Weniger Diebstähle, dafür mehr Rohheitsdelikte

Polizeiinspektion Northeim stellte die Kriminalstatistik vor

Hans Walter Rusteberg (links), Leiter der Polizeidirektion Northeim, und Lutz Exner, Leiter des ersten Fachkommissariats, stellten die polizeiliche Kriminalstatistik 2018 vor. Die Zahlen beweisen, dass das Kriminalitätsaufkommen im Landkreis unter dem Landesschnitt liegt.

Region. Eine nur leichte Zunahme an Kriminalitätsdelikten  ist im Landkreis Northeim zu verzeichnen. Diese stiegen um 21 auf 6.692 Delikte, was einen Anstieg von 0,3 Prozent bedeutet. Die Kriminalstatistik  2018 stellten am Dienstag der Leiter der Polizeiinspektion Northeim, Polizeidirektor Hans Walter Rusteberg und der Leiter des 1. Fachkommissariats, Lutz Exner, und Polizeihauptkommissar Uwe Falkenhain vor.

Zu diesem Anstieg tragen vor allem erhöhte Fallzahlen bei den Gewalt und Rohheitsdelikten bei, die um 45 auf 1.244 Fälle gestiegen sind. Darunter befinden sich auch sieben aufgeklärte Tötungsdelikte. Die Aufklärungsquote von 67,62 Prozent insgesamt konnte auch im vergangenen Jahr  wieder auf einem guten Niveau gehalten werden und liegt damit weiterhin deutlich über dem Landesschnitt, so Rusteberg. Die Aufklärungsquote des Landes Niedersachsen liegt bei 62,81 Prozent.
Dieses gute Ergebnis resultiere zum einen aus der Arbeit engagierter und kompetenter Polizeibeamten und zum anderen ist es auch der Mithilfe einer aufmerksamen Bevölkerung zu verdanken, die mit Hinweisen immer wieder die polizeiliche Arbeit unterstützt. „Jeder Hinweis wird aufgenommen und priorisiert abgearbeitet“, so Exner, „wir freuen uns über jeden Hinweis, nur dadurch können wir so erfolgreich arbeiten“.

Im Detail sind geringe Steigerungen der Fallzahlen in den Bereichen der Gewalt- und Vermögensdelikte zu verzeichnen. Hier stieg die Zahl um 45 auf nunmehr 1.244 Straftaten an.

Als eine Welle, die regional wandere, bezeichnete Exner Straftaten zum Nachteil älterer Menschen. Wobei er hier hinzufügte, dass auch jüngere Menschen zum Opfer werden. Die Täter erschleichen sich in diesen Betrugsfällen das Vertrauen von Senioren, in dem sie sich zum Beispiel als Enkel oder als Polizeibeamter ausgeben. Insbesondere durch eine intensive präventive Öffentlichkeitsarbeit über die Medien gelang es vielfach, Taten bereits im Versuchsstadium zu vereiteln. Dennoch passiere so etwas Tag für Tag, und nicht immer ginge es nur um kleine Geldsummen. Auch verfügen die Täter über technische Voraussetzungen, dass der angerufene tatsächlich die Telefonnummer des Polizeikommissariats angezeigt bekomme. Oftmals verbergen sich dahinter weit entfernt gelegene Callcenter.

Im Bereich Wohnungseinbruchsdiebstahl ist eine leichte Steigerung um zehn Taten auf 103 feststellbar. Im langjährigen Mittel liegen die Fallzahlen jedoch innerhalb eines sinkenden Trends. Verbesserte Sicherung des Eigentums und aufmerksame Nachbarn spielen in diesem Zusammenhang eine wesentliche Rolle. Die Aufklärungsquote bei den versuchten und vollendeten Wohnungseinbrüchen liegt bei 18,4 Prozent und damit  unter dem Vorjahreswert von 34 Prozent. Dies habe die Ursache, dass es der Polizei im Jahr 2017 gelungen sei, mehr Diebstahlserien aufzudecken.  Auch im Bereich der Betrügereien stiegen die Zahlen leicht um 43 auf 943. Davon waren 319 Betrugsfälle über das Internet zu verzeichnen. Bei den schweren Diebstählen ist ein Rückgang von 71 auf 671 Taten zu verzeichnen. „Die Betrüger werden pfiffiger und können ihre Spuren immer besser verschleiern“, so Exner dazu.  Bei den Strafdelikten mit Stichwaffe wurden 62 Fälle verzeichnet. „Dieses ‘Werkzeug’ ist eine der schlimmsten Tatwaffen , die es gibt“, betonte Exner. Dagegen habe die Polizei mit besserer Schutzkleidung aufgerüstet, wie zusätzlich zu den durchschusshemmenden auch durchstichhemmende Westen.

Die Zahl der Autodiebstähle stieg um zehn auf 32. Der Schaden betrug insgesamt 445.000 Euro, was darauf zurückzuführen ist, dass hochwertige Modelle bevorzugt würden. Bei den regionalen Straftaten wurden in den Zuständigkeitsbereichen Bad Gandersheim 572, in Kalefeld/Echte 196, in Kreiensen 184 und in Einbeck 1.245 verzeichnet.

Mit 5030 Straftaten pro 100.00 Einwohner zähle der Landkreis Northeim aber immer noch zu den sichersten Regionen, sagte Rusteberg. „Nach wie vor können wir hier sehr sicher leben“. Im Vergleich zum Land liegt dieser bei 6.362 Straftaten pro 100.000 Einwohner.

Leider nehmen auch die Straftaten gegen Polizeibeamte, aber auch gegen Rettungskräfte zu. Bei der Polizei stieg die Zahl um weitere elf Fälle auf 48 an, bei Straftaten gegen Rettungskräfte wurden sechs verzeichnet. „Das macht uns wirklich Sorgen, wenn die Menschen angegangenen werden, die in Ausübung ihrer Pflicht helfen wollen“, betonte Rusteberg, „das ist ein Trend, den wir stoppen müssen“. Bei diesen Zahlen handele es sich auch nicht nur um Widerstand, sondern auch um tätliche Angriffe. 2018 wurden zum ersten Mal die gleichgelagerten Straftaten gegen Einsatzkräfte von Rettungsdiensten und Freiwilligen Feuerwehren erfasst. In zwei Fällen wurden die Retter im Einsatz bedroht und zudem noch viermal Opfer einer Körperverletzung.

Der Präsident der Polizeidirektion Göttingen, Uwe Lührig nimmt zu diesem Thema wie folgt Stellung: „Besorgniserregend ist der Blick auf die weiterhin auf hohem Niveau stagnierende Gewalt gegen Polizeibeamte. Im Jahr 2018 sind in 393 Fällen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Opfer von Gewalt geworden. Davon waren 25 vorübergehend nicht mehr dienstfähig und fielen insgesamt 589 Tage aus. Der sinkende Respekt verbunden mit steigender körperlicher Aggressivität ist für mich absolut unverständlich, insbesondere weil auch die Hemmschwelle gegenüber Rettungskräften sinkt. Im Bereich der PD Göttingen wurden 35 Retter angegriffen, neun Taten mehr, als im Vorjahr. Dass hier eine Berufsgruppe angegriffen wird, die Bürgern zur Hilfe kommt finde ich besonders verwerflich".hn/red