzmann und Andreas Lammers um Verständnis. Gemeinsam mit den Einrichtungsleitungen werde regelmäßig überlegt, ob und inwieweit die bestehenden Besuchsbeschränkungen gelockert werden könnten. »Wann wir unser Senioren-Haus in Dassel für Besucher wieder komplett ›öffnen‹ können, können wir verständlicherweise zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, und das wäre aus unserer Sicht auch sehr unseriös«, teilten sie mit.ek/oh

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